Letzter Gletscher Sloweniens
«Es bleibt nur ein kleiner Eisfleck, bedeckt von Schmutz»

Vom Skuta-Gletscher in Slowenien ist kaum mehr als ein schuttbedeckter Eisfleck übrig. Nach einem warmen Sommer und wenig Schnee im Winter könnten die letzten Reste des Eises schon im Oktober verschwinden.
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Der Skuta-Gletscher in Slowenien ist beinahe verschwunden.
Foto: Shutterstock

Darum gehts

  • In Slowenien ist nur noch der Skuta-Gletscher übrig; er ist auf einen kleinen Eisfleck geschrumpft
  • Die Eisfläche sank seit Messbeginn von 2,5 bis 3 Hektaren auf 1,5 Hektaren und dünnte stark aus
  • Wenig Winterschnee und ein warmer Sommer treiben die Schmelze; Geröll und Planen sollen Eis schützen
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Mattia JutzelerRedaktor News

«Wir stehen neben Sloweniens letztem verbliebenem Gletscher, und schauen sie, was von ihm übrig ist.» Bergführer Andrej Slak ist seit 35 Jahren in den slowenischen Alpen unterwegs. In dieser Zeit konnte er beobachten, wie die wenigen Gletscher des Landes Jahr für Jahr immer kleiner wurden.

Inzwischen ist nur noch einer übrig: der Skuta-Gletscher an der Grenze zu Österreich. Und auch von diesen Eismassen ist bloss noch ein Bruchteil übrig. «Es bleibt nur ein kleiner Eisfleck, bedeckt von Schmutz und Geröll. Der Unterschied zu früher ist enorm», meint Slak zu Euronews.

Wie schnell schrumpft der Skuta-Gletschter?

«Auf Skuta ist die Eisschicht von mehreren Dutzend Metern Dicke auf nur wenige Meter geschrumpft», erklärt der Geograf Miha Pavšek. Er ist Teil eines Wissenschaftsteams, das den Gletscher seit insgesamt 80 Jahren überwacht.

«Als wir begonnen haben, lagen unter Skuta rund 2,5 bis 3 Hektar Eis. Heute sind es nur noch 1,5 Hektar, und die Eisdecke ist weitgehend ausgedünnt», sagt er zu Euronews. Der Gletscher ist über die Jahrzehnte also fast gänzlich verschwunden. Laut einem Bericht von Reuters ist die Schmelze im Moment so schlimm, dass die letzten Reste der Eisschicht noch im Oktober verschwinden könnten.

Warum schrumpft der Gletscher so schnell?

«Der Wendepunkt kommt, wenn wir im Winter sehr wenig Schnee haben und einen sehr warmen Sommer», erklärt Pavšek. Diese Umstände seien im Jahr 2026 genau eingetroffen. Es schmilzt also aktuell deutlich mehr vom Gletscher ab, als im vergangenen Winter nachgebildet werden konnte.

Auch in der Schweiz war 2026 ein schlechtes Jahr für die heimischen Gletscher. Der Griesgletscher beim Nufenenpass im Kanton Wallis hat in einem Jahr beispielsweise sechs Meter Eis verloren.

Wird der Gletscher geschützt?

Eine grosse Mehrheit der Oberfläche des Skuta-Gletschers wird im Moment vor der Sonne geschützt. «80 bis 90 Prozent der Eisoberfläche sind von Schutt und Geröll bedeckt, der zusätzlichen Schutz bietet.» Diese Massnahme zeige bisher allerdings nur bedingt Wirkung. In den Höhlen unter dem Gletscher würde noch immer Wasser von der Decke tropfen.

Auch in der Schweiz werden Gletscher teilweise abgedeckt, um sie vor dem Schmelzen zu schützen. Hierzulande kommen dafür gern Textilplanen zum Einsatz. Die Stoffe «isolieren und reflektieren die Sonnenstrahlung. Dieser Schutz verzögert das Abschmelzen des Eises. Dadurch könnte ein schneearmer Winter ausgeglichen werden», erklärte Glaziologie-Experte Lifa Imad Blick. Auch künstlich erzeugter Schnee könne zur Isolation von Gletschern genutzt werden.

Gibt es bessere Methoden?

Die Schutzwirkung der Gletscher-Abdeckung ist nachgewiesen. Sowohl die Textilplanen als auch die Isolierung mit künstlichem Schnee bringen aber auch Nachteile mit sich. Das Material der Textilplanen ist beispielsweise sehr teuer.

Alle Schweizer Gletscher abzudecken, würde jährlich mehr als eine Milliarde Franken kosten, schreibt der deutsche Alpenverein. Die Plastikfasern der Abdeckungen würden ausserdem der Umwelt schaden, da sich Mikroplastik von ihnen lösen kann. Eine grossflächige künstliche Beschneiung der Gletscher wäre zudem laut SRF wegen des enorm hohen Energieaufwands nur schwer umsetzbar.

Eine andere Methode könnte sein, neue Gletscher zu züchten, anstatt die alten zu erhalten. Im Engadiner Val Roseg im Kanton Graubünden testete die Fachhochschule Graubünden eine indische Technik in der Schweiz. Im Winter werden dabei konische Eiskegel hergestellt, sogenannte Ice Stupas, deren Schmelzwasser im Frühling etwa der Landwirtschaft zur Verfügung gestellt werden kann.

Die Eiskegel erfüllen also eine ähnliche Funktion wie die natürlichen Gletscher. Zwischen 2016 und 2019 konnten im Kanton Graubünden ungefähr 12 solcher Eiskegel gebaut und erhalten werden.

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