«Wir sind schon Zürich-Meister beim Thema Integration»
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Petitions-Vertreterin Bdril:«Wir sind schon Zürich-Meister beim Thema Integration»

Heute informiert die Stadt
Geplante Asylunterkunft in Zürich-Leimbach sorgt für rote Köpfe

Ein ehemaliges Altersheim in Zürich-Leimbach soll ein Zuhause 250 Geflüchtete werden. Die geplante Asylunterkunft sorgt für grosse Unruhe im Zürcher Stadtquartier. Eine Informationsveranstaltung soll am Donnerstag Klarheit schaffen. Frust ist dabei vorprogrammiert.
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Dieses Hochhaus vermietet die Stadt Zürich für rund 1,4 Millionen Franken pro Jahr an die Asyl-Organisation Zürich.
Foto: Stadt Zürich
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Karin FrautschiReporterin Blick

In Zürich-Leimbach brodelt es: Die Stadt Zürich will ein ehemaliges Altersheim in ein vorübergehendes Zuhause für 250 Geflüchtete verwandeln. Die geplante Asylunterkunft sorgt bei vielen Anwohnerinnen und Anwohnern seit Monaten für rote Köpfe. 

Am Donnerstagabend informierten das Zürcher Sozialdepartement und die Asyl-Organisation Zürich (AOZ) über die Pläne. Die Plätze der Veranstaltung waren begrenzt, nur Angemeldete mit einem QR-Code-Ticket durften in den Saal.

Frust noch vor Beginn

Das sorgte bereits im Vorfeld für viel Frust in Leimbach. Rund 50 Personen warteten deshalb rund zwei Stunden draussen in der Kälte und verfolgten die Informationsveranstaltung durchs Fenster. Man habe niemanden von ihnen zusätzlich reingelassen, obwohl nicht ganz alle Plätze besetzt gewesen seien. «Nicht einmal die älteren Personen unter uns. Das verstehe ich nicht», sagte Nils T.* (45) nach der Veranstaltung zu Blick. 

Auch Sharona M.* (36) konnte über den Einlass nur den Kopf schütteln: «Es leben über 6000 Menschen in Leimbach. Aber nur 250 Personen dürfen informiert werden und Fragen stellen?»

Das Sozialdepartement betont, dass alle interessierten Personen die Informationen nachträglich schriftlich erhalten. Für Sharona M. ist das nicht genug: «Die Stadt ist nicht bemüht, eine grössere Location zu finden oder eine Liveübertragung zu organisieren.»

Zahlreiche Interessierte nahmen am Info-Abend teil.
Foto: Leser-Reporter

Asylsuchende und Studierende

Wie die Verantwortlichen an der Informationsveranstaltung erklärten, sollen im ehemaligen Altersheim maximal 200 Geflüchtete temporär unterkommen. Dabei handle es sich um Leute aus der Ukraine, aus Afghanistan, aus der Türkei und aus Syrien. Zwei Stockwerke des Gebäudes seien für Studierende reserviert.

Als Anwohnerin und Vertreterin der Petition «Gnueg isch Gnueg», Nadine Bdil (47), die Bühne betrat, ertönte tobender Applaus. Vom Publikum im Saal, aber auch von den Zuschauern draussen, die die Veranstaltung durchs Fenster verfolgten.

Fast 5000 Unterschriften

In ihrer zweiminütigen Rede betonte Bdil, dass die Petition insgesamt 4930 Unterschriften zähle. «Wollen Sie kooperativ oder konfrontativ weitermachen? Wir sind für Ersteres», sagte sie an die Adresse des Stadtrats. 

«Solange wir nicht wahr- und ernstgenommen werden, sammeln wir weiter. Wir sammeln Unterschriften und Geld – um uns auch rechtlich wehren zu können», so Bdil.

Kritik wegen Senioren-Rausschmiss

Zusammen mit den Unterschriften übergab sie dem Stadtrat auch drei Briefe: «Diese wurden von drei ehemaligen Bewohnern des Altersheims verfasst, die ihr Zuhause verlassen mussten», so Bdil. 

Der Senioren-Rausschmiss sorgte auch an der Informationsveranstaltung für viel Kritik. Ein Anwohner, der sich zu Wort meldete, bezeichnete diesen als «Verletzung der Menschenwürde». Das Altersheim musste im Sommer 2025 dichtmachen, weil der Betonklotz umgebaut werden soll. Nach dem Umbau sollen Wohnungen für Familien und Senioren entstehen. Kommunizierter Baustart ist aber erst 2030.

