Darum gehts
- Militäressen sorgt für nostalgische Erinnerungen
- Ein Luzerner Grafiker hat deshalb über 3 bis 4 Jahre Militäressen fotografiert
- Der Bildband ist eine Ode an die täglichen Gaumenfreuden im Schweizer Militär
Der Militärdienst ist für viele Rekrutinnen und Rekruten eine prägende Zeit. Weg von der gewohnten Umgebung, plötzlich den ganzen Tag mit fremden Menschen verbringen, meist wenig Schlaf. Das kann hart sein. Umso wichtiger sind vertraute Elemente, die Gemeinschaft schaffen. Zum Beispiel das Essen.
Das ist wohl auch der Grund, warum das Militäressen bei vielen eine gewisse Nostalgie auslöst. Die regelmässig wiederkehrenden Gerichte haben für manche sogar Kultcharakter. So erfreut sich das Militärkochbuch der Schweizer Armee grosser Beliebtheit, auch ausserhalb der Kaserne. Elia Salvisberg ging noch einen Schritt weiter und schuf «eine nicht ganz ernst gemeinte Ode an die täglichen Gaumenfreuden der Schweizer Armee».
Nostalgie aus dem Buch
Salvisberg ist Grafiker mit eigenem Atelier in Luzern. In Eigenproduktion hat er den Bildband «E. Guete» herausgegeben. In rund 60 Bildern hält er das tägliche Militäressen fest. Die Bilder hat er persönlich während der Wiederholungskurse (WK) über einen Zeitraum von drei bis vier Jahren aufgenommen. «Da die Speisen meist in etwas rustikaler Manier auf den Teller geschmettert wurden, entstanden oft amüsante Kompositionen der einzelnen Gerichte. Ich habe dies jeweils mit Humor genommen.»
Zuerst war das Projekt als persönlicher Rückblick in die Militärzeit angedacht. Mit der Zeit sei dann die Idee dazugekommen, die Menüs mit lustigen Namensgebungen zu verknüpfen, welche zum Teil an die Militärsprache angelehnt sind. «Eigentlich war es ein Spassprojekt. Am Ende waren es dann aber so viele Gerichte, dass ich fand, es wäre schade, das für mich zu behalten.» Salvisberg ist überzeugt, dass dieses Buch ganz besondere Erinnerungen wecken kann. Gerade weil die Gerichte Klassiker sind, die jeder kennt.
Ästhetik oder Realität?
Top oder Flop kann man beim Militäressen nicht verallgemeinern. Das hängt doch sehr von der Truppe in der Küche ab. Elia Salvisberg meint aber, bei ihm sei das Essen in der RS und in allen WKs immer sehr ähnlich gewesen. Allerdings hatte er auch eine ganz spezielle Funktion: Als Grafiker, zuständig für die Pilotenschule, war er innerhalb der Kaserne jeweils der Einzige mit dieser Funktion. Daher verbrachte er seine Mittagessen häufig ohne Kameraden. «Da ich meist kein Gegenüber hatte, begann ich, die mir vorgelegten Gerichte fotografisch festzuhalten. Im Rahmen meines letzten WK entstand dann die Idee für das Buch.»
In anderen Schweizer Kasernen kann das Bild des Mittagessens aber ganz anders aussehen als in Salvisbergs Fotoserie. Lange Schlangen bilden sich vor dem Essen oder ein Zug kommt wegen Zusatzaufträgen zu spät zum Essen. Dann essen die Rekruten, was übrig bleibt. Und das kann dann schon mal karg aussehen. Nicht umsonst sind die «Frässpäckli» nach wie vor der Renner.
Fotos aus dem Bildband «E. Guete». Konzept, Gestaltung und Text von Elia Salvisberg. ISBN: 978-3-033-10287-3. Zu erwerben in der Markthalle Luzern oder im Onlineshop bergerberg.ch.