Das Podest
1. Mikaela Shiffrin (USA) 1:37,59
2. Camille Rast (Sz) +1,67
3. Emma Aicher (De) +2,18
Das Rennen
Was für eine Machtdemonstration von Mikaela Shiffrin (30). Die US-amerikanische Ausnahmeathletin sichert sich mit ihrem siebten Slalomsieg der Saison bereits zwei Rennen vor Schluss ihre neunte Slalomkugel – der nächste Rekord in ihrer beispiellosen Karriere. Bisher teilte sie sich den Rekord für die meisten Kristallkugeln im Slalom mit Ingemar Stenmark. Und Shiffrin sichert sich diese Kugel nicht auf irgendeine Art und Weise, sondern fährt wie schon fast in der ganzen Saison in einer eigenen Liga.
Dahinter folgt mit Camille Rast ihre grösste Herausforderin. Dass dies Rast gelingt, ist insofern beeindruckend, als dass sie nach Krankheiten in den letzten Tagen nicht in Vollbesitz ihrer Kräfte ist. Dennoch packt sie im 2. Lauf als Viertletzte noch eine Laufbestzeit aus. Überboten wird diese kurz darauf einzig von Mikaela Shiffrin, wenn auch nur um eine Hundertstel. Komplettiert wird das Podest von Emma Aicher. Die deutsche Allrounderin profitiert davon, dass Wendy Holdener als Halbzeitzweite etwas zu wenig riskiert und noch auf Platz 5 zurückfällt.
Die Schweizerinnen
5. Wendy Holdener +2,35
16. Eliane Christen +4,64
16 Mélanie Meillarde +4,64
Den 2. Lauf verpassen: 34. Aline Höpli +3,83, 44. Aline Danioth +4,42, 48. Nicole Good +5,70
DNF1 Anuk Brändli
Mélanie Meillard startet mit einem Fehler im Steilhang langsamer als alle anderen in den 1. Lauf – auf den ersten 18 Fahrsekunden verliert sie fast 1,8 Sekunden auf Shiffrin. Danach ist der Auftritt aber ganz ordentlich, besonders unten raus dreht sie auf. Leider kommt sie auch in der Entscheidung erst im Flachstück so richtig auf Touren – dennoch kann sie einen kleinen Sprung nach vorne machen.
Eliane Christen verschafft sich im 1. Lauf mit solider Fahrt eine ordentliche Ausgangslage, in der Entscheidung gelingt ihr die Ausfahrt aus dem Steilhang nicht nach Wunsch, weshalb sie noch auf Platz 16 zurückfällt.
Die grossen Zeitabstände hätten eigentlich gute Chancen für die hohen Startnummern eröffnet, leider kann keine Schweizerin davon profitieren. Aline Höpli ist mit Startnummer 31 lange gut unterwegs, ein Fehler unten raus kostet aber entscheidend Zeit. Sie verpasst den Final um nur 13 Hundertstel. Deutlicher ists bei Nicole Good und Aline Danioth. Good verliert schon im ersten Steilhang zu viel Zeit, bei Danioth kommen über den gesamten Lauf einfach zu viele kleine Unsauberheiten zusammen.
Bitter verläuft das Rennen für Anuk Brändli. Sie fädelt nach einer ordentlichen ersten Zwischenzeit (Platz 22) ein. Dabei verdeht sich die Slalom-Hoffnung den Fuss und bleibt einen Moment lang liegen. Erst muss sie von Helfern auf der Piste gestützt werden. Zwischen den Läufen gibt Swiss-Ski gegenüber Blick Entwarnung: Brändli sei soweit okay, auch wenn sie etwas Schmerzen im linken Fuss verspüre.
Die Stimmen (gegenüber SRF)
Camille Rast (nach dem 2. Lauf): «Am Morgen wäre mehr möglich gewesen, aber ich hatte die Energie nicht. Es war vielleicht ein bisschen zu früh – keine Ahnung. Im zweiten Durchgang bin ich gut gefahren, obwohl mir der Lauf nicht wirklich passt, also es war nicht meine Lieblingskurssetzung. Es war gerade und schnell gesetzt, ich liebe Rhythmuswechsel, aber ich konnte mich adaptieren. Der erste Lauf ist mit Blick auf Mikaela (Shiffrin und dem grossen Zeitrückstand, Anm. d. Red) schon sehr schade. Jetzt ist Erholung angesagt, dann gut trainieren, um beim Start an Olympia ready zu sein.»
