Das Spiel
Klingt verrückt, ist aber wahr: Der FC St. Gallen hat in diesem Jahrzehnt noch nie in Luzern gewonnen. Der letzte Sieg in der Swissporarena datiert vom 1. Dezember 2019 (4:1). Seither warten die Espen einen Auswärtserfolg – und das bleibt so.
Wer denkt, dass das frühe Führungstor von FCL-Teenie Vasovic ein Spektakel im Luzerner Regen einläutet, wird enttäuscht. Beide Teams tun sich offensiv schwer, wobei die St. Galler gar nichts auf die Reihe kriegen. Dass Captain Görtler und Edeltechniker Daschner als Dreh- und Angelpunkte im Mittelfeld fehlen (beide gelbgesperrt), merkt man.
In der Pause wirds in der FCSG-Kabine richtig laut (siehe «Das gab zu reden») – und die Ansage zeigt Wirkung. Plötzlich tauchen die Espen vermehrt vor Loretz im Luzerner Tor auf und kommen zu guten Chancen. Baldés Schlenzer nach einer Stunde lenkt Loretz mit den Fingerkuppen den Ball an die Latte.
Baldé ist dann auch der Mann, der einen fälligen Penalty zum Ausgleich verwandelt (73.). Die Gäste sind zurück – aber nur für gerade vier Minuten: Die St. Galler Abwehr gewährt Villiger bei einem Eckball zu viele Freiheiten. Der FCL führt wieder, aber ebenfalls nicht lange. Wieder ist Baldé der St. Galler Retter, der zum Ausgleich trifft (87.).
So gehen zwei Serien weiter: St. Gallen bleibt im 13. Spiel in Folge ungeschlagen, aber eben auch ohne Sieg in Luzern.
Die Tore
9. Minute, Andrej Vasovic, 1:0. Owusu lanciert auf der rechten Seite Kabwit mit einem Ball in die Tiefe. Der Kongolese legt quer in den Strafraum, wo der Ball an den zweiten Pfosten durchkullert. Di Giusto und Stevanovic grätschen gleichzeitig rein, bevor Nutzniesser Vasovic die Kugel ins Tor stochern kann.
73. Minute, Aliou Baldé, 1:1. Okoroji bringt den Eckball ins Zentrum, wo Gaal am höchsten steigt. Sein Kopfball landet bei Stanic, der von Kabwit getroffen wird. Schiedsrichter Piccolo entscheidet sofort auf Penalty, Baldé verwandelt unten links.
77. Minute, Lars Villiger, 2:1. Der FCL kann Eckbälle. Ciganiks flankt den Ball mit links in den Strafraum, wo Villiger viele Freiheiten geniesst und ungestört zur Führung einnickt. FCSG-Verteidiger Gaal steigt zwar auch hoch, aber eben einen Meter neben Villiger.
87. Minute, Aliou Baldé, 2:2. Nach einer St. Galler Ecke herrscht Chaos im Luzerner Strafraum. Die Innerschweizer bringen den Ball nicht weg, Ouattaras Abschluss wird abgeblockt und landet vor Baldé. Er täuscht den Schuss an, lässt damit Bajrami aussteigen und schiebt in die weite Ecke ein.
Der Beste
Aliou Baldé. Mit seinem Doppelpack rettet er dem FCSG einen Punkt – und ist an einem insgesamt dürftigen Arbeitstag der einzige Lichtblick der Ostschweizer.
Der Schlechteste
Tom Gaal. Der St. Galler Abwehrmann sieht bei beiden Luzerner Treffern unglücklich aus.
Die Stimmen (gegenüber Blue)
Lars Villiger (FCL-Stürmer): «Wir hatten eine starke erste Halbzeit und klar Oberwasser. Wir hatten mehr Energie und haben mehr Duelle gewonnen. In der 2. Halbzeit waren wir träge und konnten nicht mehr genug Druck nach vorne machen. Mit dem Penalty haben wir St. Gallen wieder ins Spiel gelassen.» Zu seinem Tor sagt er: «Es war ein schönes Tor mit gutem Timing. Aber wenn man nicht als Sieger vom Platz geht, hat es einen bitteren Nachgeschmack.»
