Anstössige Nachrichten auf Secondhand-Kleider-Portal
Frauen wurden auf Vinted selbst zur Ware

Kleider online kaufen und verkaufen boomt. Doch Frauen berichten von sexueller Belästigung auf der Plattform Vinted. Was sie alle gemeinsam haben: Sie zeigten sich zuvor selbst in dem Kleidungsstück, das sie verkaufen wollten.
Publiziert: 04.04.2025 um 19:03 Uhr
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Aktualisiert: 04.04.2025 um 19:13 Uhr
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Die Secondhandplattform Vinted ist total beliebt – aber wie lange noch?
Foto: Screenshot Vinted.de Website

Darum gehts

  • Secondhandshopping: Gefahren für Nutzerinnen
  • Frauen erhalten anstössige Nachrichten auf der Secondhandplattform Vinted
  • Telegramm-Kanal wurde nach Recherchen gelöscht
Die künstliche Intelligenz von Blick lernt noch und macht vielleicht Fehler.
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Natascha RuggliRedaktorin News Desk

Kleider secondhand zu kaufen, ist schon lange im Trend. Aber Brockis sind mittlerweile nicht mehr die einzige Möglichkeit, an Waren aus zweiter Hand zu kommen. Onlineanbieter wie Ricardo, Tutti oder auch Marko erweitern das Secondhandshopping-Angebot – und sie boomen. Ricardo allein zählt vier Millionen Mitglieder und täglich 1,9 Millionen Angebote. Die Apps haben Suchtpotenzial – vor allem für Schnäppchenjäger.

In unseren Nachbarländern Deutschland, Frankreich und Italien kommt man unterdessen nicht am Riesen Vinted vorbei. Die Secondhandbörse, die einst Kleiderkreisel hiess, konzentriert sich mit ihren über 65 Millionen Nutzern auf das Kaufen und Verkaufen von alten Kleidern. Das Prinzip: Du stellst Fotos und eine kurze Beschreibung mit den wichtigsten Angaben inklusive Preis ins Internet. Dann musst du lediglich Geduld beweisen, bis jemand dein Kleidungsstück kauft. 

Anstössige Nachrichten über Vinted

Doch wie so oft birgt das Internet auch hier Gefahren. Eine Recherche von NDR, WDR und «Süddeutscher Zeitung» offenbart: Frauen, die ihre Kleider auf bestimmte Art und Weise präsentieren, erhalten häufiger anstössige Nachrichten über Vinted.

Die Recherche bringt Schockierendes ans Licht: Auf dem Messengerdienst Telegram gibt es eigens einen Kanal namens «Girls of Vinted». Gefundenes Fressen für diejenigen, die zu faul sind, selbst zu scrollen. Wie es scheint, ergötzen sich 2000 User an den selbst geschossenen Verkaufsbildern von Tops, Röcken, Kleidern und vielem mehr. Auf Telegram werden sogar ganze Profile geteilt, mutmasslich, damit die Gruppenmitglieder Kontakt zu den Verkäuferinnen aufnehmen können. Eine Perversion des eigentlichen Sinns von Vinted.

Die meisten Profile stammen gemäss mehrwöchiger Beobachtungen aus Italien. Besonders auffällig: Gelegentlich sind auch Posts darunter, die wirklich suggerieren, die Verkäuferin wolle sexuelle Dienste anbieten. Zweckentfremdung findet bei Vinted also auf beiden Seiten statt.

Telegram-Kanal von Betreiberin gelöscht

Wie die «Süddeutsche Zeitung» schreibt, heisst die vermeintliche Administratorin des Telegram-Kanals Sara, kommt aus Mailand und ist 29. Die Zeitung konfrontiert sie mit den Recherchen. Sara behauptet, dass sie die «öffentlichen Anzeigen» lediglich erneut veröffentliche, um ihnen «mehr Sichtbarkeit» zu geben. So würden die Verkäuferinnen auch mehr verkaufen. Es gibt jedoch allen Grund für Zweifel an dieser Behauptung. Denn: Kurze Zeit später kündigt Sara an, ihr Konto und den Kanal zu löschen. 

Telegram antwortet auf Anfrage von NDR, WDR und «Süddeutscher Zeitung», dass Moderatoren den Kanal gelöscht hätten und Administratorin Sara gesperrt worden sei.

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