Auf einen Blick
Ein neuer Tiktok-Trend sorgt für Aufsehen. Unter dem Hashtag «Run like a girl» teilen Frauen ihre Erfahrungen mit Flucht und Selbstschutz. Die Bewegung fordert dazu auf, eine oft abwertende Redewendung neu zu denken: Laufen «wie ein Mädchen» bedeutet hier nicht Schwäche – sondern Stärke, Mut und Überlebenswillen.
Der Hashtag #runlikeagirl ist mehr als nur ein viraler Trend – er gibt Frauen eine Plattform, auf der sie von ihren Erfahrungen mit Bedrohung und Flucht berichten können. Die Kommentare sind voller Solidarität, Mut und Mitgefühl.
Filme als Auslöser
Der Trend hat seinen Ursprung in Filmszenen, die Frauen in Extremsituationen zeigen. Besonders ein Clip aus «The Girl Who Escaped: The Kara Robinson Story» (2023) machte ihn bekannt. Der Film erzählt die wahre Geschichte von Kara Robinson Chamberlain, die ihrem Entführer entkam. Auch Szenen aus «3096 Days», der Verfilmung der Entführung von Natascha Kampusch, und «Woman of the Hour», in dem eine Frau dem Serienmörder Rodney Alcala entkommt, tauchen auf. In diesen Clips rennen Frauen buchstäblich um ihr Leben – untermalt von «Labour» von Paris Paloma. Der Song, der sich mit der Belastung und dem Kampf von Frauen auseinandersetzt, wurde bereits für frühere feministische Tiktok-Trends genutzt und verstärkt die emotionale Wirkung der Videos.
Die Botschaft von Kara Robinson Chamberlain
Kara Robinson Chamberlain wurde 2002 als Teenager entführt, konnte jedoch entkommen. 20 Jahre später teilt sie ihre Geschichte auf Tiktok, um anderen Mut zu machen. Als der Trend um ihre Geschichte schliesslich 2025 viral ging, wandte sie sich erneut mit einer Botschaft an ihre Followerinnen – einem «Liebesbrief an die Läuferinnen».
In ihrem Video betont sie, dass sich Betroffene nicht für immer traumatisiert fühlen werden und dass es möglich ist, wieder Vertrauen zu anderen Menschen zu fassen. «Ihr seid nicht durch das definiert, was passiert ist», sagt sie.
Es sei zwar nicht die Schuld der Betroffenen, was ihnen widerfahren ist, aber die Verantwortung für die eigene Heilung liege bei ihnen. «Du kannst heilen», erklärt sie und fügt hinzu, dass nicht einfach die Zeit alle Wunden heilt, sondern dass dieser Prozess aktiv gestaltet werden kann.
Auch Sportlerinnen setzen ein Zeichen
Der Trend wird aber nicht nur mit Angst und Flucht in Verbindung gebracht – auch sportliche Höchstleistungen spielen eine Rolle. Die US-Rugbyspielerin Ilona Maher (Bristol Bears) teilte ein Video, in dem sie während eines Spiels sprintet. Ihr Beitrag wurde millionenfach geklickt und gefeiert. Auch die deutsche Leichtathletin und Influencerin Alica Schmidt nahm am Trend teil und zeigte ihre Schnelligkeit auf der Laufbahn.
Diese Videos rücken die sportlichen Fähigkeiten von Frauen in den Vordergrund und brechen mit alten Stereotypen. Sie zeigen: Wer «wie ein Mädchen» rennt, kann stark und schnell sein.
Die schiere Anzahl dieser Berichte zeigt eine bittere Realität: Viel zu viele Frauen mussten bereits um ihr Leben rennen. Der Trend macht auf ein weltweites Problem aufmerksam – die allgegenwärtige Gewalt gegen Frauen. Für viele bleibt in solchen Momenten nur eine Möglichkeit: zu rennen.