Das Spiel
Die Besiktas-Fans gehören zu den heissblütigsten der Welt, einst wurden 141 (!) Dezibel gemessen. Das ist lauter als ein Düsenjet. Und Weltrekord in einem Fussballstadion.
Kurz vor der Pause aber wird’s urplötzlich gespenstisch still. Lausannes Sow düpiert die Abwehr von Besiktas mit einem wunderbaren langen Ball, Arsenal-Junior Butler-Oyedeji braust auf und davon und behält alleine vor Goalie Günok die Nerven.
An der Seitenlinie strahlt Lausanne-Coach Peter Zeidler heller als das Flutlicht im Stadion. Die Sensation, die Quali für die Conference League, sie ist nach dem 1:1 im Hinspiel zum Greifen nah.
Kurz nach der Pause ist der Puls bei Zeidler dann auf 180. Besiktas-Spieler Uduokhai steigt an der Mittellinie wie ein Wahnsinniger in den Zweikampf mit Lausannes Soppy. Nur mit viel Glück kommt der Mittelfeldspieler ohne Verletzung davon. Für Uduokhai ist das Spiel vorbei, glatt Rot. Diskussionslos.
Wer nun damit rechnet, dass die Waadtländer eine Simi-Sicherli-Strategie fahren und auf Konter lauern, kennt den Zeidler-Fussball schlecht. Trotz Führung powern die Lausanner weiter, Lekoueiry hat das 2:0 auf dem Fuss, scheitert aber an Günok.
Von Besiktas kommt offensiv nicht viel, Star-Stürmer Tammy Abraham hängt im luftleeren Raum, erst nach 64 Minuten wirds gefährlich, der Ex-Chelsea- und Roma-Angreifer aber verpasst hauchdünn.
Nach 95 Minuten ist der Coup perfekt, Lausanne hält die Schweizer Fahne weiter hoch und steht in der Gruppenphase der Conference League.
Das Tor
45+1. Minute, Nathan Butler-Oyedeji, 0:1. Karim Sow spielt einen langen Ball in die Spitze zu Butler-Oyedeji. Der Engländer steht knapp nicht im Abseits und läuft alleine auf das Tor zu. Eiskalt schiebt er den Ball zur Führung in die Maschen.
Der Beste
Jamie Roche ist im Mittelfeld sehr stark. Der Schwede ist der Spielmacher – auch in den ersten Minuten, als Besiktas Druck macht. Wenn sich ein Spieler am Donnerstag in Istanbul einen Namen macht, dann ist er es.
Der Schlechteste
Tammy Abraham. Ein Hoffnungsträger des englischen Fussballs, wirklich? Der ehemalige Mittelstürmer von Chelsea und AS Roma ist mehr als enttäuschend – er ist völlig unzureichend. Ein Geist. Ausserdem verteidigt er nicht, obwohl seine Mannschaft eine Halbzeit lang zu zehnt spielt.
Das gab zu reden I
Wie erwartet ist Kaly Sène nicht dabei, auch wenn sein Wechsel nach Middlesbrough noch nicht offiziell bestätigt ist. Der Verein aus der zweiten englischen Liga und Lausanne sind sich einig, aber der senegalesische Stürmer wurde in North Yorkshire noch nicht vorgestellt.
Das gab zu reden II
Wenige Stunden nach dem Spiel zieht der Türken-Klub die Reissleine: Trainer Ole Gunnar Solskjaer muss nach der Blamage gegen Lausanne per sofort gehen.
Die Schiedsrichter
Der dänische Schiedsrichter Jakob Kehlet hat in der 46. Minute eine schwierige Situation zu bewältigen, als Felix Uduokhai Brandon Soppy direkt vor den Bänken beider Mannschaften spektakulär foult. Der Deutsche berührt den Ball – das ist unbestreitbar – aber er trifft auch den Gegner. Kehlet zögert nicht und zeigt sofort die Rote Karte, was den Staff von Besiktas und das Publikum zornig macht.
Die Fans
Knapp 200 Lausanner gegen mehr als 35'000 Türken: Auf den Tribünen ist der Lausanner Kampf von Anfang an verloren. Das Stadion von Besiktas ist fast ausverkauft, nur wenige hundert Plätze bleiben leer. Die Stimmung ist den ganzen Abend über elektrisierend, aber die Spieler von Besiktas, die vor dem Spiel lautstark angefeuert wurden, gehen zur Halbzeit unter den Pfiffen ihres eigenen Publikums in die Kabine.
So gehts weiter
Das Europa-Abenteuer für Lausanne geht weiter! Erstmal steht aber wieder der Ligaalltag an. Am Sonntag empfangen die Waadtländer zuhause den FCSG (14 Uhr). Am 2. Oktober geht es dann los mit der Ligaphase der Conference League. Für Besiktas ist die Europacupsaison vorbei.