Darum gehts
- Plug-in-Hybride boomen, weil sie Flottenwerte senken und Autobauern höhere Gewinne bringen
- Umweltlobby-Organisation Transport & Environment (T&E) beziffert reale CO₂-Emissionen von Plug-in-Hybriden im Schnitt auf 145 statt 24 Gramm pro Kilometer
- T&E stellt Kriterien für «gut konzipierte» Plug-in-Hybriden auf, zum Beispiel: Tank fasst höchsten 15 Liter
Plug-in-Hybride boomen. Sie gelten als umweltfreundlicher als reine Verbrenner und Hybride ohne Stecker. Aktuell prüft deshalb die EU, die Steckerfahrzeuge auch nach 2035 noch zuzulassen.
Für die Autobauer sind Plug-in-Hybrid-Modelle ein Glücksfall. Der Grund liegt auf der Hand: Sie drücken auf dem Papier den CO₂-Ausstoss der Flotten und werfen mehr Gewinn ab als reine E-Autos.
Sechsmal mehr CO₂
Doch Umweltschützer werfen den Autokonzernen vor, mit den Plug-in-Hybriden Etikettenschwindel zu betreiben. Immer wieder zeigen Untersuchungen, dass der Benzin- oder Dieselverbrauch weit höher liegt als offiziell angegeben. So schlug eine Studie von Anfang 2026, an der unter anderem das renommierte Fraunhofer-Institut in Karlsruhe (D) beteiligt war, hohe Wellen.
Die Forscher zeigten, dass die etwa eine Million untersuchten Fahrzeuge durchschnittlich fast sechs Liter Treibstoff pro 100 Kilometer verbrauchten – 300 Prozent mehr als in den Herstellerangaben der EU-Typgenehmigung vermerkt! Grund dafür sei, dass die Autos selbst im Entlademodus, wenn primär elektrische Energie aus der Batterie als Antrieb genutzt wird, durchschnittlich drei Liter pro 100 Kilometer verbrauchen.
«Plug-in-Hybride sind einer der grössten Greenwashing-Tricks der Automobilindustrie», sagt Lucien Mathieu von der Umweltlobby-Organisation Transport & Environment (T&E). «Zudem sind sie eine Abzocke für die Konsumenten, die am Ende weitaus mehr für Treibstoff bezahlen, als sie erwartet hatten.» Laut T&E liegen die wahren CO₂-Emissionen bei Plug-ins im Schnitt sechsmal höher als in den WLTP-Tests (145 g CO₂ pro Kilometer statt 24 g).
Vier Kriterien
T&E fordert deshalb jetzt in einem Report von der EU, gezielt «gut konzipierte Plug-in-Modelle» zu fördern. Die Umweltschützer stellten vier Kriterien auf, mit denen die Steckerfahrzeuge einen echten Beitrag zur CO₂-Reduktion leisten könnten.
- Der Elektromotor muss mindestens dreimal so stark sein wie der Verbrenner. Nur so fährt der Wagen im Alltag unter allen Bedingungen wirklich rein elektrisch.
- Pflicht zur Schnellladefähigkeit mit Gleichstrom (über 100 kW). Das motiviert Lenker, die Batterie auch unterwegs rasch zu füllen.
- Maximales Tankvolumen von 15 Litern. Auch das als Anreiz zum Aufladen. Bei einem Verbrauch von 6,7 l/100 km kann ein Plug-in damit 220 km im Verbrennungsmodus zurücklegen.
- Eine elektrische Reichweite von mindestens 200 km bis 2030. Das Fahrzeug sollte zudem vollständig im 0-g/km-Modus fahren, wenn die Batterie nicht leer ist (EV-Prioritätsmodus).
Aktuell berät die EU über eine Lockerung der CO₂-Regeln für Autos. Ob sie diese Vorschläge in die Regulierung einfliessen lässt, ist aber unklar. In einigen konservativen Medien sorgte insbesondere die Forderung nach einem kleinen Tank für Kritik.