Debakel um Neukom-Bilder
Zürich zahlt 20'000 Franken für nicht verwendetes Porträt

Ein Porträt in der Zürcher Ahnengalerie ist Ehrensache. Bei Martin Neukom ging die Geschichte prächtig schief. Der Kanton kommt jetzt für das Fiasko auf.
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Vor den Kopf gestossen: Martin Neukom wollte keines der von Hans Witschi gemalten Porträts.
Foto: Stefan Bohrer

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Regierungsrat Neukom lehnt drei Porträtversionen des Künstlers Hans Witschi ab
  • Witschi erhielt dennoch 20'000 CHF aus dem Lotteriefonds für seine Arbeit
  • 61 Porträts hängen in der Galerie, Neukoms Zukunft dort bleibt unklar
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Simone SteinerBundeshausredaktorin

Die Geschichte sorgt für Wirbel: Der Grünen-Regierungsrat Martin Neukom (39) hatte den Künstler Hans Witschi (72) beauftragt, ihn zu porträtieren. Der Maler fertigte drei Versionen an – doch keines davon fand beim Baudirektor Anklang. «Ich fühle mich entstellt», schrieb er dem Künstler. Er wollte keines der Bilder in der Zürcher Ahnengalerie ausstellen lassen, wie Blick publik machte.

Der Künstler Hans Witschi war vor den Kopf gestossen. Er bestand darauf für seine Arbeit entschädigt zu werden, auch wenn keines der Ölgemälde verwendet werden sollte – zumal er mehr geliefert hatte als ursprünglich vereinbart. 

Zunächst war unklar, ob der Kanton Zürich ihm die abgemachte Summe auszahlen würde. Jetzt bestätigt Dominik Bonderer, Sprecher der Baudirektion, auf Anfrage von Blick: Dem Künstler werden die mit der Fachstelle Kultur vereinbarten 20'000 Franken ausbezahlt. «Im Besitz des Kantons wird lediglich ein Bild bleiben», sagt er. Was mit dem Werk geschehen soll, sei noch nicht beschlossen. Auch ob Neukom ein weiteres Porträt in Auftrag geben werde, sei zum jetzigen Zeitpunkt offen. Finanziert wurde das Gemälde aus einem Topf der kantonalen Kulturförderung.

Neukom wählte Künstler selbst aus

Im Kanton Zürich haben alle Regierungspräsidenten sowie Bundesräte Anspruch auf ein Ölporträt im Wert von maximal 20'000 Franken. Den Künstler können sie frei wählen. Neukom entschied sich für Hans Witschi, der in Zürich und New York tätig ist und für seinen expressiven Stil bekannt ist. Bisweilen wird er auch als «Künstler des Hässlichen» bezeichnet. Gegenüber Blick sagt Witschi, der Regierungsrat habe sich ein «rassiges» Porträt gewünscht – «irgendwie mal etwas anderes».

Doch bereits die ersten beiden Versionen stiessen beim Regierungsrat auf Ablehnung. Als Neukom und seine Gefolgschaft die Bilder sahen, herrschte betretene Stille. «Ich sehe meinen Grossvater, bevor er starb», sagte eine anwesende Person. Eine andere meinte: «So kennen wir Martin nicht.» Witschi verspürte Spott statt Anerkennung. Er habe sich gefühlt wie in der Sendung «Verstehen Sie Spass?».

Trotz allem einigten sich die Parteien auf einen dritten Versuch. Diesmal versuchte der Künstler, mehr «Jugendhaftigkeit» ins Bild zu bringen. Nach der Fertigstellung hörte er zunächst zwei Wochen lang nichts von seinen Auftraggebern. Erst über seinen Galeristen erfuhr er, dass der Baudirektor keines der Werke behalten wolle. Später meldete sich der Regierungsrat selbst und erklärte: «Ich habe mir drei Adjektive notiert: jung, modern, frisch. Wenn ich das Porträt anschaue, ist es das Gegenteil davon: Hilflosigkeit und Verzweiflung.»

In der Ahnengalerie im Walcheturm hängen Porträts von 61 Personen – darunter Christoph Blocher und Moritz Leuenberger, Hedi Lang und Elisabeth Kopp. Ob Neukom je dazugehören wird, ist abzuwarten. Der Kanton müsste nochmals den Geldbeutel zücken.

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