Darum gehts
- Schussvorfall vor Coop in Thayngen SH, Mann verletzt ins Spital geflogen
- Polizei nahm mutmasslichen Täter fest, laut Behörden keine Gefahr für Bevölkerung
- Opfer mit Beinverletzung, unklar ob Beziehung zwischen Täter und Opfer
In Thayngen SH ist es am Donnerstag vor der Coop-Filiale zu einem Schussvorfall gekommen. Ein Mann wurde dabei angeschossen und schwer verletzt. Die Polizei bestätigte den Vorfall gegenüber Blick.
Am Freitagmorgen schreibt die Polizei, dass eine Drittperson den Vorfall kurz nach 19.30 Uhr gemeldet hatte. Die Polizei konnte einen Tatverdächtigen noch vor Ort festnehmen. Der 48-jährige Türke werde am Freitag von der Staatsanwältin einvernommen.
Das Opfer, ein 46-jähriger Österreicher, wurde mit einem Rettungs-Helikopter ins Spital geflogen. Weitere Personen wurden nicht verletzt.
Täter und Opfer kennen sich
Die mutmassliche Tatwaffe, eine Pistole, konnte sichergestellt werden. Weiter deuten erste Ermittlungen darauf hin, dass sich Opfer und Täter kennen. Der Tatverdächtige,
In Thayngen konnte Blick mit einer Person sprechen, welche den Täter kennt und die Schussabgabe am Donnerstagabend beobachtet hat.
Der Tatverdächtige wohne schon länger in Thayngen, spreche gut Deutsch und sei in der Region gut integriert. Vor dem Zwischenfall habe der 48-Jährige im Restaurant Freihof noch ein Bier getrunken.
«Er wollte es der Polizei nicht noch weiter erschweren»
Bei der Konfrontation habe das Opfer ein Übergewändli getragen. Insgesamt seien sechs oder sieben Schüsse gefallen. Nach der Schussabgabe habe der Täter weiter auf das Opfer eingeredet und dabei geflucht. Die anwesenden Menschen seien teilweise wiederum ins Restaurant Freihof geflüchtet, um Schutz zu suchen.
Bei Eintreffen derr Polizei habe sich der Täter dann ohne Gewalt ergeben. Er habe die Waffe auf den Boden gelegt. «Der Mann wusste genau, was er macht», erklärt der Beobachter. «Er wollte es der Polizei nicht noch weiter erschweren.»
«Offenbar ging es um familiäre Angelegenheiten»
Eine Anwohnerin berichtet gegenüber Blick, dass erst vier Schüsse gefallen seien. «Wir sassen gerade draussen beim Feierabend-Kaffee, als wir zwischen 19 und 19.30 Uhr die Schüsse hörten. Es hat mega gehallt. Wir dachten zuerst, dass irgendwelche Kinder etwas knallen liessen.» Dann habe sie vom Weitem gesehen, wie Menschen vom Coop geduckt weggelaufen seien. Da habe sie schon geahnt, dass etwas nicht stimmt.
«Dann sind wir in die Küche gerannt. Dann sind noch mal etwa zwei Schüsse gefallen. Dann haben mein Partner und ich gesehen, wie der Mann mit der Pistole über dem anderen stand und ihn angeschrien hat. Offenbar ging es um familiäre Angelegenheiten.»
«Ich habe mich gefühlt wie im falschen Film»
Weiter beschreibt die Frau, die anonym bleiben möchte, wie das Opfer am Boden lag und am Bein geblutet habe. «Der Mann hat am Oberschenkel stark geblutet. Während mein Partner die Polizei gerufen hat, bin ich in Panik geraten. Ich habe angefangen zu schreien. Ich sagte ihm, dass es um Leben und Tod geht.»
Da die Frau selbst aus einem medizinischen Beruf kommt, weiss sie, wie gefährlich Verletzungen am Oberschenkel sein können. «Wenn man eine Arterie trifft, kann man schnell daran sterben. Und ich hab gesehen, wie kreidebleich das Opfer wurde. Ich habe mich gefühlt, wie im falschen Film.»
Besonders irritiert war die Anwohnerin, dass so etwas hier passieren kann: «Ich meine, wir leben hier in der Schweiz. Und ich kann einfach nicht verstehen, dass so etwas hier in Thayngen passiert. Wütend macht mich, dass jemand überhaupt mit einer Pistole rumrennen kann.»
«Ich hatte recht Angst»
Vanessa (29) wohnt in der Nähe der Coop-Filiale in Thayngen. Wie immer, war sie an diesem Donnerstagabend auch am Einkaufen, als es plötzlich hektisch wurde: «Ich hatte plötzlich ein ganz komisches Gefühl. Die Menschen waren einerseits ganz ruhig, fingen aber an herumzurennen», beschreibt sie gegenüber Blick.
«Wir sind dann alle ins Lager, um uns zu verstecken», so Vanessa weiter. «Die Coop-Mitarbeiter haben uns dann kurz über den Vorfall informiert. Ich muss zugeben, ich hatte recht Angst. Wir haben die Schüsse gehört, konnten die verletzte Person sehen, wussten aber nicht, ob es sich um eine persönliche Auseinandersetzung handelt oder um einen Amoklauf.»
Nach etwa zehn Minuten dann die Entwarnung. Die Polizei sei da, eine Person festgenommen. «Ich muss sagen, ich habe mich die ganze Zeit recht sicher gefühlt, die Coop-Mitarbeiter haben das ganz gut gemacht. Trotzdem war ich am Ende froh, dass ich irgendwann wieder nach Hause gehen konnte.» Etwas banal findet Vanessa im Nachhinein: «Ich habe dann ganz gewöhnlich noch meinen Einkauf bezahlt.»
Keine Gefahr für Bevölkerung
Gegenüber den «Schaffhauser Nachrichten» sagte Mediensprecherin Bianca Gähwiler am Donnerstag, dass für die Bevölkerung keine Gefahr bestand. Auch war bereits bekannt, dass der mutmassliche Schütze festgenommen wurde.