Darum gehts
- VfB Stuttgart besiegt Freiburg 2:1 im dramatischen DFB-Pokal-Halbfinal
- Schiedsrichterentscheidung sorgt für grossen Unmut bei Freiburg
- 60'000 Fans sehen spektakuläres Hackentor von Tiago Tomas in Minute 119
Es läuft die 119. Spielminute, 60'000 Fans im Stadion haben sich damit abgefunden, dass der DFB-Pokal-Halbfinal zwischen dem VfB Stuttgart und dem SC Freiburg im Penaltyschiessen entschieden werden wird. Doch drei VfB-Spieler haben andere Ideen – und als Einwechselspieler nach zwei Stunden Abnützungskampf einen entscheidenden Vorteil.
Der deutsche Nationalspieler Josha Vagnoman (25) treibt den Ball nach vorne, überlässt dem Algerier Badredine Bouanani (21) – beide haben den Platz erst Sekunden zuvor betreten. Daneben humpelt Nati-Youngster Johan Manzambi (20) mit. Von Krämpfen geplagt versucht er, die Stuttgarter am Flanken zu hindern – vergeblich. Bouanani findet den Fuss von Tiago Tomas (23), der den Ball technisch brillant per Hacke zum 2:1 ins Tor befördert – auch der Portugiese ist erst nach 90 Minuten eingewechselt worden.
Kurz darauf ist Schluss, Titelverteidiger Stuttgart fährt Ende Mai erneut zum Final nach Berlin. Der schwäbische Jubel kennt keine Grenzen. Auf der anderen Seite liegt Manzambi auf dem Rasen. Regungslos starrt der junge Genfer, der beim SCF einen kometenhaften Aufstieg hinter sich und sich zum kreativen Schlüsselspieler der Breisgauer entwickelt hat, in den Nachthimmel. Dramatischer kann ein Fussballspiel kaum enden.
Der Trainer weint, alle hadern mit dem Schiri
Beim Trainer Julian Schuster, der als Freiburg-Captain bereits vor 13 Jahren einen Pokal-Halbfinal gegen den VfB verloren hat, fliessen Tränen. Doch in die Freiburger Enttäuschung mischt sich auch Frust. Die Gäste hadern mit Schiedsrichter Tobias Welz (48). In der ersten Minute der Verlängerung trifft Lucas Höler (31) vermeintlich zum 2:1. Das Tor zählt nicht, weil Welz einen strafbaren Schubser des Torschützen an Jeff Chabot (28) gesehen haben will. Und weil der Unparteiische pfeift, bevor der Ball die Linie überquert, darf sich der VAR die Szene auch nicht mehr anschauen. Der «Kicker» und die «Bild» sprechen von einer «klaren Fehlentscheidung».
Maximilian Eggestein, der Torschütze zum Freiburger 1:0, tritt nach Schlusspfiff als Erster vor das ARD-Mikrofon: «Der darf diese Szene niemals wegpfeifen. Es kann mir auch keiner erzählen, dass der Videoassistent da eingreift, wenn der Schiri es durchgehen lässt – nie im Leben.
Sogar der Gegner versteht den Foul-Frust
Unterstützung gibts sogar vom Gegner. «Das ist nie und nimmer ein Foul. Ich wäre als Stürmer ausgerastet», sagt Deniz Undav (29), der in der 70. Minute zum 1:1 trifft, nach dem Spiel bei Sky. Generell ist der Nationalstürmer mit der Schiri-Leistung nicht zufrieden. «Der hat zu früh Gelb gezeigt, in einem Halbfinal-Derby gehören Emotionen dazu. Er hat nicht mit sich reden lassen, auch wenn man versucht hat, ruhig zu sprechen. Ich mag den eh nicht, er hat uns schon mal gepfiffen, da war es genau gleich.»
Freuen tuts Undav trotzdem. «Glück für uns, Pech für Freiburg», hält er fest.
Für die Freiburger gilt es den Rückschlag nun schnell zu verdauen. Denn am nächsten Donnerstag wartet auf Manzambi und Co mit dem Hinspiel im Europa-League-Halbfinal in Braga (Portugal) das nächste Highlight. Bis dann haben sich die Muskeln des Schweizers hoffentlich erholt.

