Darum gehts
- Beim Bund gingen im Oktober über 50 Meldungen zur Whatsapp-Abstimmungsmasche ein
- Opfer geben auf Fake-Websites Nummer und Whatsapp-Code ein oder scannen QR-Codes
- Täter übernehmen Konten, lesen Chats und senden die Betrugsnachricht an alle Kontakte
Das Handy vibriert. Es ist eine Nachricht von jemandem, den du kennst: Ob du kurz für die Tochter eines Freundes abstimmen könntest? Die Abstimmung ende bald, es dauert keine Minute. Klar, du tippst auf den Link, gibst deine Handynummer ein, dann den Code aus dem SMS. Kurz darauf wirst du bei Whatsapp abgemeldet. Was ist passiert? Du hast gerade dein Whatsapp-Konto Cyberkriminellen übergeben. Und diese schicken dieselbe Bitte nun an all deine Kontakte.
Die Masche ist nicht neu. Schon im Mai warnte das Bundesamt für Cybersicherheit (Bacs) davor. Damals hiess das Mädchen in der Nachricht noch Sofia, jetzt Sophie. Und auch im September gab es wieder Meldungen dazu. Zurzeit verzeichnet der Bund nun eine grössere Welle, die Methode habe sich etabliert, so das Bacs. Allein im Oktober sind beim Amt mehr als 50 Meldungen dazu eingegangen.
So läuft die Masche
Der Link in der Whatsapp-Nachricht führt auf eine Website, die einem einen Schul- oder Tanzwettbewerb vorgaukelt. Die Adressen wechseln ständig, damit Sicherheitsfilter nicht anschlagen. Zum «Abstimmen» gibt es zwei Wege.
Variante eins: Das Opfer tippt seine Handynummer ein und danach den Code, den es per SMS erhält. Das ist der sechsstellige Registrierungscode von Whatsapp. Wer ihn eingibt, aktiviert das Konto auf dem Gerät der Täter.
Variante zwei: Die Seite zeigt einen QR-Code, den man in Whatsapp unter «Verknüpfte Geräte» scannen soll. Hier sollten die Alarmglocken angehen. Gedacht ist diese Funktion für Whatsapp Web, also den Chat am Computer. Besonders tückisch: Der Scan verbindet dein Konto unbemerkt mit dem System der Täter. Eigentlich wollte der Whatsapp-Mutterkonzern Meta das Problem angehen. Seit März soll der Messenger eigentlich warnen, wenn eine Geräteverknüpfung verdächtig wirkt, und anzeigen, woher diese Anfrage kommt. Als Beispiel beschrieb Meta ausgerechnet eine angebliche Talentabstimmung. Die Warnung betrifft aber nur die Verknüpfung per QR-Code, nicht den SMS-Code.
Was die Täter tun
Danach lesen die Täter Chats, Gruppen und Fotos mit. Schon im Frühling stellte das Bacs fest, dass Kriminelle gekaperte Konten nutzen, um in Gruppenchats Falschinformationen zu streuen oder weitere Betrugsversuche zu starten. Dazu kommt noch der Versand ans eigene Adressbuch. «Dieser Schneeballeffekt sorgt für die aktuell hohe Verbreitung der Masche», so das Bacs.
So schützt du dich
Das empfiehlt das Bacs:
- Sei misstrauisch, wenn du per Messenger zu einer Abstimmung oder einem Wettbewerb aufgefordert wirst, auch von Bekannten. Frag im Zweifel anderweitig nach und weise die Person darauf hin, dass in ihrem Namen solche Nachrichten verschickt werden.
- Gib den sechsstelligen Whatsapp-Code nie weiter und tipp ihn auf keiner Website ein.
- Nutze «Verknüpfte Geräte» nur, um Whatsapp Web auf deinen Geräten einzurichten, etwa auf dem Laptop. Scanne niemals QR-Codes von unbekannten Websites.
- Schütze dein Konto mit einer eigenen PIN in Whatsapp: Einstellungen > Konto > Zweistufige Überprüfung. Das macht eine Übernahme um ein Vielfaches schwieriger.
Schon geklickt?
Ist dein Whatsapp-Konto bereits gekapert, rät das Bacs Folgendes:
- Warne deine Kontakte umgehend über einen anderen Kanal und bitte sie, keine Links in Nachrichten von dir anzuklicken.
- Beim QR-Code-Trick: Öffne Einstellungen > Verknüpfte Geräte, tippe auf alle unbekannten Einträge und wähle «Abmelden».
- Beim SMS-Code-Trick: Registriere dich auf deinem Handy neu mit deiner Nummer. Mit dem neuen SMS-Code fliegen die Täter automatisch raus. Haben sie bereits eine eigene PIN gesetzt, musst du sieben Tage warten. In dieser Zeit sind aber auch sie ausgesperrt.