Darum gehts
- Explosion bei Illnau-Effretikon ZH am Mittwochnachmittag, grosse Rauchwolke sichtbar
- Leser berichten von eingedrückten Dächern und zerborstenen Scheiben
- Kantonspolizei Zürich bestätigt Einsatz
Beunruhigende Beobachtungen mehrerer Leserreporter am Mittwochnachmittag in Illnau-Effretikon: Diverse Personen berichteten Blick von einem lauten Knall und einer Explosion im Raum Winterthur. Leserbilder zeigten zudem eine grosse Rauchwolke.
Schnell wird klar: In der Zürcher Oberländer Gemeinde hat sich eine riesige Explosion ereignet. Explosionsort ist die Versuchs- und Sprenganlage Tätsch im Weiler Luckhausen.
«Es gab einen Knall, der sehr weit herum hörbar war. Der Rauch blieb anschliessend in der Luft stehen.» Ein weiterer Leser berichtete aus dem Weiler Luckhausen von «eingedrückten Dächern» und «zerborstenen Scheiben» in seiner Nachbarschaft. Sonja Bregnard (86) rannte entsetzt aus ihrem bebenden Haus, wie sie Blick erzählte. «So eine Explosion habe ich seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr gehört», beschrieb die Seniorin.
Sprengung «im Faktor 100»
Anwohner berichten, dass es bei der Anlage regelmässig Sprengungen gibt. «Die kenne ich schon seit Jahrzehnten, aber eine Sprengung in diesem Ausmass habe ich noch nie erlebt.» Ein Landwirt mutmasst, dass man sich beim Sprengstoff verschätzt hat – «im Faktor 100».
Die Kantonspolizei Zürich erklärte, dass es nach ersten Abklärungen zu einem Unfall bei der ordentlichen Vernichtung von Sprengstoff gekommen ist. Zwei Personen wurden verletzt. Die genauen Hintergründe des Unfalls werden jetzt abgeklärt.
Im untenstehenden Ticker zum Ereignis kannst du den gesamten Ablauf nochmals nachlesen.
Hast du die Explosion miterlebt?
Wurdest du Zeuge der Explosion oder weisst, was den Knall ausgelöst hat? Melde dich über Whatsapp (Tel: 079 813 80 41) oder den Leserreporter-Button in der Blick-App bei uns.
So laut war die Explosion in Illnau zu hören
Einem Blick-Leser ist es gelungen, den Knall der Mega-Explosion in Illnau auf Video einzufangen. Er hatte zu diesem Zeitpunkt eine Kamera in seiner Garage aufgestellt. Der Leser wohnt laut eigener Aussage nur vier oder fünf Kilometer vom Unfallort entfernt.
Waldarbeiter sieht «riesige Feuerfontäne» vor Explosion
Kurt Bieri arbeitet aktuell ganz in der Nähe der Unfallstelle. In einem Waldstück in der Nähe von Illnau ist er mit Holzarbeiten beschäftigt. Schon vor der Explosion am Mittwochnachmittag ist ihm heute auf dem Gelände der Versuchs- und Schulungsanlage für Sprengmittel etwas ungewöhnliches aufgefallen. «Etwa um halb 12 gab es dort eine riesige Feuerfontäne», erzählt der Arbeiter. «Sie war blitzartig wieder weg, aber enorm hoch.»
Kurz nach 1 Uhr schliesslich knallte es auf dem Gelände der Anlage. Zu diesem Zeitpunkt war Bieri allerdings nicht vor Ort. «Als ich wieder hierher kam, herrschte ein reger Betrieb von Polizeileuten und anderen Beamten.»
Angst hatte der Arbeiter allerdings zu keinem Zeitpunkt. «Ich wusste, dass da vorne eine Versuchsanlage steht. Ich dachte, die pröbeln an irgendetwas herum.»
Tätsch sammelt humorvolle Google-Bewertungen
Bislang hatte Tätsch keine Bewertungen auf Google. Jetzt trudeln plötzlich diverse, meist humorvoll gemeinte, Rezensionen ein.
«Anlage hält, was sie verspricht! Tätsch garantiert hörbar!», liest man etwa. Oder: «Der Name ist Programm.» Das ganze Zürcher Oberland sei aufgeweckt worden, heisst es an anderer Stelle.
Ein weiterer Rezensent meint: «Die tätscht sogar bis nach Winti – Kilogramm mit Milligramm verwechselt?» Eine andere Bewertung lautet: «Nicht einmal mehr mein wohlverdienter Mittagsschlaf ist sicher vor der Versuchs- und Schulungsanlage Tääätsch.»
