Darum gehts
- Microsoft plant, den ikonischen «Blue Screen of Death» zu ersetzen
- Bill Gates erlebte peinliche Bluescreen-Momente bei öffentlichen Präsentationen
- 2024 legte ein fehlerhaftes Update global zahlreiche Windows-Rechner lahm
Es ist der virtuelle Sensenmann der 1990er-Jahre: gnadenlos, unerbittlich und blau. Ein Moment der Stille, dann des Realisierens: alle ungesicherten Daten – verschwunden.
Der Blue Screen of Death (BSOD), der blaue Bildschirm des Todes, hat über Jahrzehnte Computernutzerinnen und -nutzer in Schweiss versetzt. Doch jetzt denkt der Hersteller darüber nach, ihn zu begraben. Die Windows-Fehlermeldung soll überarbeitet werden für eine «optimierte Benutzererfahrung», wie Microsoft in seinem offiziellen Blog erklärt. Wie? Der digitale Exitus soll künftig schwarz werden.
Ballmers blauer Moment
Seine Ursprünge hat der BSOD als pragmatische Systemfehlermeldung im Jahr 1992 in Windows 3.1. Den Fehlertext schrieb damals Microsoft-Manager Steve Ballmer persönlich. Was als blauer Bildschirm der Unzufriedenheit begann (ja, so nannte es ein Microsoft-Mann tatsächlich), entwickelte sich zum popkulturellen Phänomen und zum unfreiwilligen Mahnmal der digitalen Vergänglichkeit. «Blue Screen of Death»: Diesen viel dramatischeren Spitznamen bekam er von genervten Tech-Enthusiasten, bevor er ab 1995 den Weg in erste IT-Fachmagazine fand.
Die blaue Erscheinung war mehr als nur eine Fehlermeldung – sie wurde zum Symbol für technologische Hilflosigkeit. Ein Bildschirm, der besagte: Hier läuft nichts mehr. Neustart oder Untergang. Die unverkennbare Optik fand Einzug in Internet-Memes, Filme, auf T-Shirts und Kaffeetassen. Der blaue Tod wurde gar zur universellen Metapher: Auch Apple-Nutzerinnen und -Nutzer wissen, was damit gemeint ist.
Absturz während Live-Präsentation
Seine grössten Sternstunden erlebte der Bildschirm dann, wenn alle Welt zusah. An der Comdex-Messe in Las Vegas führte CEO Bill Gates 1998 persönlich das neue Windows 98 vor. Beim Anschliessen eines Scanners, einer Demonstration der neuen Plug-and-play-Fähigkeiten, erschien prompt der «blaue Tod». Das Publikum brach in lautes Gelächter aus. Gates konterte trocken: «Das muss der Grund sein, warum wir Windows 98 noch nicht ausliefern.»
Die Abstürze verfolgten Gates hartnäckig. 2005 fror auf der Consumer Electronics Show erst ein Mediacenter ein, dann crashte eine Game-Demo mit Bluescreen – beides vor den Augen von TV-Star Conan O’Brien, der spottete: «Gerade werden zehn Leute gefeuert. Wer ist hier noch mal der Chef?»
Der Höhepunkt der blauen Schreckensmeldungen wurde schliesslich im Juli 2024 erreicht: Ein fehlerhaftes Update des Sicherheitsprogramms von Crowdstrike legte global zahlreiche Windows-Rechner lahm. Selbst die gigantischen LED-Bildschirme am Times Square in New York erstrahlten plötzlich in Blau.
Trostpflaster mit Smiley
Microsoft hat über die Jahre versucht, dem Schrecken die Schärfe zu nehmen. Mit Windows 8 wurde 2012 ein Smiley mit Lätsch eingeführt. Ein bemühter Versuch, den Schock mit einem Hauch von Empathie zu mildern. Später mit Windows 10 kam noch ein QR-Code hinzu, der mit dem Smartphone gescannt werden konnte – als ob man in diesem Moment der digitalen Verzweiflung nichts Besseres zu tun hätte.
Tatsächlich aber ist der blaue Bildschirm zu einer Rarität geworden. Moderne Windows-Versionen stürzen seltener ab, und einige jüngere Nutzerinnen und Nutzer kennen ihn womöglich nur vom Hörensagen. Dennoch bleibt er im kollektiven technischen Gedächtnis verankert – wie die Diskette als Speichersymbol oder der Wahlton eines 56k-Modems.
Schwarz steht ihm nicht
Über die Jahre hat sich die blaue Farbe gewandelt. Von einem strahlenden Kobalt zu Azurblau zu Enzianblau. Der Schwenker zu Schwarz würde nun das Ende einer Ära bedeuten. Allerdings ist noch nicht ganz klar, ob der neue BSOD – dann wohl für «Black Screen of Death» – in die finale Version Einzug halten wird. Eine Anfrage von Blick in Redmond – dem Haupsitz von Microsoft – wurde zwar beantwortet, liess diese Antwort aber offen.
Sicher ist: So würde ein Stück digitale Popkultur verschwinden, eine Ikone des digitalen Frusts sich wandeln. Die Botschaft bleibt aber dieselbe: «Ihr Gerät hat ein Problem und muss neu gestartet werden.» Aber ohne das charakteristische Blau verliert der Tod seinen Schrecken und vielleicht auch ein Stück seiner Identität.