Das Spiel
Servette kann nach sieben sieglosen Spielen und zuletzt fünf Remis in Folge wieder gewinnen. Zu Hause gegen den FCZ fahren die Genfer den erst dritten Heimsieg der Saison ein.
Auch ohne den Servette-Anhang im Rücken, der nach den vergangenen Ausschreitungen ausgeschlossen wurde und sich nun (verbotenerweise) auf der Gegentribüne niedergelassen hat (siehe «Die Fans»), gelingt Servette ein Blitzstart. Bereits nach 66 Sekunden setzen sich die Genfer durch die noch schlafende FCZ-Abwehr durch. Kadile sorgt mit der ersten Chance für die frühe Führung des Heimteams.
Der FCZ findet nach dem Kaltstart immer besser ins Spiel und können den Ball mehrheitlich in den eigenen Reihen halten. Die Gäste sind zwar bemüht, auf den Rückstand zu reagieren, können sich aber keine zwingende Möglichkeiten herausspielen. Das Spiel plätschert in der Folge etwas vor sich hin und ist von zahlreichen Fehlpässen geprägt.
Es braucht einen Elfmeter, damit die Zürcher zurück ins Spiel kommen. Kény verbucht den Ausgleich vom Punkt nach 74 Minuten. In der Folge nimmt auch das Spiel wieder Fahrt auf. Servette drückt auf den erneuten Führungstreffer. Und in der Genfer Druckphase fällt dann auch der Siegtreffer für Servette. Der FCZ vergibt so wieder Punkte nach einem späten Gegentreffer, für die Zürcher ist es bereits das 19. Gegentor nach der 80. Minute....
Kadile schnürt derweil seinen ersten Doppelpack für Servette – überhaupt sind es seine ersten beiden Tore für die Genfer für den Leihspieler. Dank des Sieges ziehen die Genfer nun auch in der Tabelle am FCZ vorbei.
Die Tore
2. Minute, Junior Kadile, 1:0. Cognat lanciert mit einem langen Ball einen Angriff. Kadile spielt danach einen Doppelpass mit Guillemenot und bezwingt FCZ-Goalie Huber mit einem Schlenzer von der Strafraumgrenze.
74. Minute, Philippe Kény, 1:1. Aus kurzer Distanz springt dem eingewechselten Ondoua im eigenen Strafraum der Ball an den Arm. Schiri Turkes zeigt sofort auf den Punkt, der VAR meldet sich nicht. Kény übernimmt die Verantwortung, schickt Servette-Goalie Mall in die falsche Richtung und erzielt den Ausgleich.
88. Minute, Junior Kadile, 2:1. In einer Genfer Druckphase landet der Ball plötzlich wieder vor den Füssen von Kadile. Der Stürmer zögert nicht lange und bezwingt Huber mit einem Schlenzer erneut.
Die Stimmen
Lindrit Kamberi (FCZ) bei Blue: «Sie haben ein Tor mehr geschossen als wir. In unserer Situation ist das Glück aktuell nicht auf unserer Seite. Wir hatten heute keine wirklich zwingenden Chancen. Die zwei Gegentore fielen beide praktisch aus dem Nichts – das ist unerklärlich. Es tut mir weh für die Fans, die den langen Weg auf sich genommen haben. Es ist momentan einfach bitter. Es ist scheisse, wenn man so früh ein Tor kassiert. Das späte Gegentor tut auch weh, weil wir das eigentlich zuvor angesprochen haben im Team.»
Dennis Hediger (FCZ) bei Blue: «Es tut mir brutal leid, wenn ich sehe, was die Mannschaft und der Staff alles reinwirft. Jedes Mal kassieren wir so einen Nackenschlag in der letzten Minute. Es fühlt sich unfair an. Wir müssen versuchen, das Momentum zu drehen. Für die Fans ist es brutal. Sie sorgen jedes Mal für so tollen Support. Sie verdienen mehr, aber auch unsere Mannschaft verdient mehr.»
Der Beste
Junior Kadile, weil er diesem sonst so tristen Abend zwei wunderbare Tore schenkt.