«Sowas gehört verboten»
Blick-Leser Urs Christen aus Winterberg ZH hat die Explosion in Illnau ebenfalls deutlich gespürt. Der Knall hat Spuren an seinem Haus hinterlassen. «Das ganze Bad war danach voll Dreck, der aus der getäfelten Holzdecke herausgedrückt wurde.»
Was Christen allerdings noch mehr beunruhigt, ist, dass er bis jetzt nichts von der Existenz der Versuchs- und Schulungsanlage für Sprengmittel in der Nähe von Illnau wusste. «Für mich ist es grob fahrlässig, eine solche Anlage mitten im dicht besiedelten Raum zu betreiben», schreibt er Blick. «Sowas gehört verboten und verbannt in Randgebiete.»
Christen fahre oft mit dem Velo durch diese Gegend. «Wäre übel gewesen, während der Explosion dort mit dem Velo vorbeizufahren. Radwetter war ja heute.»
Zwei Verletzte, keine Toten
Laut der Kapo Zürich war ein Unfall bei einer ordentlichen Vernichtung von mehreren Hundert Kilogramm Sprengmitteln der Grund für die Explosion. Zwei Personen wurden dabei leicht verletzt. Tote gibt es keine.
Laut Polizeisprecher Florian Frei wollte eine private Firma mehrere Hundert Kilogramm Sprengmittel vernichten. Dabei kam es aufgrund eines Unfalls zu einer unkontrollierten Explosion. Die Sprengmittel, die eigentlich hätten abbrennen sollen, explodierten. Bei den Verletzten handelt es sich um zwei Mitarbeiter der Firma. Nach einer kurzen medizinischen Untersuchung konnten beide wieder entlassen werden.
Erdbebendienst misst Mini-Erschütterung
Die Explosion in Illnau-Effretikon ZH wurde auch vom Erdbebendienst der ETH Zürich registriert. Die um 13.07 Uhr gemessene Magnitude betrug 0,4.
Erstes Bild der Unfallstelle
Blick-Reporter Ralph Donghi befindet sich mittlerweile an der Unfallstelle. Hier knallte es am Mittwochnachmittag. Der Detonationspunkt wurde von den Behörden mit einem Kreuz gekennzeichnet.
Auf dem Areal sind zerstörte Gebäude zu erkennen. Trümmer liegen in der Gegend herum.
Die Polizei ist ebenfalls auf der Anlage präsent.
Schopf oberhalb der Unfallstelle zerstört
In der Nähe der Unfallstelle ist die Zerstörung durch die Explosion besonders deutlich zu erkennen. Ein Schopf oberhalb der Unfallstelle wurde vom Knall stark beschädigt.
Die Wände des Gebäudes sind eingedellt oder liegen kaputt am Boden. Die Zufahrt zum Schopf wurde mit Polizeiband abgesperrt.
Auch ein Haus in der Nähe des Unfallortes wurde stark in Mitleidenschaft gezogen. Das Dach scheint beschädigt zu sein. Scheiben hat es in den Fenstern fast keine mehr.
Laut Beamten vor Ort gibt es keine Toten
Offiziell gibt es von der Kantonspolizei Zürich noch keine neuen Informationen zum Einsatz in Illnau. Vor Ort erfährt Blick-Reporter Ralph Donghi allerdings, dass es keine Toten gibt.
Die Polizei sperrt aktuell die Strasse zum Unfallort. Ab weitere Informationen zur Explosion gäbe es zu einem späteren Zeitpunkt.
«Von der Heftigkeit war das hier Faktor 100»
Landwirt und Stadtrats-Kandidat Simon Binder (31) wohnt mit Ehefrau Roxana (33) und Töchterchen Amera (10 Monate) auch in Luckhausen. Sie leben nur wenige Hundert Meter von der Unfallstelle entfernt. «Wir haben gerade unsere Tochter zum Mittagsschlaf ins Bett bringen wollen, dann ist der Knall passiert», schildert Simon Binder.
«Wir sind es eigentlich hier gewöhnt, bei der Sprenganlage, dass es ab und zu mal knallt. Aber das ist jetzt schon von der Heftigkeit eher Faktor 100 gewesen», beschreibt Binder den lauten Knall. «Ich bin mega erschrocken, richtig emotional geworden», erzählt seine Frau Roxana und blickt dabei auf die kleine Amera. Sofort hätten sie bei der Sprengstofffirma angerufen.
Angst habe die Familie keine mehr, doch im Weiler haben einige Gebäude Schaden abbekommen. Infolge der Infolge der Explosion sind bei ihnen zwei grosse Tore umgekippt. «Jetzt müssen wir schauen, dass wir die Schäden beheben können. Und dann muss es weitergehen. Die Hauptsache ist, dass hier oben niemand verletzt worden ist.»