Pascal Loretz (FCL-Goalie): «Die Gegentore sind schade. Wenn du zweimal in Führung gehst, so eine Leistung zeigst und so viel Energie auf den Platz bringst, willst du das Spiel auch gewinnen. Gegen St. Gallen ist es immer speziell. Diese Duelle machen uns immer heiss, die Fans waren heiss. Wir wussten, wie wichtig das Spiel für sie war und das peitschte uns umso mehr an.»
Jozo Stanic (FCSG-Verteidiger): «Zuerst: Herzlichen Glückwunsch an Betim Fazliji, der heute sein Comeback feiern konnte. Das tut uns allen gut, nicht nur ihm. Umso wichtiger, dass wir einen Punkt geholt haben. Es war ein hitziges, intensives Spiel, aber wir haben die Ruhe bewahrt und konnten den Fans etwas zurückgeben. Auswärts in Luzern ist immer eklig. Du nimmst lieber den Punkt mit, als dass du verlierst. Wir müssen den Abstand hinter uns beibehalten und da hilft jeder Punkt.»
Das gab zu reden
Der St. Galler Auftritt in der ersten Hälfte ist eine Zumutung. Das sehen die Akteure der Espen genauso. Da sich der Medienraum direkt neben der Garderobe befindet, ist in der Pause gut zu hören, was man vom Auftritt in der ersten Halbzeit hält: gar nichts. «Das kann nicht sein. Wir sind katastrophal», ist durch die Türe zu hören.
Das gab zu reden II
Der FC St. Gallen ist für den FC Luzern so etwas wie ein Lieblingsgegner – besonders in der Swissporarena. In den letzten zehn Jahren verlor Blau-Weiss dieses Duell zu Hause nur einmal, und unter Mario Frick sogar gar nie. Der Liechtensteiner ist in diesem Rivalenspiel in acht Heimpartien ungeschlagen geblieben.
Das gab zu reden III
Die Leidenszeit von Betim Fazliji ist vorbei. Der Defensivspieler des FC St. Gallen feiert in Luzern sein Comeback, nachdem er seit dem 22. Februar 2025 mit einem Kreuzbandriss ausgefallen war. Beim 2:2 gegen den FC Basel verletzte sich der 26-Jährige schwer, nachdem er erst fünf Spiele zuvor von seinem ersten Kreuzbandriss zurückgekehrt war.
Die Schiris
Luca Piccolo (Schiedsrichter), Matthias Sbrissa und Noël Lötscher (Assistenten) sowie Sven Wolfensberger (VAR). Piccolo spricht früh eine erste, harte Verwarnung gegen FCSG-Profi Boukhalfa aus, der damit im nächsten Spiel gesperrt fehlen wird. Die Partie hätte dadurch an Schärfe gewinnen können – blieb aber insgesamt ruhig. Der Penalty-Entscheid ist vertretbar, ansonsten hatte das Schiri-Gespann nur wenige heikle Szenen zu beurteilen.
Die Fans
13'779 Fans kommen trotz garstigen Bedingungen in die Swissporarena. Doch sie sehen kein Spektakel, wie es im Vorfeld FCL-Coach Frick angekündigt hat.
So gehts weiter
Es ist so weit, die Super League wird in zwei Hälften geteilt. Der FC St. Gallen wird in der Meisterrunde spielen und dort am Sonntag, 26. April auswärts auf YB treffen (16.30 Uhr). Zuvor kämpfen die Espen aber noch um den Einzug in den Cupfinal. Die Halbfinal-Partie gegen Yverdon findet nächsten Sonntag um 15 Uhr statt. Für den FCL gehts derweil am Samstag, 25. April um 18 Uhr in Zürich gegen GC weiter.
Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | FC Thun | 32 | 36 | 71 | |
2 | FC St. Gallen | 33 | 24 | 60 | |
3 | FC Lugano | 33 | 12 | 57 | |
4 | FC Basel | 32 | 8 | 53 | |
5 | FC Sion | 33 | 16 | 52 | |
6 | BSC Young Boys | 33 | 5 | 48 | |
7 | FC Luzern | 33 | 3 | 40 | |
8 | Servette FC | 33 | 0 | 40 | |
9 | FC Lausanne-Sport | 33 | -10 | 39 | |
10 | FC Zürich | 33 | -18 | 34 | |
11 | Grasshopper Club Zürich | 33 | -25 | 27 | |
12 | FC Winterthur | 33 | -51 | 19 |






