Das Podest
1. Julia Scheib (Ö) 1:56,46
2. Camille Rast (Sz) +0,14
3. Sara Hector (Sd) +0,40
Das Rennen
Mit Startnummer 14 zeigt Camille Rast einen starken 1. Lauf. 65 Hundertstel büsst sie auf die führende Schwedin Sara Hector ein, aufs Podest fehlen ihr 52 Hundertstel. Klappts in Semmering endlich mit dem ersten Riesen-Podest in diesem Winter? Zweimal hat es Rast als Vierte und einmal als Fünfte knapp verpasst.
Als Fünftletzte geht sie in die Entscheidung. Rast riskiert alles, greift das Podest an. Und setzt sich trotz Fehler im untersten Abschnitt deutlich an die Spitze. Thea Louise Stjernesund, die unmittelbar nach ihr startet, kann ihre Zeit nicht unterbieten, anschliessend scheidet Lara Colturi aus. Damit hat Rast den Podestplatz auf sicher. Reichts gar für den Sieg? Nein. Wie im Super-G der Männer verhindert eine Österreicherin den Schweizer Triumph. Julia Scheib sorgt für den ersten Heimsieg in Semmering seit 13 Jahren. Damals triumphierte Anna Veith ebenfalls im Riesenslalom.
Und Rast? Sie sieht anschliessend, wie Hector nicht nur hinter Scheib, sondern auch hinter sie zurückfällt. Die Walliserin wird Zweite. Und schafft damit etwas, das davor nur drei Schweizerinnen gelang. Denn bis zu Rast haben es nur Sonja Nef, Corinne Rey-Bellet und Lara Gut-Behrami geschafft, im Semmering-Riesenslalom aufs Podest zu fahren.
Die weiteren Schweizerinnen
15. Wendy Holdener +2,77
22. Vanessa Kasper +3,42
Verpassen den 2. Lauf: 36. Stefanie Grob +3,94, 42. Sue Piller +4,71, 43. Simone Wild +4,77
Zweimal zeigt Wendy Holdener einen starken ersten Sektor, zweimal baut sie danach ab. Im 2. Lauf geht sie mit 1,30 Sekunden Vorsprung auf die Piste, baut diese auf 1,40 Sekunden aus und verliert dann alles ab der ersten Zwischenzeit bis ins Ziel. So verpasst sie die zwischenzeitliche Führung.
Als 24. qualifiziert sich Vanessa Kasper souverän für den 2. Lauf. Dort zeigt sie eine solide Fahrt, aber der letzte Angriff fehlt. So handelt sie sich einen grossen Rückstand ein und verpasst die zwischenzeitliche Führung. Aber sie holt zum vierten Mal in diesem Winter Punkte und nähert sich einer Startnummer unter 30 an.
Stefanie Grob, Sue Piller und Simone Wild bekunden Probleme mit der Piste. Sie alle verlieren zu viel Zeit. Und verpassen die Qualifikation für die Entscheidung deutlich.
Die Stimmen gegenüber SRF
Camille Rast: «Ich bin mega zufrieden. Es war schon ein Kampf, aber ich habe alles gegeben. Am Start hat mein Coach gesagt, wenn es unten grün ist, musst du eine halbe Sekunde vorne sein, damit es fürs Podest reicht. Das hat funktioniert. Der Fehler unten kostet mich sicher ein paar Hundertstel. Aber wenn man Risiko nimmt, dann ist es so. 14 Hundertstel sind nicht viel – weiter arbeiten und beim nächsten Mal starte ich in den Top 7. Das wird sicher helfen.»
Wendy Holdener: «Ich weiss nicht, ich war ziemlich überrascht, wie viele Spuren es im zweiten Lauf schon hatte. Ich dachte, es ginge schneller zum Fahren. Für den Slalom nehme ich nun mit, dass ich die Schneeverhältnisse kenne. Ansonsten ist es eine andere Disziplin.»
Vanessa Kasper: «Im ersten Lauf bin ich etwas zu rund gefahren, deswegen wollte ich am Nachmittag den Ski mehr laufen lassen. Ich dachte zwar, es sei nicht schlecht. Aber es war ein bisschen unsauber. Und ich habe den Schwungansatz nicht gefunden. Aber es ist sicher cool, dass es auch mit unsauberen Läufen für die Punkte reicht. Aber ich bin nicht zufrieden, weil ich weiss, dass ich so viel mehr kann. Die Ausgangslage war nicht schlecht, um heute einen grossen Sprung nach vorne zu machen.»