Der Schlechteste
Timothé Cognat, weil er die Genfer Umschaltmomente regelmässig verdaddelt.
Das gab zu reden
Der FCZ stellt sich finanziell breiter auf. Vier Millionen Franken hat er über eine Anleihe eingenommen, die zu fünf Prozent verzinst wird. Wer das Geld investiert, ist unbekannt. Der FCZ schreibt, dass die Anleihe zwar von Claudio Cisullos «CC Trust Group» aufgesetzt worden sei, dass Verwaltungsrat Cisullo aber nicht der Hauptinvestor sei.
Das gab zu reden II
Mit der 1:2-Niederlage in Genf kassiert der FCZ die dritte Pleite in Folge. Die Zürcher Fankurve zeigt sich nach dem Abpfiff entsprechend enttäuscht. Als die Mannschaft sich auf den Weg zum Fansektor macht, zeigen die Anhänger, was sie von der gezeigten Leistung halten und pfeifen die Spieler, die sicherheitshalber auf Abstand bleiben, gnadenlos aus.
Die Schiris
Mirel Turkes hat eine heikle Szene zu beurteilen: Und da sieht er Gäel Ondouas ausgestreckten Arm, der in den heutigen Fussballregeln halt zu einem Penalty führt. Ansonsten unauffällig – was für einen Schiedsrichter ja ein Kompliment ist.
Die Fans
Seit Dienstag durften keine Tickets mehr für dieses Spiel verkauft werden. Die Nordkurve ist gesperrt. Dort stehen sonst die Servette-Ultras. Aber die sollen von den Genfer Behörden bestraft werden. Weil sie erst den Lausanner Bahnhof mit einer aus dem Extrazug geworfenen Fackel tagelang lahmgelegt haben. Und weil sie sich danach nicht an ein Abbrennverbot von Fackeln gehalten haben.
Die gesperrte Kurve ist den organisierten Fans aber egal, die stehen gegen den FCZ einfach auf der Gegentribüne. Sie haben sich offensichtlich frühzeitig um Tickets bemüht. Anders als andere Genferinnen und Genfer – bloss 5200 sind darum im Stade de Genève.
Die Behörden haben Servette als Veranstalter angehalten, «vor und während des Spiels jegliche Fan-Aktivitäten zu verbieten und zu unterbinden, mit Ausnahme des Gästebereichs, das heisst insbesondere das Entrollen von Transparenten und Banderolen sowie jegliche lautstarke und visuelle Anfeuerung durch Fans jeglicher Art».
Wie das geschehen soll, ist unklar. Den Ultras ist es auch egal. Sie singen gemeinsam, sie entrollen mehrfach in beiden Halbzeiten Transparente mit Botschaften gegen die Kurvensperrung. Und sie zünden eine einzige Leuchtfackel an, während die FCZ-Kurve nach der Pause so fest zündet, dass der Rauch minutenlang im Stadion hängt.
Was das nun zur Folge haben wird? Unklar. Theoretisch wäre es möglich, dass die Genfer Behörden Servette nun ein Spiel ganz ohne Fans aufbrummt. Es gibt aber auch andere Lösungen. In Luzern wurde im Frühjahr 2025 der damalige FCL-Präsident Stefan Wolf zu 2000 Franken Busse verurteilt, weil Luzerner Fans in einem vergleichbaren Fall zu «koordinierten Fanaktionen» gekommen war, wie es das Gericht festhielt.
So gehts weiter
Nächsten Sonntag steht für Servette das Duell in Basel an (16.30 Uhr). Der FCZ bestreitet einen Tag zuvor um 18 Uhr die Partie gegen Sion.
Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | FC Thun | 31 | 37 | 71 | |
2 | FC St. Gallen | 31 | 23 | 56 | |
3 | FC Basel | 31 | 8 | 52 | |
4 | FC Lugano | 31 | 10 | 51 | |
5 | FC Sion | 31 | 9 | 46 | |
6 | BSC Young Boys | 31 | 5 | 46 |






