Das Spiel
Als Winti-Stürmer Roman Buess zur Pause eingewechselt wird, legt er sich innert zwei Minuten gefühlt mit der halben Equipe von Servette an. Er rempelt, kratzt, beisst – und weckt seine Teamkollegen regelrecht auf.
Dass er kurze Zeit später per Traumtor zur Führung trifft, ist das I-Tüpfelchen. Der 33-jährige Routinier, der jeweils als Erster im Training erscheint und für seine Extraschichten bekannt ist, haucht Winti neues Leben ein.
Vor dem Spiel enthüllt die Bierkurve ein Bild eines Boxers, der beide Hände siegreich in die Höhe streckt, was angesichts von mickrigen 14 Punkten in 27 Spielen einer Realsatire gleicht.
90 Minuten später hängt der FCW trotzdem wieder in den Seilen. Weil Mirlind Kryeziu nach einem Tritt in die Hüfte von Mraz mit Rot vom Rasen fliegt, wird der kurzfristige Höhenflug der Winterthurer von einer Sekunde auf die andere gebremst.
Zwar bringt Servette auch mit einem Mann mehr nicht allzu viel zustande, trotzdem findet Ayé in der 79. Minute die Lücke in der Defensive und trifft zum Ausgleich. Es ist der 78. Gegentreffer für die Winterthurer im 28. Spiel. Negativrekord.
Und das, obwohl der FCW mit Stefanos Kapino einen Goalie hat, der sich in dieser Saison nicht viel vorwerfen kann. Vier Penaltys hat der Grieche schon entschärft und auch gegen Servette brilliert er mit einer tollen Parade gegen Burch.
Kaufen kann er sich damit nichts, seine Mannschaft ist auf direktem Weg in die Challenge League. Auch Servette ist noch nicht aus dem Schneider. Spielt man so wie gegen Winti, landen die Genfer am Ende in der Barrage. Drei Verlustpunkte beträgt der Vorsprung auf GC.
Die Tore
54. Minute, Roman Buess, 1:0. Die Servettiens Steve Rouiller und Yoan Severin sind sich uneinig, wer den Ball nimmt. Entsprechend ist Roman Buess der lachende Dritte. Entschlossen schiesst der Winti-Joker von ausserhalb des Sechzehners seine Farben in Führung.
79. Minute, Florian Ayé, 1:1. Buess kann nicht verhindern, dass Junior Kadile flankt. Im Zentrum steht der eingewechselte Florian Ayé total frei und lenkt den Ball ganz fein mit dem Fuss in die weite Ecke.
Die Stimmen
Joël Mall (Servette) gegenüber Blue: «Ich bin ein wenig ratlos. Heute haben wir unser Spiel nicht auf den Platz gebracht. Winterthur hat das viel besser gemacht als wir. Wir sind kaum zu Torchancen gekommen. Wir befinden uns im Abstiegskampf. Es geht um jeden Punkt.»
Luca Zuffi (Winterthur) gegenüber Blue: «Wir hätten die Chancen gehabt, um zu gewinnen. Es ist nicht das erste Mal in dieser Saison, dass wir es verpassen, ein Tor nachzulegen und wir danach noch den Ausgleich kassieren. Beim Gegentor verteidigen wir es nicht gut, der Torschütze steht da ganz alleine im Sechzehner.»
Roman Buess (Winterthur) gegenüber Blue: «Die Enttäuschung ist riesengross. Es hat lange gut ausgesehen, wir hatten das Spiel unter Kontrolle. Die Rote Karte war der Knackpunkt. Das ist natürlich bitter für uns. Live sah es für mich nach einer sehr harten Roten Karte aus, aber ich müsste es mir noch einmal anschauen.»
Der Beste
Roman Buess. Haucht dem FCW neues Leben ein, erzielt ein Traumtor. Geht als Vorbild voran. Holt in der Nachspielzeit wichtige Sekunden raus.
Der Schlechteste
Yoan Severin. Sieht beim Gegentor nicht gut aus. Erwischt einen ganz schwachen Abend. Bitter, dass er auch noch verletzt vom Feld muss.
Das gab zu reden
Servette ist zu Gast und aus den Lautsprecher-Boxen der Schützenwiese schallt französischsprachige Musik. Als der FCSG nach Winterthur kam, lief ein Song des Ostschweizers Stahlberger. Und nach Niederlagen läuft jeweils «Always Look on the Bright Side of Life» aus dem Monty-Python-Film «Das Leben des Brian.» Kurzum: Auch wenns sportlich nicht gerade gut läuft, musikalisch hat die Schützenwiese immer was zu bieten.
Die Schiris
Sandro Schärer, der renommierteste Schweizer Schiedsrichter, stellt Winti-Verteidiger Mirlind Kryeziu mit einer direkten Roten Karte vom Platz. Auf den TV-Bildern ist nicht klar erkennbar, obs wirklich eine Rote Karte ist, Schärer aber hat beste Sicht und zückt ohne zu zögern Rot. Zusätzlich macht der Schiri noch die Tritt-Geste.
Die Fans
«Wenn du i de Seil hängsch, stönd mir hinder dir», steht auf einem Transparent der Winterthurer Bierkurve. Passend dazu wird zum Anpfiff ein Boxer enthüllt, der seine Arme siegreich nach oben streckt. «Bis du wieder als Sieger da stasch», steht auf einem zweiten Transparent. Insgesamt sind 6700 Zuschauerinnen und Zuschauer vor Ort. So wenig wie selten seit Winti wieder in der Super League spielt.
So gehts weiter
Anlässlich der 29. Super-League-Runde stehen sowohl Winterthur als auch Servette am kommenden Samstag wieder im Einsatz. Die Zürcher messen sich im Tourbillon mit Sion, während Servette den FC Zürich empfängt. Im Stade de Genève ist dann aufgrund der Pyro-Vorfälle gegen Sion die Nordtribüne gesperrt. Beide Partien beginnen um 18 Uhr.
Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | FC Thun | 31 | 37 | 71 | |
2 | FC St. Gallen | 31 | 23 | 56 | |
3 | FC Basel | 31 | 8 | 52 | |
4 | FC Lugano | 31 | 10 | 51 | |
5 | FC Sion | 31 | 9 | 46 | |
6 | BSC Young Boys | 31 | 5 | 46 |






