Stärkere E-Motoren und kleinere Treibstofftanks
So könnten Plug-in-Hybride wirklich sauber werden

Klimahilfe oder Etikettenschwindel? Vor einer möglichen Lockerung der EU-Regeln fordern Umweltschützer strengere Kriterien für Plug-in-Hybride, unter anderem stärkere Elektromotoren und kleinere Treibstofftanks.
Kommentieren
1/8
Plug-in-Hybride wie der BYD Seal 6 gelten als umweltfreundlicher als reine Verbrenner und Hybride ohne Stecker.
Foto: Lorenzo Fulvi

Darum gehts

  • Plug-in-Hybride boomen, weil sie Flottenwerte senken und Autobauern höhere Gewinne bringen
  • Umweltlobby-Organisation Transport & Environment (T&E) beziffert reale CO₂-Emissionen von Plug-in-Hybriden im Schnitt auf 145 statt 24 Gramm pro Kilometer
  • T&E stellt Kriterien für «gut konzipierte» Plug-in-Hybriden auf, zum Beispiel: Tank fasst höchsten 15 Liter
Gabriel Knupfer
Gabriel KnupferRedaktor News

Plug-in-Hybride boomen. Sie gelten als umweltfreundlicher als reine Verbrenner und Hybride ohne Stecker. Aktuell prüft deshalb die EU, die Steckerfahrzeuge auch nach 2035 noch zuzulassen.

Für die Autobauer sind Plug-in-Hybrid-Modelle ein Glücksfall. Der Grund liegt auf der Hand: Sie drücken auf dem Papier den CO₂-Ausstoss der Flotten und werfen mehr Gewinn ab als reine E-Autos.

Sechsmal mehr CO₂

Doch Umweltschützer werfen den Autokonzernen vor, mit den Plug-in-Hybriden Etikettenschwindel zu betreiben. Immer wieder zeigen Untersuchungen, dass der Benzin- oder Dieselverbrauch weit höher liegt als offiziell angegeben. So schlug eine Studie von Anfang 2026, an der unter anderem das renommierte Fraunhofer-Institut in Karlsruhe (D) beteiligt war, hohe Wellen.

Die Forscher zeigten, dass die etwa eine Million untersuchten Fahrzeuge durchschnittlich fast sechs Liter Treibstoff pro 100 Kilometer verbrauchten – 300 Prozent mehr als in den Herstellerangaben der EU-Typgenehmigung vermerkt! Grund dafür sei, dass die Autos selbst im Entlademodus, wenn primär elektrische Energie aus der Batterie als Antrieb genutzt wird, durchschnittlich drei Liter pro 100 Kilometer verbrauchen.

«Plug-in-Hybride sind einer der grössten Greenwashing-Tricks der Automobilindustrie», sagt Lucien Mathieu von der Umweltlobby-Organisation Transport & Environment (T&E). «Zudem sind sie eine Abzocke für die Konsumenten, die am Ende weitaus mehr für Treibstoff bezahlen, als sie erwartet hatten.» Laut T&E liegen die wahren CO₂-Emissionen bei Plug-ins im Schnitt sechsmal höher als in den WLTP-Tests (145 g CO₂ pro Kilometer statt 24 g).

Vier Kriterien

T&E fordert deshalb jetzt in einem Report von der EU, gezielt «gut konzipierte Plug-in-Modelle» zu fördern. Die Umweltschützer stellten vier Kriterien auf, mit denen die Steckerfahrzeuge einen echten Beitrag zur CO₂-Reduktion leisten könnten.

  • Der Elektromotor muss mindestens dreimal so stark sein wie der Verbrenner. Nur so fährt der Wagen im Alltag unter allen Bedingungen wirklich rein elektrisch.
  • Pflicht zur Schnellladefähigkeit mit Gleichstrom (über 100 kW). Das motiviert Lenker, die Batterie auch unterwegs rasch zu füllen.
  • Maximales Tankvolumen von 15 Litern. Auch das als Anreiz zum Aufladen. Bei einem Verbrauch von 6,7 l/100 km kann ein Plug-in damit 220 km im Verbrennungsmodus zurücklegen.
  • Eine elektrische Reichweite von mindestens 200 km bis 2030. Das Fahrzeug sollte zudem vollständig im 0-g/km-Modus fahren, wenn die Batterie nicht leer ist (EV-Prioritätsmodus).

Aktuell berät die EU über eine Lockerung der CO₂-Regeln für Autos. Ob sie diese Vorschläge in die Regulierung einfliessen lässt, ist aber unklar. In einigen konservativen Medien sorgte insbesondere die Forderung nach einem kleinen Tank für Kritik.

Was sagst du dazu?
Heiss diskutiert
    Meistgelesen