Camille Rast nach dem 1. Lauf: «Es war nicht so einfach. Beim Besichtigen dachte ich, die Piste wird besser. Aber es gab Schläge, war teils knollig und teils eisig. Das Gefühl war ziemlich komisch, nicht so gut. Aber die Zeit passt. Im zweiten Lauf nochmal Gas geben und dann schauen, was passiert. Am Start habe ich im Fernsehen gesehen, dass die Piste nicht so optimal ist. Ich wusste, dass es nicht so super sein wird.»
Wendy Holdener nach dem 1 Lauf: «Eigentlich ist es noch lustig. Oben hatte ich ein gutes Gefühl, nach der Fläche hab ich einen Schlag kassiert und musste mich recht konzentrieren, damit ich es weiter ziehe. Unten bin ich dann extrem früh dran vor den Toren – das Timing hat definitiv nicht gepasst.»
Das gab zu reden
Zwei der vier Riesenslaloms (Copper Mountain und Mont-Tremblant) diesen Winter hat Alice Robinson gewonnen. In Semmering geht die Neuseeländerin mit der roten Startnummer als Disziplinenführende an den Start. Ihre Fahrt endet abrupt – nach rund 30 Sekunden rutscht sie weg und scheidet aus. Als Robinson beim SRF-Interview erscheint, hat sie ein aufgeschürftes Kinn. «Ich wollte zu viel, habe zu sehr gepusht und im dümmsten Moment einen Schlag kassiert», erklärt sie ihren Ausfall. Die Schramme am Kinn komme davon, dass sie mit dem Gesicht ziemlich hart im Schnee gelandet ist. Aber es gehe ihr gut, auch wenn sie enttäuscht sei. «Nicht die beste Art, ein Jahr zu beenden», fasst Robinson zusammen. Sie ist nicht die einzige, die ausscheidet. Unter anderem erwischt es auch Paula Moltzan. Die Amerikanerin stürzt im 2. Lauf heftig. Sie steht zum Glück schon kurz darauf wieder auf. Via Funk gibt das amerikanische Team eine erste Entwarnung durch: «Sie ist okay, hat nur etwas Rückenschmerzen.»
Das gab zu reden II
Wer irgendwann im Weltcup startet, geht üblicherweise den Weg über FIS- und anschliessend Europacup-Rennen. Nicht so Anna Trocker. Die 17-jährige Italienerin wird in Semmering ins kalte Wasser geworfen. Ohne davor in einem Europacup-Rennen gestartet zu sein, gibt sie ihr Debüt im Weltcup. Und beweist ihr grosses Talent. Mit Startnummer 63 fährt sie auf den starken 32. Rang. Besser machts eine Teamkollegin. Alice Pazzaglia verfügt über Europacup-Erfahrung, hat vor drei Wochen auf dieser Stufe ihren ersten Sieg im Riesenslalom gefeiert. Nachdem sie im Weltcup bereits dreimal einen Slalom bestritten hat (dreimal den 2. Lauf verpasst), schafft es die 23-Jährige bei ihrer Riesen-Premiere in die Entscheidung und holt ihre ersten Punkte.
Die Bedingungen
An Weihnachten hats in Semmering ordentlich geschneit, der Kurort präsentiert sich von seiner märchenhaften Seite. Die Piste ist eher weich und schon früh gezeichnet, nur vereinzelt ist sie etwas eisig. Für die Fahrerinnen eine Herausforderung. Am Morgen hats noch Nebel über dem Hirschkogel, der sich bis zum Rennstart verzieht. Auch der kräftige Wind, der regelmässig bläst, wird nicht zum Problem. Vom sonnigen Wetter bekommen die Fahrerinnen nicht viel mit – die Panorama-Piste liegt geschützt im Wald und liegt so mehrheitlich im Schatten.
So gehts weiter
Als letztes Rennen des Jahres findet am Sonntag noch der Slalom in Semmering statt. Eine lange Silvester-Pause gibts für die Fahrerinnen nicht. Ihre nächste Station ist am 3. und 4. Januar das slowenische Kranjska Gora. Dort findet erst der nächste Riesenslalom und dann der nächste Slalom statt.



