«Dieses Spiel zeigt uns, wo wir stehen. Es könnte keinen besseren Gegner in dieser Phase geben», erklärte Assistenztrainer Marcel Jenni vor der Partie gegenüber SRF. Nach diesen 60 schmerzhaften Minuten gegen Schweden lässt sich festhalten: Die Nati weiss zwei Wochen vor dem WM-Start, dass sie noch nirgends steht. Sie spielt an diesem Donnerstagabend in Jönköping auf dem Niveau einer Nation, die an der WM gegen den Abstieg spielt. Sie geht 1:8 unter.
Die Schweiz ist darauf angewiesen, dass die zahlreichen NHL-Spieler, die ab nächster Woche dazustossen sollen, für einen völlig anderen Impact sorgen. Und dass sich die aktuelle Formation am Wochenende in den Spielen gegen Finnland (Samstag) und Tschechien (Sonntag) zusammenreisst. Sonst wird es schwierig, nach dem skandalträchtigen WM-Vorbereitungsstart mit der viel diskutierten Entlassung von Trainer Patrick Fischer noch eine Vorfreude auf die Heim-WM zu generieren.
Mehrere Klassen zu gut für die Nati
Während bei der Schweiz Pius Suter aktuell noch der einzige NHL-Akteur ist und kaum Akzente setzen kann, haben die Schweden deren vier in ihrem Line-Up. Darunter mit Anton Frondell (Chicago) und Liam Öhgren (Vancouver) auch zwei Erstrunden-Drafts. Der erst 18-jährige Frondell, einer von nicht weniger als fünf Teenagern im Team der Nordländer, hatte zuletzt für Furore gesorgt, als er in seinen ersten 12 NHL-Spielen 3 Tore und 6 Assists zelebrierte. Auch fünf National-League-Ausländer (Brännström, Heed, Larsson, Sylvegaard, Petersson) schmücken die Aufstellung der Gastgeber. In der Summe sind ist diese Formation mehrere Klassen zu gut für die Nati.
Es ist Öhgren, der die Schweden schnörkellos in Führung bringt. Nach einem Puckverlust von Calvin Thürkauf geht es schnell – und vor dem eigenen Tor verlieren Tim Berni und Dominik Egli den Überblick. Vor dem 2:0 gelingt es den Schweden, die Schweizer in deren Drittel zu halten und müde zu spielen, ehe dann der 19-jährige Sascha Boumedienne, hochtalentierter Sohn von Ex-ZSC- und Zug-Verteidiger Josef Boumedienne, trifft.
Die Nati verliert jetzt komplett den Faden, leistet sich zu viele einfache Puckverluste und verliert fast alle Zweikämpfe. Die harte Trainingsphase, in der sich die Nati derzeit befindet, kann nicht wirklich als Entschuldigung herhalten, zumeist ist es eine Qualitätsfrage. Wie beim 0:3, als zunächst Tobias Geisser schlecht aussieht und danach Simon Le Coultre nicht nah genug bei Torschütze Jack Berglund, dem 20-jährigen Sohn von Ex-Rappi und Bern-Star Christian Berglund, steht.
Vom 0:2 bis zum 0:5 vergehen 12 Minuten
Beim 0:4 verhalten sich Christian Marti und Tristan Scherwey gemeinsam höchst ungeschickt – das 18-jährige Supertalent Viggo Björck bedankt sich. Und auch der hochgelobte Frondell kommt zu seinem Tor, als Geisser und Le Coultre beim 0:5 erneut miserabel aussehen. Vom 0:2 bis zum 0:5 vergehen 12 Minuten - der Auftritt der Nati im zweiten Drittel ist der reinste Horror. Die Schweiz wird von den schwedischen Jungstars nach allen Regeln der Kunst vorgeführt. Nach dem siebten Gegentreffer hat dann Goalie Leonardo Genoni Feierabend. Auch er erwischt keinen Glanzabend, er kann aber noch am wenigsten dafür. Der Schweizer Ehrentreffer von Geisser, einem der Schwächsten auf dem Eis, ist ein Muster ohne Wert.
Für den neuen Nati-Trainer Jan Cadieux ist es natürlich kritisch, kurz nach Amtsantritt und kurz vor der Heim-WM eine solche Ohrfeige einzufahren. Doch verkriechen muss er sich deswegen nicht, auch sein Vorgänger Patrick Fischer hat diese Saison in Schweden ein Spiel der Euro Hockey Tour mit einer Klatsche (3:8) verloren. Für Cadieux geht es jetzt in den Spielen am Wochenende darum zu beweisen, dass er die Lage noch im Griff hat. Und beim nächsten Kaderschnitt die richtigen Schlüsse zieht. Das wird anspruchsvoll genug.
Schweden – Schweiz 8:1
Husqvarna Garden, Jönköping. 6401 Fans.
Tore: 14. Öhgren (Silfverberg, Brännström) 1:0. 27. Boumedienne (Persson, Henriksson) 2:0. 31. Berglund (Petersson, Boumedienne) 3:0. 36. Björck (Stenberg) 4:0. 39. Frondell (Berglund, Heed) 5:0. 43. Boumedienne (Henriksson, Öhgren) 6:0. 53. Andersson (Stenberg, Karlsson) 7:0. 53. Geisser (Thürkauf, Rochette) 7:1. 57. Stenberg (Heed, Öhgren/PP) 8:1.
Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | Österreich | 0 | 0 | 0 | |
1 | Finnland | 0 | 0 | 0 | |
1 | Deutschland | 0 | 0 | 0 | |
1 | Großbritannien | 0 | 0 | 0 | |
1 | Ungarn | 0 | 0 | 0 | |
1 | Lettland | 0 | 0 | 0 | |
1 | Schweiz | 0 | 0 | 0 | |
1 | USA | 0 | 0 | 0 |
Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | Kanada | 0 | 0 | 0 | |
1 | Tschechische Republik | 0 | 0 | 0 | |
1 | Dänemark | 0 | 0 | 0 | |
1 | Italien | 0 | 0 | 0 | |
1 | Norwegen | 0 | 0 | 0 | |
1 | Slowakei | 0 | 0 | 0 | |
1 | Slowenien | 0 | 0 | 0 | |
1 | Schweden | 0 | 0 | 0 |



