Thuns Meisterrechnung
Kein Sofatitel für den FC Thun! St. Gallen fährt gegen YB auf dramatische Art und Weise den benötigten Sieg ein. Damit ist klar: Nach der Thuner 0:1-Niederlage am Samstag gegen Lugano findet auch am Tag danach keine Meisterparty im Berner Oberland statt. Die nächste Chance bietet sich dem Aufsteiger am kommenden Samstag beim Gastspiel in Basel. Wenn Thun im Joggeli gewinnt, ist der Sensationstitel perfekt.
Das Spiel
Es sind schmeichelhafte drei Punkte, die sich der Tabellenzweite St. Gallen auswärts gegen YB sichert. Das 1:0 erzielen die Espen nach einem diskutablen Penaltyentscheid von Ref Urs Schnyder (siehe «Die Schiris») und der Siegtreffer zum 2:1 fällt ultraspät – in der 92. Minute!
Bitter für Thun, das doch nicht auf dem Sofa Meister wird. Und bitter für die Young Boys, die am Ende trotz des deutlichen Chancenplus mit leeren Händen dastehen. Europa können sich die Stadtberner damit wohl definitiv abschminken. Zum vierten Mal in Serie bleibt die Mannschaft von Gerardo Seoane sieglos. Zuletzt gab es drei Unentschieden in Folge.
Die fehlende Kaltblütigkeit kommt YB zu Hause gegen die Espen teuer zu stehen. Aus zehn Abschlüssen aufs Tor resultiert nur ein einziger Treffer – das zwischenzeitliche 1:1. Wenns bei diesem Resultat geblieben wäre, hätte in der rund 30 Kilometer entfernten Stockhorn Arena die Thuner Meisterfeier ihren Anfang genommen.
Aber St. Gallen legt sein Veto ein – dank gütiger Mithilfe der katastrophalen YB-Mauer in der Nachspielzeit der zweiten Hälfte. So kommt die Equipe von Enrico Maassen wie schon am 19. Oktober 2025 erneut zu einem 2:1-Triumph im Wankdorf. Verrückt, wenn man bedenkt, dass sich die Ostschweizer bis 2025 knapp 20 Jahre lang auf einen Auswärtssieg gegen YB haben gedulden müssen.
Die Tore
64. Minute, Lukas Görtler, 0:1 (Handspenalty). Görtler verwandelt aus elf Metern unten links und lässt dabei Goalie Marvin Keller keine Chance.
81. Minute, Ebrima Colley, 1:1. Nach Kellers weitem Abschlag kommen sich zwei St. Galler in die Quere. Colley ist der Nutzniesser und schiebt alleine vor Lawrence Ati Zigi den Ball ins Tor. Zu diesem Zeitpunkt wäre Thun Meister.
92. Minute, Chima Okoroji, 1:2. Weil die katastrophale YB-Mauer zu löchrig ist und Keller den vor ihm aufspringenden Ball nicht behändigen kann, landet der Okoroji-Freistoss in den Maschen. St. Gallen jubelt ausgelassen. Und in Thun herrscht Katerstimmung.
Die Stimmen
Chima Okoroji (St. Gallen) gegenüber Blue: «Ich ging volles Risiko beim Freistoss. Zum Glück ging der Ball rein. Ja, wir machens Thun derzeit nicht ganz leicht.»
Lukas Görtler (St. Gallen) gegenüber Blue: «Der Sieg ist nicht unverdient. Das war ein 50:50-Spiel. Der Handelfmeter war ein wenig glücklich.»
Gerardo Seoane (YB) gegenüber Blue: «Wir müssen effizienter werden. Der letzte Pass und die Genauigkeit im Abschluss haben gefehlt. Am Schluss zählt das, was auf dem Totomat steht, dieser spricht für St. Gallen. Unsere Situation bezüglich Europa hat sich nicht verbessert, das wissen wir. Wir müssen im nächsten Spiel anders performen in Sachen Effizienz.»
Der Beste
Lawrence Ati Zigi. Einmal mehr ist der Ghanaer die Lebensversicherung der Ostschweizer. Bei Colleys Ausgleich ist er machtlos. Überragend: Seine Parade gegen Essende vier Minuten vor Schluss!
Der Schlechteste
Hugo Vandermersch. Er sieht bei Kellers Auskick, mit dem sich der Berner Goalie einen Assistpunkt holt, maximal schlecht aus, als ihm der Ball durchrutscht und Colley profitieren kann.
Das gab zu reden
Plötzlich steht Alessandro Vogt da wie ein Spieler aus dem Playoff-Final im Eishockey: Es fehlt ihm ein halber Zahn. Besonders gut zu sehen, als er nach seiner Auswechslung auf der Bank breit grinst. Nach dem Match klärt Vogt gegenüber Blue auf: «Das ist mir schon einmal passiert. Das Zahnteil, das einst ersetzt worden ist, ist jetzt wieder rausgefallen.»
Die Schiris
Na ja, dieser Handspenalty für St. Gallen. Ich (Blick-Reporter Alain Kunz) verstehe ja die Handspielregel wie 99,9 Prozent der Menschheit nicht. Aber sind nicht eine Berührung eines anderen Körperteils unmittelbar vor der Berührung der Hand sowie die ultranahe Distanz zwei Killerkriterien, NICHT auf Penalty zu entscheiden? Ref Urs Schnyder und VAR Mirel Turkes übergehen sie willentlich. Auch sonst ist Schnyder nicht immer stilsicher in seinen Entscheidungen.
Die Fans
Wunderbare Stimmung und wunderbares Wetter im Wankdorf. 26'182 sind im Stadion. Allerdings ist das unter dem Saisonschnitt, der bislang bei 27'512 lag. Der Glaube der Fans fehlte wohl schon ein bisschen. Diejenigen, die nicht kamen, sollten Recht behalten …
So gehts weiter
Beide Teams müssen am kommenden Sonntag wieder ran. YB reist ins Tessin zu Lugano (16.30 Uhr), während St. Gallen zu Hause Sion empfängt (14 Uhr).
Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | FC Thun | 35 | 35 | 74 | |
2 | FC St. Gallen | 35 | 22 | 63 | |
3 | FC Lugano 0:0 | 35 | 13 | 61 | |
4 | FC Sion | 35 | 21 | 58 | |
5 | FC Basel | 35 | 6 | 56 | |
6 | BSC Young Boys 0:0 | 35 | 4 | 49 |
Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | FC Luzern | 35 | 6 | 46 | |
2 | Servette FC 0:0 | 35 | 2 | 44 | |
3 | FC Lausanne-Sport | 35 | -9 | 42 | |
4 | FC Zürich | 35 | -21 | 35 | |
5 | Grasshopper Club Zürich 0:0 | 35 | -26 | 28 | |
6 | FC Winterthur | 35 | -53 | 20 |






