Das Spiel
Der immer noch wahrscheinlichste Meister Thun verliert auch in Basel und kann wieder nicht feiern. Nun steigt zum zweiten Mal das mögliche Szenario «Sofameister».
Bis zur 87. Minute haben die Berner Oberländer mehr als eine Hand am Pokal. Denn dann hätte Verfolger St. Gallen bloss noch punktgleich werden können. Beim klar schlechteren Torverhältnis. Das Ding wäre so gut wie gelaufen gewesen. Doch dann bucht Ajeti das späte 2:1 und am Ende Koindredi noch das 3:1. Und die Espen können am Sonntag mit einem Sieg gegen (das formstarke) Sion auf acht Punkte heranrücken. Bei drei ausstehenden Spielen. Thun muss am nächsten Wochenende wegen Verletzungen und zwei Platzverweisen gegen Fehr und Ibayi sowie der vierten Gelben gegen Coach Mauro Lustrinelli ersatzgeschwächt ins Wallis reisen. Beginnt spätestens dann das ganz grosse Nervenflattern?
Allerdings: Wenn St. Gallen gegen Sion nicht gewinnt, machen die Waliser den FC Thun zum Meister. Wie gesagt: Auf dem Sofa …
Die Stimmung ist von Sekunde eins an elektrisierend. Die Intensität unfassbar hoch. Es ist knallhart, wild ungezügelt. Metallica meets AC/DC. Ein Foul gibt das andere. Mehrere Techtelmechtel kennzeichnen die Partie. Viel Gerede und Gemotze. Auch die beiden Coaches sind permanent unter Strom. Sowohl Stephan Lichtsteiner wie auch Mauro Lustrinelli bewegen sich permanent am Rande des verbal Erlaubten. Schiedsrichter-Routinier Fedayi San ist nonstop gefordert. Und lässt sich dennoch nicht von seiner Linie der langen Leine abbringen.
Mehr als einmal überschreiten die Spieler die Grenzen. Am meisten überbordet Thuns Ibayi, als er Vouilloz voll auf den Knöchel steht. San siehts nicht. VAR Hüseyin Sanli meldet sich nicht. Ein klarer Fehler, denn das ist eine diskussionslos potenzielle Rote Karte. San hätte sie wohl gezeigt, hätte er ein paar Bilder auf dem Bildschirm gezeigt erhalten. Das wirft die Frage auf, weshalb nicht einer der VAR-Routiniers das Sagen in Volketswil hatte …
Thun setzt in Sachen Aggressivität das, was Lustrinelli dem Team unter der Woche eingeimpft hat, gnadenlos um. «Es braucht Winnermentalität, grosse Intensität und hohe Aufmerksamkeit», so der Tessiner. «Aber auch Freude und Demut, Spielfreude und Resilienz.» Nach einer Stunde hat der Meisterkandidat 15 Fouls begangen …
In der Tendenz ist aber der FC Basel weiterhin das gefährlichere Team. Es ist nicht mehr jene Mannschaft wie beim 0:2 gegen Sion, die lustlos und ohne jegliche Inspiration spielte. Sondern eine, die sich verzweifelt gegen das Verpassen von Europa wehrt. Und so trifft Traoré schon nach neun Minuten nur den Pfosten und wehrt Steffen anschliessend hervorragend gegen Leroy ab. In Führung aber gehen die Oberländer, als Matoshi eine Hereingabe von Heule sauber in der weiten Ecke versteckt. Die Freude ist indes von kurzer Dauer. Denn noch vor dem Pausentee legt Traoré auf für Metinho, der den Ball sauber ins Eck schlenzt. Pause. Abkühlen. Gemüter auf Normalbetrieb bringen.
Und es nützt: Nach der Pause ist es ein weitaus «normaleres» Fussballspiel. Was bleibt ist die Dominanz des entthronten Meisters. Thun beschränkt sich auf das berühmte Kompakt-Stehen. Doch wie stehts mit den Nerven? Suboptimal! Anders ist das saublöde Foul von Fehr an Ajeti nicht zu erklären, dass zu dessen zweiter gelben Karte führt. Und Lustrinelli reklamiert derart heftig, dass auch er Gelb sieht. Auch dieses Gemotze ist völlig grundlos. Der Entscheid ist unbestritten. Die Verwarnung hat zur Folge, dass der Tessiner im nächsten Spiel in Sion gesperrt ist. Und ganz zum Schluss sieht auch Ibayi noch Rot – als Ausgewechselter. Zeichnet sich da wirklich noch ein Nervenflattern im Schlussspurt ab?
Die Tore
41. Minute, Valmir Matoshi, 0:1. Nach einem Einwurf greift Thun über die linke Seite an. Michael Heules Hereingabe darf Matoshi im Zentrum unbedrängt verwerten.
43. Minute, Metinho, 1:1. Benie Traoré bedient Metinho. Dieser nimmt von ausserhalb des Sechzehners Mass und lässt Thun-Goalie Niklas Steffen mit einem platzierten Schlenzer in die weite Ecke keine Abwehrchance.
