Das Spiel
Manch ein Fan im Wankdorf wird sich womöglich fragen: Bin ich hier bei einem Fussball- oder bei einem Handballspiel? YB umzingelt den Strafraum der Gäste, während der FCZ sich hinten einigelt. Etwas, was nicht verwunderlich ist. Die Berner sind von Anfang an überlegen. Und der FCZ muss sich nach dem frühen Platzverweis von Lindrit Kamberi (siehe «Das gab zu reden I») mehr als eine Stunde lang zu zehnt wehren.
YB kommt zu Top-Chancen, erzielt aber seine drei Tore erst nach dem Seitenwechsel. Die Berner beissen sich zunächst am tapferen FCZ-Goalie Silas Huber die Zähne aus. Huber macht die Möglichkeiten von Alvyn Sanches (7.), Joël Monteiro (14.), Samuel Essende (14.) und Armin Gigovic (26.) bravourös zunichte. Bei Essendes Pfostenschuss (36.) kommt ihm das Glück des Tüchtigen zu Hilfe.
Irgendwie passt es ins Bild, dass ausgerechnet ein Verteidiger für YB den Torbann bricht. Durch Sandro Laupers Distanzkracher geht die Mannschaft von Gerardo Seoane in der 64. Minute mit 1:0 in Führung. Kurz danach erhöht der eingewechselte Chris Bedia (71.). Wenig überraschend ist der dezimierte FCZ nach diesem Doppelschlag zu keiner Reaktion fähig und kassiert kurz vor Schluss per Penalty auch noch das 0:3 durch Bedia (86.).
Die Tore
64. Minute, Sandro Lauper, 1:0. Joël Monteiro hat Glück, dass der Ball nach seinem Pass, der von Chris Kablan geblockt wird, zu ihm zurückspickt. Daraufhin legt Monteiro für den aufgerückten Sandro Lauper auf. Dieser erlöst YB mit einem strammen Distanzschuss, bei dem Silas Huber nur hinterherschauen kann.
71. Minute, Chris Bedia, 2:0. Nach der Auswechslung von Innenverteidiger David Vujevic klafft beim FCZ eine Abwehrlücke. So darf Samuel Essende nach dem Steilpass von Alvyn Sanches alleine auf Huber zustürmen. Der Zürcher Goalie pariert mit der rechten Hand, allerdings steht YB-Joker Chris Bedia goldrichtig und verwertet den Abpraller.
86. Minute, Chris Bedia, 3:0 (Penalty). Daniel Ihendu fällt im Strafraum Chris Bedia aufs Bein. Schiedsrichter Urs Schnyder zeigt nach Konsultation der Videobilder auf den Punkt. Bedia verlädt Huber und trifft aus elf Metern mittig.
Die Stimmen
1:0-Torschütze Sandro Lauper bei Blue: «Wir sind angerannt. Wir hatten gute Chancen, aber nicht sehr zwingende. Da müssen wir vielleicht nachlegen. Dass wir zwingender den Abschluss mehr suchen und einen Haken weniger schlagen. Aber in dieser Situation brauchts vielleicht einfach aus der Distanz etwas Überraschendes. Ein wenig war der Schuss noch abgelenkt, glaube ich.»
FCZ-Coach Dennis Hediger selbstkritisch aufgrund seines Wechsels bei Blue: «Ich finde das Wort Klatsche zu hart. Der Spielverlauf ist brutal für uns mit der frühen Roten Karte. Das Team hat gelitten, gekämpft, sich in alles hineingeworfen. Die Null konnten wir lange halten. Nach dem Rückstand haben wir versucht, einen zweiten Stürmer hereinzubringen. Genau in diesem Moment ist eine Lücke offen hinten und wir werden sofort bestraft. Es war sicher nicht der ideale Moment zum Wechseln. Und dann war es ein Leiden.» Und Hediger über Goalie Silas Huber: «Ich betone es Woche für Woche: Er ist ein super Goalie. Man muss nicht immer überrascht sein, wenn er dann performt. Er hat die Qualitäten, er hat den Fokus, er ist ruhig und ein Versprechen für die Zukunft.»
Der Beste
Als Goalie drei Gegentore kassiert und trotzdem der Beste? Ja, das geht, wenn man so spielt wie Silas Huber im Tor des FCZ an diesem Nachmittag. Nur dank ihm dürfen die Zürcher überhaupt etwas mehr als eine Stunde auf ein 0:0 hoffen. Das Wunder trifft dann zwar nicht ein – aber mit Huber haben die Zürcher trotzdem einen Gewinner in ihren Reihen.
Der Schlechteste
Nevio Di Giusto ist an diesem Nachmittag vom Tempo und von der Gewichtsklasse seiner Gegenspieler überfordert. Bloss neun Ballberührungen in 45 Minuten sagen fast alles.
Das gab zu reden I
Eigentlich ist der FCZ im Angriff. Aber dann wird Bledian Krasniqi von Alvyn Sanches abgegrätscht, ein weiter Ball auf Samuel Essende überrascht Lindrit Kamberi und David Vujevic. Kamberi entscheidet sich für eine extrem riskante Grätsche, trifft nur Essende – und Schiedsrichter Urs Schnyder zeigt Rot für eine Notbremse. Vujevic ist knapp hinter Essende, ob er den YB-Stürmer noch eingeholt hätte? Es bleibt eine hypothetische Frage. Rot mag auf der harten Seite sein – falsch ist die Entscheidung aber nicht.
Das gab zu reden II
Die FCZ-Spieler laufen an diesem Nachmittag mit einem Trauerflor auf. Sie gedenken so dem Cousin von Valon Berisha, der letzte Woche bei einem Autounfall ums Leben gekommen ist. Berisha, der den tragischen Moment selbst miterlebt hat, sitzt erst auf der Bank und wird nach einer Stunde tatsächlich noch eingewechselt.
Die Schiris
Urs Schnyder gibt auch für kernige Grätschen keine Verwarnung, schickt dafür aber Lindrit Kamberi für eine Notbremse vom Feld. Es ist eine knifflige Entscheidung – aber er fällt sie ohne zu zögern. Warum er dann in der 84. Minute den Video-Assistenten braucht, um das penaltyreife Foul von Daniel Ihendu an Chris Bedia zu erkennen, ist dann etwas überraschend.
Die Fans
26'931 Tickets sind verkauft worden. Aber einige der Ticketbesitzer haben dankend auf den Besuch im Wankdorf verzichtet. Bei bestem Skiwetter sind deutliche Lücken auf den Tribünen zu sehen.
So gehts weiter
Super-League-Fussball gibts Anfang März auch unter der Woche. Sowohl YB als auch der FCZ müssen am kommenden Mittwoch wieder ran. Die Berner kriegen es auswärts mit Luzern zu tun, während die Stadtzürcher Lausanne-Sport empfangen. Anpfiff ist jeweils um 20.30 Uhr.
Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | FC Thun | 31 | 37 | 71 | |
2 | FC St. Gallen | 31 | 23 | 56 | |
3 | FC Basel | 31 | 8 | 52 | |
4 | FC Lugano | 31 | 10 | 51 | |
5 | FC Sion | 31 | 9 | 46 | |
6 | BSC Young Boys | 31 | 5 | 46 |






