Darum gehts
Sie ist während der Olympischen Spiele täglich am TV zu sehen: Anette Fetscherin (42). «Moderieren ist meine Leidenschaft», schreibt sie auf ihrer Homepage. Das spürt man auch in Cortina. Blick hat sie zum Gespräch getroffen.
Blick: Annette Fetscherin, erinnern Sie sich an Ihren letzten Shitstorm?
Annette Fetscherin: Ja, das war an der WM 2018 in Russland. Ich zeigte im Studio ein Meme, auf dem zu sehen war, wie sich Neymar am Boden wälzt. Vor ihm Valon Behrami, ratlos, fast grinsend.
Was geschah dann?
Neymar war damals ein Nationalheld. Jemand filmte die Szene vom TV ab und stellte sie in Brasilien ins Netz. Meine Social-Media-Accounts explodierten. Tausende Kommentare. Zum Glück verstand ich wenig. Dann fragte ich einen Kollegen, der Portugiesisch kann.
Und?
Er sagte: Das willst du nicht wissen (lacht). Ich musste die Kommentarfunktion zeitweise sperren.
Sie sind zum fünften Mal bei Olympischen Spielen im Einsatz. Die Tage sind lang. Wie schalten Sie ab?
Mit Sport. Die Joggingschuhe habe ich dabei, aber bei Schnee in Cortina ist das heikel. Also rolle ich im Hotelzimmer jeden Tag meine Yogamatte aus. Sieht seltsam aus, hilft aber.
Wenn Sie Sportlerin geworden wären: Wo sähen wir Sie bei Winterspielen?
Auf Ski. Damit bin ich aufgewachsen. Danach kam eine kurze Snowboard-Phase. Heute mag ich Langlauf, auch wenn ich nicht gut bin. Dazu habe ich eine Geschichte.
Bitte.
Als ich vor achteinhalb Jahren beim SRF anfing, moderierte ich erstmals einen Weltcup. Man warf mich ins kalte Wasser – ich kam kurzzeitig ins Rudern.
Warum?
Einmal rutschte mir «Fahrerin» statt «Läuferin» heraus. Unglücklich, aber heute lache ich darüber.
Sie gelten als Moderations-Sackmesser des Schweizer Fernsehens.
Wenn ich eine Sportart nicht kenne, arbeite ich mich ein. Ich kann mich für fast alles begeistern.
Pferde sind neben dem Beruf Ihre grosse Leidenschaft, oder?
Als Mädchen war ich Springreiterin. Meine Eltern warnten mich: Lern' etwas Richtiges. Das Hobby blieb. Ich spiele seit Jahren Polo, viermal pro Woche in Winterthur.
Stürmerin?
Am liebsten. Ich bin gern schnell unterwegs. Tore schiessen ist im Polo aber einfacher als verteidigen. Also spiele ich auch hinten.
Sie haben sich im Frühling von Ihrem Partner, dem Ex-Fechter Benjamin Steffen, getrennt. Weil Sie oft weg sind?
Das Privatleben kommt oft zu kurz, weil ich viel weg bin. Das ist nicht immer einfach. Gleichzeitig weiss ich um das Privileg dieses abwechslungsreichen Jobs.
Werden Sie vor der Kamera noch nervös?
Wenn technisch etwas schiefläuft und ich plötzlich auf Sendung bin, schiesst das Adrenalin hoch. Ich lasse es mir aber wenn möglich nicht anmerken.
Am 8. März kommt die SRG-Halbierungsinitiative zur Abstimmung. Haben Sie Angst?
Ich mache mir Gedanken. Es betrifft uns stark. Ich mache meinen Job so gut wie möglich. Alles andere liegt nicht bei mir.
