Das Podest
1. Franjo von Allmen (Sz) 1:58,67
2. Marco Odermatt (Sz) +0,30
3. Florian Schieder (It) +0,98
Das Rennen
Mit der Nummer 2 zeigt Niels Hintermann eine starke Fahrt. In unter zwei Minuten meistert er die Saslong. Und kann dann vom Leaderthron aus zuschauen, wie wenig später seine Teamkollegen seine Zeit angreifen. Zunächst Marco Odermatt. Gute acht Zehntel nimmt er Hintermann ab. Und doch zeigt er keine perfekte Fahrt. Die Einfahrt in die Ciaslat gelingt nicht wunschgemäss. Das öffnet die Tür für die Konkurrenz.
Gleich der nächste Starter nutzt die Chance. 24 Stunden nach seinem Sturz im Super-G zeigt sich Franjo von Allmen von der Saslong unbeeindruckt, fährt angriffig und vor allem sehr schnell. Er unterbietet die Zeit von Odermatt – und sorgt für eine Schweizer Dreifachführung. Diese hält nicht lange. Dominik Paris sprengt sie – schubst Hintermann um eine Hundertstelsekunde vom Podest. Am Ende landet aber auch der Italiener daneben. Sein Landsmann Florian Schieder schiebt sich zwischen ihn und Odermatt, letztlich belegen Paris und Hintermann die Ränge 6 und 7. Ans Schweizer Duo kommt allerdings keiner mehr heran. Wie schon am Donnerstag gibts einen Doppelsieg – dieses Mal tauschen Odermatt und von Allmen die Position. Für den Berner ist es der vierte Weltcupsieg, der dritte in einer Abfahrt, während Odermatt zum 96. Mal aufs Podest fährt.
Schieder muss noch einmal um seinen Platz auf dem Treppchen zittern, als Alessio Miggiano unterwegs ist. Mit Startnummer 43 zeigt der Zürcher eine angriffige, saubere Fahrt. Und wird Fünfter! Auf Platz 3 fehlen dem 23-Jährigen nur sechs Hundertstel. Damit erfüllt er auch gleich die Olympia-Qualifikation. Als er im SRF-Interview darauf angesprochen wird, was Rang 5 bedeutet, hat Miggiano keine Ahnung. Freut sich dann aber, als er aufgeklärt wird.
Die Schweizer
5. Alessio Miggiano +1,04
7. Niels Hintermann +1,12
16. Justin Murisier +1,85
34. Marco Kohler +2,40
36. Lars Rösti +2,43
38. Stefan Rogentin +2,59
41. Livio Hiltbrand +2,71
DNF Alexis Monney
Drei Schweizer liegen in Führung als sich Stefan Rogentin aus dem Starthäuschen katapultiert. Mit seinen Teamkollegen kann er von Anfang an nicht mithalten. Zu fehlerhaft ist seine Fahrt. Auch kurz vor dem Zielsprung muss er noch einen Schreckmoment meistern, beinahe wird ihm ein Verschneider zum Verhängnis.
Schon nach dem ersten Sprung unterläuft Alexis Monney ein Fehler. Seine Reaktion? Er probierts in der Folge mit der Brechstange. Das geht nicht auf. In der Ciaslat wird ihm Rücklage zum Verhängnis, er stürzt und scheidet aus.
Marco Kohler zeigt eine engagierte Fahrt – mit einigen kleinen Unsauberkeiten. Diese sorgen für einen grossen Rückstand. Auch Lars Rösti kommt nicht so recht auf Touren. Er büsst quasi gleich viel Zeit ein wie Marco Kohler. Noch mehr Zeit büsst Livio Hiltbrand ein. Weil einige Fahrer mit hohen Nummern vor die Schweizer fahren, verpassen Rogentin, Kohler, Rösti und Hiltbrand die Punkte.
Justin Murisier pokert, er verzichtet auf die Startnummernauslosung und geht deswegen erst als 46. ins Rennen (siehe «Das gab zu reden»). Ein Poker, der halbwegs aufgeht. Er klassiert sich auf Rang 16 – sein Saisonbestergebnis in der Abfahrt.
Die Stimmen gegenüber SRF
Franjo von Allmen: «Es fällt mir relativ leicht, solche Dinge wie der Sturz am Freitag schnell auszublenden. Der Sprung war wieder scheisse, aber dieses Mal konnte ich es gut retten. Beim Rest – ausser bei der ersten Ciaslat – konnte ich das Tempo gut mitnehmen. Dass es ganz nach vorne reicht, hätte ich aber nicht gedacht.»
Marco Odermatt: «90 Prozent habe ich sehr gut im Griff gehabt. Den Abschnitt, den ich so oft gut im Griff habe, habe ich nicht perfekt getroffen. Die Einfahrt Ciaslat ist nicht das, was ich wollte. Ich war in der Passage davor einiges schneller, es hat mich mehr gedrückt und ich hab versucht mehr auf Zug zu fahren. Ich komme da sehr tief rein, da verliert man Tempo und macht mehr Meter. Unterwegs hab ich nicht gemerkt, dass eine Skischuhschnalle offen war. Aber ich weiss auch nicht, wo es passiert ist, vielleicht habe ich sie bei einem Sprung mit der Hand aufgeschlagen. Ich bin mega zufrieden, Franjo und ich sind fast ein bisschen in einer eigenen Liga gefahren.»
