Das Spiel
Ausgerechnet er. Ausgerechnet Andreas Cornelius lässt die Träume des FC Basel von der Champions League platzen. Der Mann also, der den Puls der Basler in der ersten Halbzeit so sehr in die Höhe getrieben hat, weil er bei einem Eckball Keigo Tsunemoto ungeahndet am Hals packen durfte.
38 Sekunden sind gespielt in der zweiten Halbzeit, als dieser Hüne frei zum Kopfball kommt, weil Marin Soticek seinen Gegenspieler Elias Achouri flanken lässt und Dominik Schmid zu wenig rasch auf Cornelius’ Laufweg reagiert.
Es ist das 1:0 für den FC Kopenhagen. Es ist die Entscheidung in diesem Spiel, in dem der FCB mindestens auf Augenhöhe mit dem dänischen Meister auftritt. In dem ihm aber etwas fehlt: Einer, wie Cornelius, der aus einer Chance ein Tor macht.
Basel dagegen hat einen emsigen Moritz Broschinski, der den Vorzug vor Albian Ajeti erhält, der aber in der 57. Minute bei seiner hochkarätigen Gelegenheit am herausragend reagierenden Dominik Kotarski scheitert. Der Kopenhagener Goalie wird ebenfalls zum Matchwinner, schon in der 56. Minute hat er gegen Xherdan Shaqiri gerettet.
Für den FCB ist es ein bitteres Ausscheiden, weil er so auftritt, wie es sein Trainer Ludovic Magnin vor dem Anpfiff fordert: «Mit Mut und Persönlichkeit.» Aber am Ende fehlt es dann doch auf beiden Seiten des Feldes ein klein wenig an jener Qualität, die es gemeinhin braucht, um in die Königsklasse zu kommen.
Beim 1:1 im Hinspiel war es Goalie Marwin Hitz, der patzte. In Kopenhagen fehlt es der Offensive an Durchschlagskraft. Und wer so durch den eigenen Strafraum grätscht wie Adrian Barisic, darf sich über Elfmeterpfiffe nicht wundern. Youssoufa Moukoko bedankt sich in der 84. mit dem zweiten Tor für das Heimteam. Was aus Basler Sicht in beiden Spielen gleich bleibt: Die rotblaue Ersatzbank ist viel zu leichtgewichtig für diese schwierige Aufgabe.
Nichts ist es also geworden mit der ersten Basler Qualifikation für die Königsklasse seit 2018. Stattdessen geht es für den FCB in die Europa League. Auch dort gibt es Gegner mit klanghaften Namen wie AS Roma, Celtic, Rangers, Nottingham Forest mit Dan Ndoye, Aston Villa, VfB Stuttgart oder der SC Freiburg.
Aber es kann für die Basler und ihren sangesfreudigen Anhang an diesem Abend nur ein kleiner Trost sein.
Die Tore
46. Minute, Andreas Cornelius, 1:0. Der FCB wird nur 38 Sekunden nach der Pause kalt geduscht. Der Tunesier Achouri schlägt aus dem linken Halbfeld eine zum Tor gezogene Flanke. Im Strafraum läuft Cornelius, der sich geschickt zwischen Schmid und Vouilloz bewegt, perfekt getimt in den Ball und versenkt per Kopf.
84. Minute, Youssoufa Moukoko, 2:0. Barisic holt Claesson im Strafraum mit einer Grätsche von den Beinen. Den fälligen Strafstoss verwandelt der einst als Supertalent gehandelte Moukoko, der in diesem Sommer von Borussia Dortmund verpflichtet wurde.
Die Stimmen
«Ich glaube, wir haben gut mitgehalten. Die Statistik sagt das auch. Aber davon kann man sich im Fussball nichts kaufen. Leider haben wir es nicht geschafft, ein Tor zu schiessen, was sehr wichtig gewesen wäre. Wir haben gut dagegengehalten, kleine Details haben das Spiel entschieden», sagt Xherdan Shaqiri gegenüber Blue.
Was ist beim ersten Tor schiefgegangen, wird Shaqiri gefragt: «Das ist schwer zu sagen, direkt nach dem Spiel. Das darf uns natürlich nicht passieren – auf diesem Niveau wird alles knallhart bestraft. Nach dem Anstoss kommt der Ball irgendwie wieder an den Sechzehner zurück. Und bei der Flanke müssen wir besser verteidigen, definitiv.»
«Es ist eine Enttäuschung, wir sollten es unbedingt schaffen und haben es nicht geschafft. Es braucht ein paar Tage, das zu verdauen und zu analysieren, was gut und was schlecht war. Aber es wartet auch eine gute Kampagne in der Europa League.»
Dominik Schmid gegenüber SRF: «Die Chancenauswertung war ungenügend. Wir hatten genug Möglichkeiten, um das Spiel zu gewinnen. In zukünftigen internationalen Spielen müssen wir da deutlich cleverer agieren. Wir hatten zwei, drei richtig gute Chancen und haben auch nach dem 1:0 nicht aufgehört, Fussball zu spielen. Aber wenn man die Dinger vorne nicht macht, kriegt man sie bekanntlich hinten.»
«Unsere Anstossvariante, bei der wir den Ball lang auf mich schlagen, hat bislang gut funktioniert. Dieses Mal wurden wir jedoch ausgekontert. Die Flanke war perfekt, der Laufweg ebenso. Vielleicht hätten wir es trotzdem besser verteidigen können. Wir dürfen auf keinen Fall so kurz nach der Halbzeit ein Gegentor kassieren – vor allem nicht, wenn der Ball 15 Sekunden vorher noch am gegnerischen Strafraum war. Das ging viel zu einfach. Vielleicht muss man in so einer Situation auch mal ein Foul ziehen», erklärt Schmid weiter.
«Es ist extrem bitter. Man kann sich auch nicht darüber freuen, dass man ein gutes Spiel gemacht hat. Mit einem Auge bin ich aber auch stolz, weil wir uns hier vor 40’000 Zuschauern nicht versteckt haben.»
Das gab zu reden
Nach einer Viertelstunde geht Kopenhagen-Stürmer Cornelius Gegenspieler Tsunemoto bei einem Eckball an die Gurgel. Nur zu gerne hätte sich der eine oder andere FCB-Fan nach dieser Szene einen Platzverweis gegen den Dänen gewünscht. Die TV-Bilder zeigen allerdings klar: Cornelius will Tsunemoto einfach nur wegdrücken. Ein Foulspiel, ja. Aber keine Tätlichkeit.
Der Beste
Dominik Kotarski. Nach fast einer Stunde hält Kopenhagens Goalie erst stark gegen Shaqiri und packt dann gegen Broschinski einen Mega-Reflex aus.
Der Schlechteste
Marin Soticek. Mangels Alternativen bringt Ludovic Magnin den jungen Kroaten erneut auf dem rechten Flügel. Der steht dort wie schon im Hinspiel auf komplett verlorenem Posten und lässt Gegenspieler Elias Achouri vor dem ersten Gegentor zu leicht flanken.
Die Fans
Aufgrund der ohrenbetäubenden Kulisse könnte man meinen, es seien um die 60’000 Fans im Parken-Stadion anwesend. Offiziell sind es aber nur 34’854 – immerhin 1200 davon aus Basel.
Die Schiris
Champions-League-Final-Schiri Istvan Kovacs hat die Partie komplett im Griff.
So gehts weiter
Der FC Basel spielt am Samstag in Sion (20.30 Uhr). International steht der nächste Termin an diesem Freitag, 29. August an. Um 13 Uhr steigt die Auslosung zur Europa-League-Ligaphase.