«Schnell Lösungen gefunden»

Ein Vertreter des Gesundheitszentrums erklärte, dass die Bewohnerinnen und Bewohner frühzeitig über die Schliessung des Heims informiert worden seien. «Wir waren selber erstaunt, wie schnell die Leute einen neuen Platz gesucht und Lösungen gefunden haben.»

An der Informationsveranstaltung äusserten viele Kritiker auch Bedenken zur Schulqualität, die leiden könnte. Die Vertreterin der Schule Leimbach betonte, dass man dies in einer separaten Veranstaltung genauer anschauen werde.

Befürworter verstehen Frust nicht

Neben mehrheitlich kritischen Stimmen meldeten sich auch einzelne Befürworterinnen zu Wort. «Ich habe heute Abend von vielen Ängsten der Anwohnern gehört. Aber: Wenig Leute hier drin haben wohl die Erfahrung gemacht, wie es ist, wenn man aus seiner eigenen Heimat flüchten muss», sagte eine Frau und schlug vor, dass eine freiwillige Gruppe aus dem Quartier mit den Geflüchteten zusammenarbeiten könnte. Dies stiess beim AOZ auf grosses Interesse.

«Warum kriminalisieren Sie die Asylbevölkerung im Voraus?», fragte eine andere Frau das Publikum. «Diese Leute haben viel gelitten und vieles durchgemacht.» Den Frust unter den Anwohnern verstehe sie nicht: «Wovor haben Sie Angst?» 

Die Petitionsverantwortliche Nadine Bdil antwortete: «Wir haben nichts per se gegen Geflüchtete.» Es mache ihr aber Sorgen, dass die Leute im Asylheim auf sehr kleinem Raum miteinander wohnen. «Ich habe Angst, dass sie dadurch aggressiv oder sexuell frustriert sind.»

Am Ende zeigt sich: Der Info-Abend konnte den kritischen Leimbachern die Ungewissheit nicht nehmen. Viele hatten das Gefühl, dass die Verantwortlichen bloss alles schön geredet hätten.

* Name bekannt

Hier geht es zum Live-Ticker der Info-Veranstaltung

26.02.2026, 21:00 Uhr

Schlusswort vom Stadtrat

SP-Stadtrat Raphael Golta (50) ergreift das Schlusswort: «Besten Dank für die vielen Rückmeldungen. Wir nehmen das sehr ernst.» 

26.02.2026, 20:59 Uhr

Ende in Sicht

Die Fragerunde ist beendet. Über eine Stunde lang konnten die Anwohnerinnen und Anwohner ihrem Frust freien Lauf lassen und die Verantwortlichen mit kritischen Fragen konfrontieren. Die Stimmung war angeheizt, aber gesittet. 

Die meisten Stimmen waren kritisch, doch auch einzelne Befürworterinnen meldeten sich zu Wort. 

Zum Schluss wird nochmals betont, dass alleschriftlichen Unterlagen ab morgen Freitagabend der Allgemeinheit zur Verfügung stehen. 

26.02.2026, 20:47 Uhr

Erste Leute gehen

Währenddem die Fragerunde weiterhin läuft, verlassen einzelne Anwohnerinnen und Anwohner aus den hinteren Reihen den Saal bereits.

Alle anderen sitzen weiterhin gespannt auf ihren Sitzen und verfolgen aufmerksam die Diskussion. 

26.02.2026, 20:43 Uhr

«Keinen Bock, jeden Samstag die Polizei zu rufen»

Eine besorgte Anwohnerin fragt: «Wir haben gehört, dass die Geflüchteten Tagesstrukturen haben. Aber: Was machen diese Leute am Abend? Was machen sie zwischen 20 Uhr und Mitternacht?» Sie äussert Bedenken, dass die Geflüchteten dann jeweils herumhängen würden. 

«Ich wohne vis-a-vis von dieser Unterkunft und habe keinen Bock, jeden Samstag die Polizei zu rufen», so die Leimbacherin. 

Einer der Referenten ergreift das Wort und erzählt von positiven Erfahrungen von anderen solchen Kollektivstruktur in der Stadt Zürich. «Die Menschen werden zusammen kochen und Abendessen. Familien werden gemeinsam Zeit verbringen.» 

Wenn man feststelle, dass eine Person nicht in eine solche Kollektivstruktur passe, würde man Massnahmen ergreifen. 

