Nach den Klimagipfel in Lausanne, wo sie Journalisten aus dem Saal jagte, ist die schwedische Klimaschützerin Greta Thunberg (16) nach Deutschland weitergereist. In Nordrhein-Westfalen (NRW) traf sie Umweltaktivisten, die das Abholzen des Hambacher Forsts durch den Energieversorger RWE verhindern wollen.
«Die meisten vermummen sich»
Zu dieser Gruppe gehören laut Herbert Reul (66, CDU), dem Innenminister des Bundeslandes NRW, auch gewaltbereite Linksextremisten. Bilder des Treffens zeigen, dass Greta Thunberg mit einer Vermummten in Kontakt kam. Sie und die deutsche Organisatorin der «Fridays for Future»-Bewegung, Luisa Neubauer (23), schien dies nicht zu stören. Beide liessen sich mit der Vermummten ablichten.
Carla Reemtsma (21), Sprecherin und Mitorganisatorin von «Fridays for Future» Deutschland, erklärt gegenüber der Zeitung «Bild»: «Diese Frau gehört zu den Besetzern im Hambacher Forst, die Greta durch den Wald geführt und ihr alles gezeigt haben. Die meisten Besetzer im Hambacher Forst vermummen sich, weil sie nicht erkannt werden wollen. Es steht ihnen ja auch frei, sich zu vermummen.»
«Erschreckende Distanzlosigkeit»
Das bringt Politiker und Polizeivertreter auf die Palme. Der Innenexperte und stellvertretende CDU-Fraktionsvorsitzende im NRW-Landtag, Gregor Golland (44), ist empört. In der «Bild» sagt er: «Die Fotos zeigen eine erschreckende Distanzlosigkeit zwischen den moralisierenden, vermeintlichen Klima-Rettern und gewaltbereiten, vermummten Extremisten und Antidemokraten. In der Demokratie zeigt man sein Gesicht und steht zu seine Meinung!»
Das unterstützt auch Michael Mertens, Landesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei NRW: «Greta Thunberg neben einer vermummten Person fühlt sich falsch an. Der Protest im Hambacher Forst war und ist nicht von zivilen Ungehorsam getragen. Verletzte Polizisten und RWE-Beschäftige durch Zwillenbeschuss, Steinwurf oder Molotowcocktails und permanente Sachbeschädigungen sind Straftaten, die verfolgt werden müssen. Das ist weit entfernt von den friedlichen Protesten der Bewegung Fridays for Future.»
«Ziviler Ungehorsam manchmal nötig»
Die junge Schwedin schien die Vermummung nicht stören. Bei ihrem Besuch im Hambacher Forst sagte Greta Thunberg: «In einigen Fällen denke ich schon, dass ziviler Ungehorsam manchmal nötig ist, wenn nichts anderes hilft, wenn es friedlich ist und niemand zu Schaden kommt, wenn nichts kaputtgeht.» (gf)