Skandal um gefälschtes Zertifikat
Warum Fischer trotzdem nicht entlassen wird

Hockey-Nationaltrainer Patrick Fischer gibt zu, vor vier Jahren mit gefälschtem Corona-Zertifikat zu den Olympischen Spielen gereist zu sein. Das Denkmal des Star-Trainers bekommt Risse – vorzeitig gehen wird er trotzdem nicht müssen, schreibt Sportchef Emanuel Gisi
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Patrick Fischer gibt die Fälschung eines Covid-Impf-Zertifikats zu.
Foto: keystone-sda.ch
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Emanuel GisiSportchef

Eigentlich müsste man Patrick Fischer jetzt entlassen. Der Trainer der Schweizer Eishockeynationalmannschaft hat ein gefälschtes Covid-Zertifikat genutzt, um 2022 an die Olympischen Spiele reisen zu können, obwohl er nicht geimpft war. Ein Jahr später wurde er dafür strafrechtlich verurteilt. Kurz vor der Heim-WM rücken Fischer und der Schweizerische Eishockeyverband SIHF nun mit der Wahrheit raus – der Verband wusste die längste Zeit ebenfalls nichts von allem.

Die Behauptung in der Verbandsmitteilung, es handle sich um eine Angelegenheit der Privatperson Fischer, ist, mit Verlaub, Hafenkäse. Wenn der Nationaltrainer mit dem Nationalteam an die Olympischen Spiele reist und in diesem Zusammenhang eine Straftat begeht, mag das vieles sein, eine private Angelegenheit ist es nicht. Dass Fischer im Winter 2021 die Öffentlichkeit an der Nase herumführte und (unter anderem im Blick) behauptete, er werde rechtzeitig die Bedingungen erfüllen, um an den Olympischen Spielen teilnehmen zu dürfen, macht die Sache auch nicht besser. Ein Nationaltrainer, das weiss Fischer, hat kraft seines Amtes eine Vorbildfunktion.

Warum Patrick Fischer nicht entlassen werden wird

Trotzdem hat Fischer Glück. Ihm wird nichts passieren, er wird nicht entlassen werden.

Zu viel Zeit ist vergangen seit der Pandemie, zu ungern erinnern wir uns alle an diese dunkle Zeit. Schaden anrichten kann er auch nicht mehr. Verurteilt ist er längst. Seinen Abschied nach der Heim-WM hat er ohnehin bereits vor Monaten bekanntgegeben. Und man darf den Gedanken schon auch aussprechen: Es wäre ein unwürdiges Ende einer grossen Amtszeit als Nationaltrainer, der mit seinem Team und insgesamt drei Silbermedaillen die Hockey-Nation Schweiz auf ein neues Level gehoben und die Sport-Nation inspiriert hat.

Der Fall Bichsel bekommt einen schalen Beigeschmack

Gleichzeitig ist diese Episode ab sofort Teil von Fischers Vermächtnis. Der Mann, der als Nati-Coach die Gruppe über alles stellte, der mit Lian Bichsel einen Spieler jahrelang aus der Nati ausschloss, weil er mit seinem Verhalten den Interessen des Teams geschadet hatte, stellte seine persönlichen Ansichten über die Interessen des Teams, als er 2022 alle hinters Licht führte. Das geht nicht auf.

Dass die Geschichte erst jetzt rauskommt, kurz vor seinem Abschied, kurz vor seiner Heim-WM: Scheinbar musste er einer Story zuvorkommen. Vielleicht wollte er ohnehin reinen Tisch machen, bevor er geht und brauchte einfach drei Jahre dafür. Beides ist menschlich. Beides macht die Sache nicht gut. Und beides ändert nichts daran, was war.

Gruppe A
Mannschaft
SP
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PT
1
Österreich
Österreich
0
0
0
1
Finnland
Finnland
0
0
0
1
Deutschland
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0
0
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Großbritannien
Großbritannien
0
0
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1
Ungarn
Ungarn
0
0
0
1
Lettland
Lettland
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0
0
1
Schweiz
Schweiz
0
0
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1
USA
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0
0
Playoffs
Abstieg
Gruppe B
Mannschaft
SP
TD
PT
1
Kanada
Kanada
0
0
0
1
Tschechische Republik
Tschechische Republik
0
0
0
1
Dänemark
Dänemark
0
0
0
1
Italien
Italien
0
0
0
1
Norwegen
Norwegen
0
0
0
1
Slowakei
Slowakei
0
0
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Slowenien
Slowenien
0
0
0
1
Schweden
Schweden
0
0
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Abstieg
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