Das Spiel
Und dann gibt es in diesem Spiel tatsächlich einen Sieger. Sow steigt bei einer Ecke in der 92. Minute am höchsten. Für einmal sieht auch FCZ-Goalie Huber nicht gut aus. Und in einem Letzigrund, der in einem tief getroffenen Schweigen versinkt, führt Lausanne-Sport 2:1. Es ist wenig später auch das Endresultat.
Dabei hat der Letzigrund eine halbe Stunde zuvor einen höchst emotionalen Moment erlebt, als der Treffer von Berisha aberkannt wird (siehe «Das gab zu reden»). Gut für Cavaleiro und den FCZ, dass der Last-Minute-Zugang wenige Minuten später endlich zeigt, warum ihn der FCZ geholt hat. Absolut traumhaft, wie er den Ausgleich erzielt. Das ist dann der spielerische Höhepunkt des Abends – und es ist ein einsamer.
Denn es ist in der ersten Halbzeit ein eigentliches Trauerspiel, das dadurch nicht besser wird, dass der Letzigrund-Rasen derzeit eher wie ein Zufallsgenerator wirkt. Immerhin springt der Ball so fröhlich hin und her, während 21 Spieler wirken, als hätten sie Bleiwesten übergezogen.
Nur einer hat nicht mitbekommen, dass Rasen und Moral schlecht sind: Omar Janneh. Für den Spanier, den Lauanne erst in diesem Winter verpflichtet hat, ist diese Liga ein einziges Fest. Das 1:0 für Lausanne ist der bereits sechste Treffer für Janneh im erst neunten Einsatz in der Liga. Und es dürften noch viele, viele Tore folgen. Ausser, er zieht bereits im Sommer wieder weiter.
Aber selbst dann wird er in dieser Saison noch einmal auf den FCZ treffen – in der Abstiegsrunde, wo diese beiden Teams gut aufgehoben sind.
Die Tore
35. Minute, Omar Janneh, 0:1. Custodio spielt einen langen Ball zu Janneh. Der Spanier zeigt sein Tempo und lässt Kablan einfach stehen. Alleine vor Huber schiebt er cool zur Führung ein.
72. Minute, Ivan Cavaleiro, 1:1. Was für ein Traumtor! Cavaleiro fackelt nach einer langen Hereingabe von Palacio nicht lange und versenkt den Ball volley via Pfosten in der rechten oberen Ecke.
90.+2. Minute, Karim Sow, 1:2. Da sieht Silas Huber nicht gut aus. Der FCZ-Goalie kommt bei einem Eckball von Custodio aus seinem Kasten, doch Sow ist vor ihm am Ball und köpfelt zum Sieg ein.
Die Stimmen
Dennis Hediger (FCZ-Trainer, gegenüber Blue): «So oft, wie das passiert (Gegentor in den letzten Minuten, d. Red.), ist es unglaublich. Das tut richtig weh. Die erste Halbzeit geht nicht, da hat viel gefehlt. In der zweiten Hälfte habe ich eine gute Mannschaft gesehen und wir haben das Momentum gekehrt. Dann hätten wir das Spiel kippen können. Dass wir in der letzten Minute das Gegentor bekommen, ist die Story der Saison. Das ist brutal frustrierend.»
Ivan Cavaleiro (FCZ, gegenüber SRF): «Die erste Halbzeit war sehr schwach von uns. In der zweiten Hälfte haben wir eine Reaktion gezeigt und wir waren das bessere Team. Am Ende bekommen wir leider das Gegentor, das wir eigentlich nicht verdient gehabt hätten.»
Olivier Custodio (Lausanne, gegenüber SRF): «Es war unglaublich schwer, aber es tut so gut. Es war sicher kein schönes Spiel, aber der Teamgeist und die Leidenschaft waren da. So müssen wir weiterspielen.»
Der Beste
Natürlich Omar Janneh. Der 19-Jährige trifft in seinem neunten Einsatz in der Super League zum sechsten Mal. Und er wird gegen die Abwehrreihen in dieser Liga noch ganz, ganz viele Tore schiessen – wenn er nicht im Sommer schon wieder weg ist.
Der Schlechteste
Viele bieten sich an. Die Wahl fällt auf Nicky Beloko, weil dem Lausanner nicht einmal einfachste Pässe über wenige Meter gelingen wollen.
Das gab zu reden I
Was für ein emotionaler Moment für Valon Berisha. Der FCZ-Mittelfeldspieler trifft in der 59. Minute per Fernschuss und geht danach betend zu Boden. Später zeigt er mit dem Zeigefinger in den Zürcher Nachthimmel. Es ist klar, dass er das Tor seinem Cousin widmet, dessen tragischen Tod bei einem Autounfall er vor wenigen Tagen miterleben musste. Um so härter, dass das Tor danach aberkannt wird. Aber Schiedsrichter Sven Wolfensberger bleibt nichts anderes übrig, weil Ivan Cavaleiro Lausannes Goalie Karlo Letica in einer klaren Abseitsposition vor der Nase durchmarschiert und ihn so behindert.
Das gab zu reden II
Bing, bang, boing, dengel-dengel, titsch – nein, das sind nicht die knapp 100 Lausanne-Fans, die voller Freude auf ihre Trommel hauen. Es sind die Bewegungen, die der Ball auf einem Letzigrund-Rasen hinlegt. Als hätte er ein eigenes Leben, springt die Kugel hin und her, wie es ihr gefällt. Passend, dass die Stadt Zürich derzeit die Stelle als Greenkeper (Facharbeiter*in BU SpA Rasen) im Letzigrund ausgeschrieben hat. Als Aufgabe ist unter anderem aufgelistet: «Sie sind mitverantwortlich für den Unterhalt und die Pflege des mehrfach ausgezeichneten Sportrasens.» Na dann.
Die Schiris
Sven Wolfensbergers wichtigste Entscheidung wird ihm vom Video-Assistenten Anoje Kanagasingam abgenommen.
Die Fans
10’933 Tickets sind verkauft worden. Der Letzigrund sieht aber nicht so aus, als ob alle Ticketbesitzerinnen und -Besitzer auch gekommen wären. Das Stadion wirkt sehr leer. Und das nicht nur auf der Seite der Lausanne Fans. Immerhin, es ist kein Saison-Minusrekord. Der liegt bei 9613 Fans, aufgestellt im November gegen … Lausanne.
So gehts weiter
Der FCZ spielt am Samstag (18 Uhr) auswärts gegen Servette. Lausanne ist einen Tag später (16.30 Uhr) erneut im Letzigrund zu Gast, diesmal bei GC.
Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | FC Thun | 31 | 37 | 71 | |
2 | FC St. Gallen | 31 | 23 | 56 | |
3 | FC Basel | 31 | 8 | 52 | |
4 | FC Lugano | 31 | 10 | 51 | |
5 | FC Sion | 31 | 9 | 46 | |
6 | BSC Young Boys | 31 | 5 | 46 |