Odermatt bei ORF: «Am Freitag habe ich mich mehr über Platz zwei geärgert als dieses Mal. Ich bin sehr zufrieden, weil ich weiss, wo der Fehler war. Von Allmen und ich haben uns für den Sieg gepusht. Er bringt alles mit, sein Grundspeed ist so hoch. Ich glaube, er wird der grosse Konkurrent im Kampf um die Kugel sein.»
Alessio Miggiano: «Unglaublich, ich bin vor wenigen Sekunden ins Ziel gekommen und realisere es noch gar nicht Ich habe gespürt, dass es gut ist und ich umsetzen konnte, was ich mir vorgenommen habe. Dass es im Ziel bestätigt wird, ist unfassbar. Ich habe keine Worte. Schon letztes Jahr beim Debüt habe ich mich hier wohl gefühlt, die Strecke liegt mir. Ich habe mich einfach riesig gefreut, hier noch einmal runterzubrettern. Im Sommer habe ich mit den Trainingskollegen gewitzelt, schaut dann in Gröden knallts. Dass es jetzt wahr wird, ist fast schon lustig.»
Niels Hintermann: «Mental ging es mir heute nicht gut, ich habe mich nicht wohl gefühlt. Bei der Besichtigung habe ich gesehen, wie eisig es ist und konnte es nicht einschätzen. Gefühlt fünf Minuten vor dem Start wusste ich nicht, ob ich wirklich fahren soll. Dann hab ich irgendwann entschieden, ich starte und nehme Tor für Tor. Wird das Gefühl schlimmer, breche ich ab. Irgendwie ist das Gefühl besser geworden, die Sprünge haben mir angefangen zu gefallen. Ich bin in einen Flow gekommen – vor allem nach den Kamelbuckeln. Mit dem grossen Vorsprung hab ich dann gedacht schauen wir mal. Dann hab ich die anderen gesehen und gedacht die Fahrt war nicht schlecht. Ich mag es Paris mega gönnen, aber eine Hundertstelsekunde – das hat im Herz ein bisschen weh getan. ich bin extrem stolz.»
Das gab zu reden
Das Gröden-Phänomen hat am Freitag wieder zugeschlagen. Jan Zabystran schnappt Marco Odermatt mit Nummer 29 den Sieg noch vor der Nase weg. Nicht selten sind die hohen Startnummern von Vorteil und ermöglichen schnelle Fahrten. Aus diesem Grund greift Justin Murisier am Freitagabend in die Trickkiste. Er schwänzt die Startnummernauslosung. Dort bekommt er eigentlich die Nummer 15 zugesprochen – weil er nicht dabei ist, wird er gemäss Reglement zurückversetzt. Und darf erst mit Nummer 46 auf die Piste.
Das gab zu reden II
Den Sieg hat Marco Odermatt am Freitag knapp verpasst. Trotzdem bekommt er am Abend eine Trophäe überreicht. Für die Leistungen und Top-Ergebnisse im letzten Jahr überreichen ihm die Organisatoren in Gröden eine Holzbüste von sich. Plötzlich steht er so mit seinem Ebenbild vor den Fans auf der Bühne.
Das gab zu reden III
Im November 2022 stürzt Max Franz im Training, verletzt sich schwer. Die brutale Diagnose: offener Unterschenkelbruch und durchtrennter Nerv links, komplizierte Unterschenkelfraktur rechts. Der Österreicher gibt nicht auf. Er kämpft sich zurück, will noch einmal im Weltcup starten. Nun ist der Tag gekommen. In Gröden startet Franz erstmals wieder. Ins Ziel schafft ers nicht, er scheidet aus.
Das gab zu reden IV
Die Startnummern 17 und 18 nehmen das Rennen nicht in Angriff. Aleksander Aamodt Kilde und Cameron Alexander verzichten auf einen Start. Beide fühlen sich nicht bereit dafür. «Zurückzukommen bedeutet auch, die richtigen Kämpfe zur richtigen Zeit auszuwählen», schreibt Kilde auf Instagram. Er sei nicht bereit, das nötige Risiko einzugehen, um auf der Saslong zu fahren und anzugreifen. Stattdessen konzentriert er sich aufs Training, um für die nächsten Rennen bereit zu sein.
Die Bedingungen
Die Temperaturen in Gröden liegen im niedrigen Plusbereich und die Sonne scheint. Dennoch sind Teile der Strecke im Schatten. Im Verlauf des Rennens wirds heller.
So gehts weiter
Es geht Schlag auf Schlag weiter. Bereits am Sonntag steht das nächste Rennen auf dem Programm. In Alta Badia findet ein Riesenslalom (ab 10 Uhr) statt, am Montag folgt an gleicher Stätte ein Slalom (ab 10 Uhr). Die nächste Abfahrt geht erst im nächsten Jahr über die Bühne – in Wengen BE (17. Januar).