86. Minute, Albian Ajeti, 2:1. Ibrahim Salah zieht im Strafraum von rechts aussen ab. Ajeti, zuvor eingewechselt, lenkt den strammen Schuss mit den Zehenspitzen noch leicht ab.
91. Minute, Koba Koindredi, 3:1. In der eigenen Platzhälfte kommt Koindredi an den Ball. Der FCB-Joker sprintet aufs Thuner Tor zu und schliesst flach erfolgreich ab. Thun-Captain Marco Bürki gelingt es nicht, Koindredi entscheidend zu stören.
Die Stimmen
Mauro Lustrinelli beklagt sich im SRF-Interview bezüglich der gelb-roten Karte gegen Fehr über das fehlende «Fingerspitzengefühl» von Schiedsrichter Fedayi San. Seine eigene Erklärung, warum dieses bei San offenbar fehlt, lautet: «Du kannst das nicht entwickeln, wenn du so wenig auf dem Platz stehst und zu viel als VAR im Einsatz bist.» Man habe den Willen bemerkt, dass San diese Karte unbedingt habe geben wollen, so der Thun-Trainer. «Das ist schade. Weil das war keine Situation, bei der man unbedingt intervenieren muss. Auf internationaler Bühne nehmen sich die guten Schiris Zeit und reden mit den Spielern. Mit seinen 60 Kilos hat Fehr nicht die Kraft, dass er Ajeti mit zwei Fingern zu Boden bringt.» Lustrinelli weiter: «Natürlich haben wir das auf dem Silbertablett quasi als Assist serviert und der Schiri hat ein Tor daraus gemacht.»
Der Beste
Metinho. Der Mittelfeldspieler der Basler ist stark am Ball, schiesst den Ausgleich per Schlenzer von ausserhalb des Strafraums und bereitet das späte 2:1 durch einen präzisen Pass und guter Übersicht vor.
Der Schlechteste
Christopher Ibayi. Der Thun-Stürmer riskiert mit seinem unbedachten Tritt nach dem Zweikampf mit Vouilloz (siehe «Das gab zu reden») die frühe Thuner Unterzahl. Auch sonst nicht entscheidend im Spiel – muss in der 67. Minute raus. Und schafft es von dort aus, doch noch vom Platz zu fliegen, weil er in der 89. Minute ausrastet.
Das gab zu reden
In der 32. Minute tritt Thun-Stürmer Ibayi nach einem Zweikampf dem FCB-Verteidiger Vouilloz im Vorbeilaufen auf den Knöchel. Es ist nicht zu hundert Prozent erkennbar, ob es Absicht war. Aber wenn der Franzose das Bein von Vouilloz gesehen hat, dann kann man definitiv über Rot diskutieren. Er macht keine Anstalten, auszuweichen und tritt voll drauf.
Die Schiris
Fedayi San hat es mit zwei heissblütigen Trainern zu tun – und sucht an der Seitenlinie mehrmals den Dialog. Dem aufgebrachten Lustrinelli muss er nach der gelb-roten Karte gegen Fehr (82.) dann trotzdem Gelb zeigen. Fehr hatte Ajeti im Vorbeigehen mitgerissen, dieser fiel ziemlich leicht. Auch jemand von der FCB-Bank hat in der ersten Halbzeit Gelb gesehen.
Die Fans
Gleich zwei Extrazüge fahren an diesem Tag nach Basel und wieder zurück. Der Gästesektor ist im Joggeli praktisch voll, aber auch von den Baslern kommen relativ viele Zuschauer. Die Muttenzerkurve deckt ihren langjährigen Junioren-Goalie Niklas Steffen (25) jeweils mit Pfiffen ein – zu Beginn hat er bei einigen Aktionen ein bisschen lange bis zur Ausführung gewartet. 28'929 Fans sind übrigens gemeldet – rund 3000 über dem Durchschnitt der aktuellen Saison.
So gehts weiter
Am drittletzten Spieltag sind beide Teams jeweils am 10. Mai auswärts im Einsatz: Basel tritt in Bern gegen YB an, Thun duelliert sich im Wallis mit Sion.
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Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | FC Thun | 35 | 35 | 74 | |
2 | FC St. Gallen | 35 | 22 | 63 | |
3 | FC Lugano | 35 | 14 | 63 | |
4 | FC Sion | 35 | 21 | 58 | |
5 | FC Basel | 35 | 6 | 56 | |
6 | BSC Young Boys | 35 | 3 | 48 |
Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | FC Luzern | 35 | 6 | 46 | |
2 | Servette FC | 35 | 4 | 46 | |
3 | FC Lausanne-Sport | 35 | -9 | 42 | |
4 | FC Zürich | 35 | -21 | 35 | |
5 | Grasshopper Club Zürich | 35 | -28 | 27 | |
6 | FC Winterthur | 35 | -53 | 20 |