(nach dem 1. Lauf) : «Ich bin immer noch nicht ganz fit, das Programm gestern war lange. Mir fehlt ein bisschen Energie. Und wenn die Energie fehlt, fehlt auch die Power, um so richtig Gas zu geben. Der Lauf war eher einfach gesetzt, deshalb wäre das wichtig gewesen.»
Wendy Holdener (nach dem 2. Lauf): «Ich bin nicht zufrieden mit meiner Leistung – ich hatte noch so viel spatzig. Oben fühlte es sich eigentlich noch ganz gut an, ich weiss nicht, wie es von den Zwischenzeiten her aussieht. Es ist schade, dass ich ein bisschen zu wenig Gas gebe. Ich will die frechere Linie suchen, nicht zu viel studieren. Ich habs probiert, aber es war zu wenig heute.»
(nach dem 1. Lauf): «Es war alles auf gutem Niveau, wenn man die Zeit von Mikaela sieht, geht es aber sicher noch etwas besser.»
Mélanie Meillard (nach dem 2. Lauf): «Ich habe gerade gesehen, dass ich unten – bis jetzt – die Schnellste war. Oben habe ich mich besser gefühlt als im ersten Lauf, bin aber wohl zu oft zu schön gefahren. Es war wichtig, den Lauf mit einigen guten Sektoren ins Ziel zu bringen. Im Steilhang fühle ich mich weniger wohl, wenn der Start dann so steil ist, ist es schwerer, in den Rhythmus zu kommen.»
Nach dem 1. Lauf: «Oben mache ich im Steilhang einen grossen Fehler, danach brauchte ich Zeit, um in meinen Lauf zu finden. Unten raus bin ich wirklich gut gefahren und das versuche ich mitzunehmen.»
Eliane Christen (nach dem 2. Lauf): «Ich erwische eine Kombination am Ende des Steilhangs nicht gut und nehme zu wenig Tempo in die Fläche mit, die ohnehin nicht meine Stärke ist. Wir haben solche Figuren auch schon trainiert, aber ich nehme halt einfach wirklich zu wenig Tempo mit.»
Das gab zu reden
Shiffrins neunter Triumph im Slalom-Weltcup ist ein Denkzettel für die Konkurrenz. Die Amerikanerin fährt schon fast die ganze Saison in einer eigenen Liga. Von acht Rennen hat sie sieben gewonnen – nur in Kranjska Gora wird sie von Camille Rast um 14 Hundertstel geschlagen. Und ihre Siege? Die feiert sie fast alle mit Riesenvorsprung. 1,66 Sekunden in Levi, 1,23 in Gurgl, 1,57 in Copper Mountain, 1,55 in Courchevel und 1,67 Sekunden heute. Einzig in Flachau (0,42 Sekunden) und am Semmering (0,09) musste Shiffrin wirklich um ihren Sieg kämpfen.
Die Bedingungen
Wie schon am Samstag zeigt sich der Himmel über Spindlermühle bedeckt – hin und wieder liegt auch eine Nebelschwade über dem Slalomhang. Auch die Schneeverhältnisse sind laut SRF-Experte Plaschy für die Athletinnen eine Herausforderung, wechseln sie doch immer wieder. Die Piste an sich ist aber gut präpariert und hält sowohl im ersten als auch im zweiten Lauf bis auf ein paar Spuren gut.
So gehts weiter
Für die Technikerinnen gilt es erst an den Olympischen Spielen (7. bis 18 Februar) wieder ernst – wobei der Slalom der Frauen am 18. Februar den Abschluss darstellt. Bevor der Frauen-Zirkus aber noch Cortina reist, geht es am 30. und 31. Januar mit einer Abfahrt und einem Super-G in Crans-Montana VS weiter.



