Die drei Besten von Finalspiel 6
- ⭐️⭐️⭐️ Jeremi Gerber (Fribourg)
- ⭐️⭐️ Julien Sprunger (Fribourg)
- ⭐️ Simon Knak (Davos)
Sprungers Tor für die Ewigkeit
Lange sieht es so aus, als ob das Tor von Julien Sprunger (40) zum 1:0 das Spiel entscheiden würde. Doch dann schiesst Simon Knak den HCD noch in die Verlängerung und Jeremi Gerber wird zum Overtime-Helden für die Fribourger. Der gefeierte Mann ist aber dennoch der Captain, der nun die Chance erhält, im letzten Spiel seiner Karriere doch noch seinen ersten Meistertitel zu gewinnen. Die Sprunger-Gesänge sind noch lauter als sonst.
«Es war vor dem Spiel sehr, sehr emotional. Ich wusste, dass es mein letztes Spiel hier ist. Es war nicht so einfach», gesteht Sprunger. «Doch als ich meine Schlittschuhe angezogen habe, ging es besser. Im Spiel lief es gut. Ein besseres Szenario hätte ich mir nicht erträumen können.» Und über seinen letzten Treffer in der BCF-Arena sagte er: «An dieses Tor erinnere ich mich mein Leben lang. Es war auch sehr wichtig für die Mannschaft.»
Vor dem Spiel hatte Pierre Reynaud, der Pressechef und Teammanager, noch darauf hingewiesen, dass Sprunger keine Interviews geben werde, wenn Fribourg verliere.
Wechselbad der Gefühle in Davos
Ins nach der Wintersaison bereits ziemlich ausgestorbene Davos kommt am Dienstagabend trotz des Auswärtsspiels in Fribourg Leben. Rund 2000 HCD-Fans pilgern mit viel Zuversicht zum Public Viewing ins Stadion. «Von Zürich, aus dem Aargau, von überall sind sie angereist», zeigt sich HCD-Supporterin Monja beeindruckt. Vor dem Spiel werden vor allem Matej Stransky und Enzo Corvi als mögliche Meisterschützen gehandelt. Doch es kommt anders. Schon früh müssen sich die Davoser Fans mit einem Rückstand und anschliessend mit einer Geduldsprobe auseinandersetzen, der späte Ausgleich von Simon Knak sorgt dann aber für Ekstase. Die Hoffnung ist zurück.
Bis Jeremi Gerbers Treffer in der Verlängerung die Davoser Meisterparty platzen lässt. Das Stadion leert sich rasch, der Optimismus der Fans aber bleibt. «Es ist schade, aber jetzt machen wir es am Donnerstag», ist Lena überzeugt. Und Reto verrät seine Planänderung: «Jetzt gehen wir schlafen und sind am Donnerstag parat.»
Schmerzhafter Treffer
Im ersten Drittel verschwindet Playoff-Topskorer Lucas Wallmark in der Kabine, kehrt aber wenige Minuten später wieder zurück. Was war passiert? Der Schwede in Diensten von Gottéron war von einem Stock zwischen den Beinen getroffen worden. Autsch.
Jung und die «besten Schiedsrichter …
HCD-Verteidiger Sven Jung hatte sich nach dem ersten Finalspiel eine Spitze gegen das Schiedsrichter-Duo Mikko Kaukokari/Cedric Borga, das den Davoser Ausgleich von Brendan Lemieux nach einer Fribourger Coaches Challenge aberkannt hatte, nicht verkneifen können. «Sind das wirklich die besten Schiedsrichter, die wir in der Schweiz haben? Ich frage nur …» Jung bekommt die Antwort wortlos: Kaukokari und Borga leiten am Dienstag bereits ihr drittes Finalspiel! Und dabei übersehen sie nach wenigen Minuten, wie Fribourg-Stürmer Samuel Walser bei einem Scharmützel vor dem Tor den Stock in Jungs Gesicht pflanzt.
Aeschlimann verliert die Ruhe
Der sonst so besonnene HCD-Keeper Sandro Aeschlimann wirkt in der Verlängerung ungewohnt zappelig. Erst hebt er das Tor aus den Angeln und macht verärgert die Schiedsrichter wild fuchtelnd darauf aufmerksam. Solch emotionale Auffälligkeiten ist man sich vom Emmentaler nicht gewohnt. Die Ruhe kehrt nicht schnell genug zurück: Beim entscheidenden Treffer springt Aeschlimann erst nach vorne und sitzt dann wehrlos auf dem Hosenboden, als Jeremi Gerber zur Entscheidung trifft.
Holden lässt Emotionen aussen vor
Josh Holden tritt nach der bitteren Overtime-Niederlage in Fribourg vor die Medien – mit dem gleichen Lächeln wie er dies immer tut. Seine Gefühlslage behält der HCD-Trainer für sich. «Das ist einfach Hockey, in der Verlängerung standen die Chancen fünfzig zu fünfzig», wiegelt der Kanada-Schweizer ab. Er will den Puck flach halten, und auch das Thema des siebten Final-Spiels nicht zu hoch kochen. «Wir versuchen den ultimativen Sieg zu holen.» Der Heimvorteil spiele in dieser Serie keine Rolle. Ein Game 7 erlebt man aber doch nicht alle Tage. «Trotzdem dürfen wir uns nicht von den Emotionen leiten lassen. Wir brauchen einen Plan.» Wie er selbst diese Ruhe bewahrt? «Dieses Geheimnis teile ich dann, wenn wir gewonnen haben.»
Dauerbrenner dank Kartoffelstock und Bratwurst
482 Spiele in Folge hat Fribourgs Nati-Stürmer Christoph Bertschy seit seiner Rückkehr aus Nordamerika nie gefehlt. Hut ab! Was gab es da früher zu essen?, wird seine Schwester Melanie, die Frau von Bertschys verletztem Teamkollegen Andrea Glauser, im Pausen-Interview bei Mysports gefragt. «Ganz wichtig: Jeden Donnerstag gab es bei unserer Grossmutter Kartoffelstock mit Bratwurst, Erbsen und Karotten. Und natürlich einer Extra-Portion Salatsauce», antwortet sie keck. In der Finalserie bleibt Bertschy, der im Halbfinal gegen Servette noch heiss gelaufen war, bisher noch ohne Skorerpunkt.

