Das Podest
1. Vincent Kriechmayr (Ö) 1:47,26
2. Giovanni Franzoni (It) +0,09
3. Marco Odermatt (Sz) +0,31
Das Rennen
Marco Odermatt holt sich in Courchevel den dritten Platz in der Abfahrt. Damit sichert sich der Superstar nicht nur die kleine Kristallkugel (zum dritten Mal in Folge), sondern er gewinnt auch den Gesamtweltcup.
Am Ort, wo er sich 2023 zum Weltmeister kürte, ist der Kugel-Gewinn bereits vorzeitig Tatsache. Franjo von Allmen startet als Zwölfter und noch vor Odermatt in das Rennen. Der amtierende Olympiasieger startet gut und verliert nur wenig Zeit auf den führenden Vincent Kriechmayr. Er ist schneller unterwegs als der Österreicher, sodass er die Bestzeit ins Visier nimmt. Danach passt jedoch vor dem Zielhang das Timing nicht, er wird in einem langgezogenen Schwung zu weit herausgetragen und verpasst das nächste Tor.
Mit dem Ausfall von von Allmen hat Odermatt bereits vor seiner Fahrt die Abfahrts-Disziplinenwertung also auf sicher. Der 28-Jährige braucht nach seinem Start einen Moment, um ins Rennen zu kommen. Im Mittelteil muss er einige Male korrigieren, sodass es für ihn nicht ganz nach vorn reicht. Am Ende ist es Rang 3, wodurch für Odermatt auch zum fünften Mal in Folge der Gewinn der grossen Kugel rechnerisch sicher steht. Dieser war jedoch nur noch Formsache, weil mit Lucas Pinheiro Braathen der einzige noch in Frage kommende Fahrer nur in den Technik-Disziplinen startet und den Rückstand von fast 600 Punkten mit zwei verbleibenden Rennen (Slalom und Riesenslalom) nicht mehr hätte aufholen können.
Und Odermatt krönt sich auch zum besten Schweizer Podestfahrer der Schweizer Geschichte. Zum 102. Mal steht Odermatt auf dem Treppchen – das hat vor ihm noch kein Schweizer und keine Schweizerin geschafft.
Den Tagessieg in Courchevel sichert sich derweil Kriechmayr. Der Österreicher, bei dem noch nicht sicher ist, ob er seine Karriere nach diesem Winter fortsetzen wird, liefert sich nach dem Unterbruch nach dem Sturz von Alexis Monney ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit Giovanni Franzoni und nimmt dem Italiener anschliessend dank eines starken Mittelteils neun Hundertstelsekunden ab. Für Kriechmayr ist es der erste Abfahrtssieg in diesem Winter. Er beendet damit auch die lange Durststrecke der Österreicher: 24 Abfahrten lang mussten sie auf einen Sieg warten.
Die Schweizer
4. Stefan Rogentin 0,46
10. Justin Murisier +1,18
13. Arnaud Boisset +1,51
16. Alessio Miggiano +1,63
31. Livio Hiltbrand +2,47
40. Lars Rösti + 3,15
Ausgeschieden: Alexis Monney, Franjo von Allmen
Nicht gestartet: Niels Hintermann
Justin Murisier darf die zweitletzte Abfahrt in diesem Winter eröffnen. Er springt beim ersten Sprung weit und meistert seine Fahrt ohne grossen Fehler. Am Ende wird es Rang 10 für Murisier, zuletzt fuhr er vor über einem Jahr in Gröden (It) in die Top 10.
Stefan Rogentin folgt auf seinen Schweizer Teamkollegen und fährt deutlich aggressiver als Murisier. Er lässt seine Ski laufen und ist fast in jedem Abschnitt besser als der Walliser – er übernimmt kurzzeitig die Führung. Am Ende fehlt ihm nur etwas mehr als ein Zehntel auf Odermatt und das Podest.
Arnaud Boisset steht als letzter Schweizer am Start und brilliert. Der Walliser zeigt eine ganz starke Fahrt und ist schnell unterwegs. Ohne grossen Fehler bringt er seine Fahrt souverän runter und klassiert sich am Ende auf dem sensationellen 13. Rang. Somit ist Boisset viertbester Schweizer.
Alessio Miggiano zeigt eine solide Fahrt, jedoch fehlt ihm das nötige Tempo, um mit den Spitzenzeiten mitzuhalten.
Livio Hiltbrand zeigt eine gute Fahrt, noch reicht es aber nicht, um vorne mitzumischen. Auch Lars Rösti hat deutlich Mühe mit der Piste in Courchevel. Rösti kann seine Ski nie richtig gehen lassen und fängt sich so bereits früh einen grossen Rückstand ein. Er verpasst die Top 25 und so auch die Qualifikation für den Weltcup-Final.
