Das Spiel
Für ihn haben die Grasshoppers richtig Geld in die Hand genommen. Sven Köhler (29) soll der Anker werden, an dem sich die jungen Hopper halten können. Und dann das: läppisches Eigentor in der 53. Minute. Ein Horrorstart des Deutschen. Und ein bitterer Abend für GC, das am Ende das kapitale Spiel in Luzern verliert.
Es gibt Teams, die würden in einem Abstiegskampf taktieren, abwarten, erst einmal auf sicher gehen. Und es gibt den FC Luzern, der das allein darum nicht kann, weil er Tore verschenkt, als wären es Smarties.
Grausam, wie Taisei Abe (21) in der 9. Minute einen Pass von Goalie Pascal Loretz (22) verpennt. Tim Meyer (21) bedankt sich mit seinem ersten Tor in der Super League. Pech dann, dass Tyron Owusu (22) in der 33. Minute so in einen Schuss grätscht, dass der Ball an seine Hand fliegt. Luke Plange (23) verwandelt den Penalty eiskalt.
Es sind Szenen, in denen dem FCL anzusehen ist, in welchem Negativstrudel er gerade steckt. Aber sie zeichnen ein falsches Bild. Weil Luzern in diesem Spiel eigentlich über weite Strecken dominiert. Und der FCL zeigt Nehmerqualitäten. Auf das 0:1 reagiert Luzern in der 15. Minute durch Oscar Kabwit. Nach dem 1:2 dauert es nur 148 Sekunden, bis Matteo Di Giusto (25) das 2:2 erzielt.
Ach, wäre Abstiegskampf nur immer so. Es ist ein unfassbares Spiel, das sich die beiden Teams liefern. Als Luzern durch Köhlers Eigentor vorne liegt, reagiert GC durch Simone Stroscios (22) 3:3 bloss fünf Minuten später.
Zeit für die letzte Wende in dieser Partie. Auftritt Severin Ottiger (22), eben erst eingewechselt. Ein Strich aus 22 Metern – 4:3 Luzern.
GC hat in diesem Jahr dreimal spät einen Rückstand noch ausgeglichen. Diesmal kommen die Zürcher nicht mehr zurück. Luzern feiert den erst zweiten Heimsieg in dieser Saison. Und wichtige Punkte im Kampf gegen den Fall auf den Barrage-Platz.
Die Tore
9. Minute, Tim Meyer, 0:1. Wegen Taisei Abes Sekundenschlaf kann Tim Meyer den Pass von FCL-Goalie Pascal Loretz unterbinden. Meyer umkurvt daraufhin Loretz und schiebt zur GC-Führung ein.
15. Minute, Oscar Kabwit, 1:1. Über die rechte Seite tankt sich Julian von Moos in den Strafraum und bedient Oscar Kabwit, der zum Luzerner Ausgleich trifft. Der Schuss wird von GC-Captain Abdoulaye Diaby noch leicht abgelenkt.
35. Minute, Luke Plange, 1:2 (Handspenalty). Schiedsrichter Sandro Schärer entscheidet nach Konsultation der Video-Bilder auf Penalty für GC, nachdem Tyron Owusu einen Schuss von Luke Plange mit dem Arm abgeblockt hat. Plange läuft im Zeitlupentempo an und versenkt aus elf Metern mittig.
37. Minute, Matteo Di Giusto, 2:2. Erneut reagiert Luzern schnell auf den Rückstand: Im Fallen und mit dem Rücken zum Tor bedient Lars Villiger den herbeigeeilten Matteo Di Giusto, der problemlos einschiebt.
53. Minute, Sven Köhler, 3:2 (Eigentor). Am weiten Pfosten bringt Julian von Moos den Ball per Kopf zurück ins Zentrum. Es folgt der Mega-Blackout von GC-Neuzugang Sven Köhler, denn er köpfelt das Spielgerät unbedrängt an seinem verdutzten Goalie Justin Hammel vorbei in die Maschen.
58. Minute, Simone Stroscio, 3:3. Lars Villigers Rückpass hat zu wenig Tempo. Weswegen nach einem Prellball am Luzerner Strafraum die Kugel vor die Füsse von Simone Stroscio fällt. Bei seinem strammen Schuss ist Pascal Loretz zwar noch leicht dran, der GC-Ausgleich fällt aber dennoch.
76. Minute, Severin Ottiger, 4:3. Nachdem der Distanzversuch von Pius Dorn von der GC-Abwehr geblockt wird, fasst sich Severin Ottiger ein Herz. Und siehe da: Sein sehenswerter Aussenristschuss findet den Weg ins GC-Tor. Justin Hammel kann bei diesem Traumtor nur tatenlos zusehen.
Die Stimmen
Severin Ottiger (FCL) gegenüber Blue: «Für mich persönlich ist dieses Tor ein riesiger Energieschub. Ich bin da, wenn man mich braucht. Dieser Sieg gibt uns viel Kraft.»
Matteo Di Giusto (FCL) gegenüber Blue: «Es ist lange her seit dem letzten Heimsieg. Wir haben harte Wochen hinter uns. Severin ist ein extrem harter Arbeiter, er hat sich heute belohnt. Mario Frick hat ein gutes Händchen bewiesen.»
Simone Stroscio (GC) gegenüber Blue: «Sehr schade. Wir führen zweimal und schaffen es nicht, einen oder drei Punkte mit nach Hause zu nehmen.»
Der Beste
Julian von Moos. Der FCL-Stürmer wird bei seiner Auswechslung in der 82. Minute zu recht mit einer Standing Ovation verabschiedet. Er bereitet nicht nur zwei Tore vor, sondern hat auch Pech, als sein Freistoss kurz nach der Pause nur an die Latte klatscht. Ein starker Auftritt.
Der Schlechteste
Salifou Diarrassouba. Der GC-Mittelfeldspieler zieht einen miserablen Tag ein. Fällt nicht auf – und wenn, dann nur negativ. Dass er in der Pause raus muss, ist die logische Konsequenz.
Das gab zu reden
GC-Coach Gerald Scheiblehner setzt im Zentrum von Beginn an auf Sven Köhler, der erst am Montagmorgen offiziell verpflichtet wurde. Und der Ex-Captain von Braunschweig erlebt bei seinem Debüt Höhen und Tiefen. Mit seinem Eigentor zum 2:3 leitet er die GC-Niederlage ein.
Die Fans
Nur 9018 Fans sind in der Swissporarena zugegen. Die, die nicht gekommen sind, werden es bereuen, denn sie verpassen ein grosses Spektakel – und den zweiten Heimsieg des FCL in dieser Saison.
Die Schiris
Sandro Schärer zeigt, warum er der beste Schweizer Schiri ist. Pfeift unaufgeregt und souverän. Vor dem Penalty für GC zeigt er sofort an, dass er Rücksprache mit Volketswil halten wird und zeigt nach Ansicht der Bilder folgerichtig auf den Punkt.
So gehts weiter
Beide Teams sind am kommenden Samstag erneut gefordert – GC in St. Gallen und Luzern auswärts gegen den FCZ. Anpfiff ist jeweils um 18 Uhr.
Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | FC Thun | 31 | 37 | 71 | |
2 | FC St. Gallen | 31 | 23 | 56 | |
3 | FC Basel | 31 | 8 | 52 | |
4 | FC Lugano | 31 | 10 | 51 | |
5 | FC Sion | 31 | 9 | 46 | |
6 | BSC Young Boys | 31 | 5 | 46 |






