Als Russland am 24. Februar in die Ukraine einmarschierte, war die ganze Welt geschockt. Putins Armee nutzte das Momentum, um schnell grosse Gebietsgewinne im Süden zu erzielen. Erst in Kiew stockte die Invasion. Doch seither geht es in die andere Richtung.
Seit dem 21. März – dem geschätzten Datum des tiefsten Vorstosses in die Ukraine – haben die russischen Streitkräfte etwa 45'000 Quadratkilometer an Territorium verloren, berichtet die Denkfabrik Institute for the Study of War (ISW). Das entspricht in etwa der Grösse Dänemarks.
Wie viel Territorium die Russen seit Beginn der Invasion gewonnen haben, wird allerdings nicht in dem Bericht erwähnt. Dafür wird eine Vergleichszahl gebracht, die zeigt, dass die Russen derzeit kaum vorankommen: Seit dem 16. Juli – zuvor gab es eine kurze Gefechtspause – gewannen die Russen lediglich 450,84 Quadratkilometer an Territorium dazu. Das entspricht der Grösse des Zwergstaates Andorra. Oder anders gesagt: Die Russen gewannen in den vergangenen rund 40 Tagen lediglich ein Prozent der Fläche zurück, die sie seit dem 21. März verloren haben.
Schoigu verteidigt Strategie
«Wie ISW bereits festgestellt hat, sind die russischen Streitkräfte nicht in der Lage, begrenzte taktische Gewinne in grössere operative Erfolge umzumünzen», teilt das Institut in einem Fazit mit. Zudem würden ihre Offensivoperationen in der Ostukraine auf einen Höhepunkt zulaufen.
Auch Sergei Schoigu (67), russischer Verteidigungsminister, äusserste sich zum Vorwärtskommen seiner Truppen. Am Mittwoch sagte er, man habe das Tempo der Offensivoperationen verlangsamt, um die Zahl der zivilen Opfer zu minimieren. Die Operation in der Ukraine würde derweil weiter nach Plan verlaufen und alle Ziele erreicht werden.
Das ISW geht davon aus, dass Schoigus Erklärung ein Versuch ist, die Gebietsverluste schönzureden. (vof)