Von wegen kontrolliert
Wie sich das Zürcher Veterinäramt beim Tierspital-Skandal rausredet

Nach den Vorwürfen zu Missständen in der universitären Kleintierklinik behauptete das Zürcher Veterinäramt, man habe die Situation nun vor Ort kontrolliert. Tatsächlich wurde aber nur die Apotheke überprüft.
Publiziert: 27.08.2025 um 10:35 Uhr
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Aktualisiert: 27.08.2025 um 11:38 Uhr
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Hunde und Katzen, die in ihrem Kot liegen, Schimmel und multiresistente Keime: Recherchen des Beobachters zeigen erschreckende Zustände in der universitären Kleintierklinik in Zürich.
Foto: Christian Schnur

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Lukas Lippert
Beobachter

Seit der «Beobachter» letzten November mutmasslich tierschutzwidrige Zustände in der universitären Kleintierklinik enthüllte, agiert das Zürcher Veterinäramt seltsam verhalten. So erklärte ein Sprecher einen Tag nach der Veröffentlichung bei «Tele Züri», «pauschale Vorwürfe» reichten nicht aus, um die Situation im Tierspital zu überprüfen.

Auf Nachfrage des «Beobachters» erklärte das Amt, man sei auf «konkrete Meldungen» angewiesen. Um sich ein «eigenes Bild» zu machen, forderte es dann aber immerhin eine Stellungnahme vom Tierspital. Mehr verriet die Behörde nicht – aus «verwaltungsrechtlichen Gründen».

Artikel aus dem «Beobachter»

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Für Julika Fitzi, Leiterin Tierschutz beim Schweizer Tierschutz (STS), unverständlich: Angesichts der Bilder und Videos hätte das Veterinäramt von sich aus aktiv werden müssen. «Schliesslich handelt es sich um Offizialdelikte», sagte sie damals.

Der politische Druck stieg. Der Zürcher Kantonsrat zwang den Regierungsrat, mit einer Interpellation zu antworten. Dennoch beharrte das Veterinäramt darauf, dass eine «zusätzliche Kontrolle vor Ort» nicht nötig sei. Versprach aber, im Rahmen der «ordentlichen Kontrollen 2025» den Fortschritt der vom Tierspital in Aussicht gestellten Massnahmen zu überprüfen.

Nur die Apotheke kontrolliert

Als der «Beobachter»Anfang Juli nachfragte, was aus diesen Kontrollen geworden sei, schrieb die Medienstelle: «Betreffend Betriebsbewilligung hat das Veterinäramt dieses Frühjahr eine Kontrolle am Tierspital durchgeführt.» Den Bericht dazu wollte das Amt aber nicht herausrücken: «Konkrete Informationen zu unserer Kontrolltätigkeit können nicht bekannt gegeben werden.»

Der «Beobachter» stellte daraufhin ein formelles Gesuch um Einsicht – gestützt auf das kantonale Öffentlichkeitsgesetz. 

Die Antwort kam ein paar Wochen später: Im Mai 2025 fand tatsächlich eine «umfassende Kontrolle» statt, wie der Rechtsdienst schreibt – allerdings nicht in der Kleintierklinik, sondern in der tierärztlichen Privatapotheke. Mehrere amtliche Tierärzte des Veterinäramts hätten «das Sortiment, die Lagerung sowie die Verschreibung und Dokumentation von Arzneimitteln» geprüft.

Weitere Kontrolle angekündigt

Und damit der Absurdität nicht genug: Selbst diesen – mindestens für die Kleintierklinik nichtssagenden – Kontrollbericht zur Apotheke gibt das Veterinäramt nicht heraus. Wer ihn einsehen möchte, muss ein «originalunterschriebenes» Gesuch einreichen, schreibt der Rechtsdienst in seiner Antwort. Das ebenfalls unterschriebene, aber nur eingescannte und per E-Mail eingereichte Gesuch des «Beobachters» genüge nicht. Wenn schon keine Klinik kontrolliert wird, dann wenigstens die Formulare.

Immerhin, und auch das sei hier erwähnt: Eine weitere Kontrolle des Tierspitals werde noch dieses Jahr erfolgen, gibt das Veterinäramt gegenüber dem «Beobachter» bekannt. Offen lässt es, ob es dieses Mal wirklich um die Kleintierklinik gehen wird.

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