Für Alexis Monney ist das Rennen im Mittelteil zu Ende. Der Freiburger legt zwar gut los und hält in den ersten Sektoren mit dem führenden Franzoni mit. Danach verschlägt es ihn in einer Passage mit vielen Schlägen die Ski und er stürzt in die Netze. Monney scheint sich beim Sturz jedoch nicht verletzt zu haben, denn er fährt die Piste anschliessend auf einem Ski selbstständig runter.
Niels Hintermann geht in Courchevel wie bereits in Garmisch nicht an den Start, obwohl er auf der Startliste steht. Damals hatte er wohl etwas Falsches gegessen, wie das Schweizer Team erklärt. Für den Verzicht auf die Abfahrt am Freitag wurde lange kein Grund bekanntgegeben, ehe er im SRF-Interview seinen Rücktritt bekanntgibt.
Die Stimmen (gegenüber SRF)
Marco Odermatt zum Gewinn der Abfahrtskugel und Gesamtweltcup: «Es ist unglaublich. So etwas ist weder planbar, noch kann man sich das erwünschen als kleiner Junge. Es muss so viel zusammenpassen, dass es Jahr für Jahr möglich ist, die Konstanz, die ich auch diese Saison wieder habe, an den Tag zu legen. Das ist enorm cool und macht Spass.»
Franjo von Allmen zu seinem Ausfall: «Es war heute allgemein viel zu warm für mich. Wenn man etwas von der Ideallinie weggeht, wird es schwierig, der Innenski geht praktisch nur geradeaus. Es ist ein Grundproblem, dass ich bei warmen Temperaturen nicht gut Skifahren kann. Da muss ich eine Lösung finden. Die Kombination von meinem Fahrstil und dem weichen Schnee passt irgendwie nicht. Der Fehler liegt bei mir. Es regt mich einfach auf. Ich finde es gut, wenn es wieder kälter wird oder die Saison vorbei ist.»
Alexis Monney gibt nach seinem Sturz Entwarnung: «Es geht mir gut. Vielleicht werde ich meine Wade etwas spüren in den nächsten Tagen. Meinen Aussenski hat es rumgeschlagen und dann hat mein Innenski gegriffen. Es war die ganze Saison so, dass ich gut und schnell fahre, aber Fehler mache. Dieser hat mir den Lauf gekostet. Aber das muss ich jetzt verarbeiten. Fehler können immer passieren.»
Justin Murisier zur Kurve, wo von Allmen ausschied, und seiner Fahrt: «Es ist schwierig, es ist ein sehr langer Schwung. Man kriegt dort viele Schläge ab, dann verliert man die Linie. Alexis Monney ist aufgrund der Schläge auf den Innenski gegangen, der Schuh berührt den Schnee und dann bist du schnell am Boden. Meine Fahrt war nicht schlecht. Franzoni fährt diese Saison sehr gut, ich habe nur eine Sekunde auf ihn verloren. Es fehlt aber immer etwas bei mir in dieser Saison. Daran muss ich arbeiten, um weiter nach vorne zu kommen.»
Das gab zu reden I
Als 60. und letzter Fahrer nimmt Adrien Théaux die Piste in Courchevel in Angriff. Für den Franzosen ist es mit drei Weltcupsiegen und einmal WM-Bronze im Super-G (2015 in Vail/Beaver Creek) im Gepäck nach 330 Rennen und 22 Jahren im Weltcup das letzte, er beendet nämlich seine Karriere. Entsprechend nutzt er die Abfahrt vor seinem Heimpublikum für eine Abschiedsfahrt. Er nimmt es entsprechend gemütlich und winkt mehrmals lässig ins Publikum, das ihn feiert. Im Zielraum wird er von seinen Teamkollegen und den weiteren Athleten unter Applaus der Zuschauer feierlich in Empfang genommen.
Das gab zu reden II
Vor knapp zwei Wochen wurde der Super-G in Garmisch-Partenkirchen wegen Nebels und Regens abgesagt. Das Speed-Rennen soll in Courchevel nachgeholt werden und wurde ursprünglich auf den Freitag angesetzt. Wieder mussten die Organisatoren den Rennplan aufgrund des Wetters anpassen. In Courchevel ist für das Wochenende Schneefall angesagt. Deshalb wurde die Abfahrt aus Sicherheitsgründen vorgezogen.
Die Bedingungen
Strahlender Sonnenschein und schon fast Frühlingstemperaturen um die 5 Grad in Courchevel. Bei Kaiserwetter nehmen die Abfahrer die gut präparierte und harte Piste der «L'Éclipse» in Angriff.
So gehts weiter
In Courchevel geht es mit den nächsten Speed-Rennen weiter. Gleich zwei Super-G-Rennen finden am Wochenende in Frankreich statt. Am Samstag starten die Speed-Spezialisten um 11 Uhr, am Sonntag eine Viertelstunde früher um 10.45 Uhr.