26.02.2026, 20:38 Uhr

Polizei zur Situation

Jemand im Saal fragt, was die Polizei eigentlich dazu meine. Der anwesende Polizist der Stadtpolizei Zürich sagt: «Wenn die Eröffnung kommt, werden wir ein Auge darauf haben und die Situation mit anderen Behörden zusammen beurteilen.» Er betont: «Wenn sie sich nicht sicher oder bedroht fühlen, dann rufen sie 117 an.»

26.02.2026, 20:34 Uhr

Weitere Befürworterin erhebt die Stimme

«Warum kriminalisieren sie die Asylbevölkerung im Voraus?», fragt eine andere Frau das Publikum. Wenige Befürworter im Saal klatschen. «Diese Leute haben viel gelitten und vieles durchgemacht», fährt sie fort und erklärt, dass sie den Frust unter den Anwohnenden nicht versteht. «Vor was habenn sie Angst?» 

Die Petitions-Verantwortliche Nadine Bdil steht auf und antwortet: «Wir haben nichts per se gegen Geflüchtete.» Es mache ihr aber Sorgen, dass die Leute im Asylheim auf sehr kleinem Raum miteinander wohnen. «Ich habe Angst, dass sie dadurch aggressiv oder sexuell frustriert sind.» Dass sich die Unterkunft mitten in Leimbach befinde, mache die Situation schwieriger. «Ich habe Angst um meine Kinder, meine Töcher, die auf ihrem Heimweg an dieser Unterkunft vorbei müssen. Das ist meine Angst als Mutter.» 

Wieder tobender Applaus – im Saal und auch von draussen. 

26.02.2026, 20:28 Uhr

Befürworterin meldet sich zu Wort

Eine Frau im Publikum sagt: «Ich habe heute Abend von vielen Ängsten der Anwohnenden gehört. Aber: Wenig Leute hier drin haben wohl die Erfahrung gemacht, wie es ist, wenn man aus seiner eigenen Heimat flüchten muss.» Sie schlägt deshalb vor, dass eine freiwillige Gruppe aus dem Quartier mit den Geflüchteten zusammenarbeiten könnte. 

Wie immer, wenn jemand eine Frage stellt, erhält auch sie Applaus aus dem Publikum. Allerdings verhalten. 

Der AOZ-Vertreter sagt: «Wir sind sehr interessiert an solchen Vorschlägen.» Man könne sich mit ihnen in Verbindung setzen. «Solche Kooperationen sind sehr wertvoll – auch im Sinne einer Durchmischung.» 

26.02.2026, 20:25 Uhr

«Verletzung der Menschenwürde»

Ein Anwohner kritisiert den Senioren-Rausschmiss und bezeichnet diesen als «Verletzung der Menschenwürde». Das Altersheim wurde im August 2025 geschlossen. 

Ein Vertreter des Gesundheitszentrums erklärt, dass die Bewohnerinnen und Bewohner frühzeitig über die Schliessung des Heims informiert worden seien. «Wir waren selber erstaunt, wie schnell die Leute einen neuen Platz gesucht und Lösungen gefunden haben.» Er betont: «Alle haben einen Platz gefunden.» 


26.02.2026, 20:16 Uhr

Könnte die Schulqualität leiden?

Viele kritische Stimmen äussern Bedenken zur Schulqualität, die leiden könnte. Die Vertreterin der Schule Leimbach betont, dass man dies in einer separaten Veranstaltung genauer anschauen werde.

Das Publikum applaudiert. 

26.02.2026, 20:07 Uhr

Start der Fragerunde

Jetzt startet der Teil, bei dem alle 250 Anwesenden ihre Fragen stellen dürfen.

Die Petitions-Verantwortliche Nadine Bdil (47) beginnt: «Welche alternative Standorte und Varianten wurden geprüft? Nach welchen Kriterin ist die Lösung Leimbach als geeignet beurteilt worden? Und welche Massnahmen hat die Stadt bereits ergriffen, um weitere Unterkünfte zu bauen?»

Stadtrat Golta betont in seiner Antwort, dass die Ausgangslage aktuell schwierig sei. «Wir haben nicht viele Optionen», so Golta. Das einzige Kriterium sei, dass freie und bewohnbare Räume zur Verfügung stehen. Er betont: «Wir prüfen alle Möglichkeiten.»

Aktuell werde beispielsweise auch geprüft, ob das Kinderspital für eine Zwischennutzung genutzt werden könne. Gleichzeitig überprüfe die Stadt weitere Optionen, die für eine längerfristige Nutzung dienen sollen. 

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