Darum gehts
- Bundesräte verschicken Weihnachtskarten mit persönlichen Motiven und Botschaften
- Themen sind Zuversicht, Dialog und Verbundenheit
- Neuling Martin Pfister verschickt erstmals bundesrätliche Weihnachtskarte
Bei den Bundesräten und Bundesrätinnen geht die Post ab. Die Weihnachtspost! In diesen Tagen verschicken die sieben Regierungsmitglieder ihre Festtagsgrüsse und Neujahrswünsche. Geprägt von Zuversicht, Dialog und Verbundenheit. Blick zeigt die Sujets.
Keller-Sutter wagt Gratwanderung
Als diesjährige Bundespräsidentin hat FDP-Finanzministerin Karin Keller-Sutter (61) ein anstrengendes Amtsjahr hinter sich. Neben der anhaltenden Spardebatte hielt sie auch der Zollstreit mit US-Präsident Donald Trump (79) oder der CS/UBS-Knatsch auf Trab.
Im Kontrast zum stressigen Präsidialjahr wirkt ihre Karte mit dem grafisch umgesetzten Säntis entspannt. «Der Säntis bedeutet für mich als Ostschweizerin Heimat», lässt sie sich zitieren. «Der Berg steht für Beständigkeit und strahlt eine geradezu mystische Kraft aus: Ruhe und Zuversicht für das Jahr 2026.»
Der Bergzug lässt sich für politische Beobachter aber auch anders deuten: Für Keller-Sutter war das aktuelle Jahr eine ständige Gratwanderung.
Parmelin treibt es bunt
203 Stimmen hat SVP-Wirtschaftsminister Guy Parmelin (66) bei der Wahl zum Bundespräsidenten für das kommende Jahr eingeheimst. Ein Glanzresultat – ja, das beste Wahlergebnis seit 25 Jahren.
«Nicht der Himmel setzt uns Grenzen, sondern unser Geist», ziert nun als passender Spruch seine Festtagskarte. Ein Zitat, welches der Schauspielerin Marilyn Monroe (1926–1962) zugeschrieben wird.
Beim Sujet treibt es Parmelin bunt: Ein farbiger Regenbogen, den er am 1. August abends in Klosters GR fotografiert hat – höchstpersönlich. «Für mich ist der Regenbogen seit jeher ein starkes Symbol, welches in und nach stürmischen Zeiten eine Zuversicht ausstrahlt», kommentiert Parmelin sein Bild gegenüber Blick.
Baume-Schneider stopft Löcher
Das Bild erinnert auf den ersten Blick an einen löchrigen Emmentaler-Käse. Doch gemach, auch wenn es bei den AHV-Finanzen und Gesundheitskosten Löcher zu stopfen gilt, hat sich SP-Innenministerin Elisabeth Baume-Schneider (62) aus ganz anderen Gründen für das Sujet entschieden.
«Es überzeugte mit seiner starken Formen- und Farbsprache: Die Gelbtöne stehen für Wärme und Zuversicht, die Kreise für Begegnung und Verbundenheit», kommentiert ihr Departement das Bild. Gefertigt hat der Künstler die Karten übrigens auf einer Druckmaschine aus den 1960er-Jahren an – «ein Sinnbild für den bereichernden Austausch zwischen Tradition und Moderne».
Cassis springt auf die Weltbühne
Weht FDP-Aussenminister Ignazio Cassis (64) im Kampf um die EU-Verträge derzeit die EU-Fahne um die Ohren, inszeniert er auf seiner Weihnachtskarte das Schweizerkreuz.
Die Karte ist so gestaltet, dass aus dem glitzernden Kreuz auf der Vorderseite eine Weltkugel im inneren Teil wird. «Vom Herzen der Schweiz in die Welt: Der Dialog bringt uns näher und führt uns weiter», heisst es dazu. Dieser Text wurde von Cassis ausgewählt und im Innenteil in 13 Sprachen abgedruckt.
Das Sujet passt zur grossen Aufgabe des Aussenministers im kommenden Jahr. Cassis übernimmt für ein Jahr den Vorsitz der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE), in welcher 57 Staaten vereinigt sind.
Rösti wackelt durch den Schnee
Verschneite Landschaften samt beleuchtetem Tannenbaum. Bei SVP-Bundesrat Albert Rösti (58) weihnachtet es besonders romantisch. Ob er als Klima-Minister die letzten weissen Weihnachten grafisch festhalten will? Wie auch immer. Die Karte kommt jedenfalls als Lentikularkarte daher – als Wackelbild. Je nach Blickwinkel erscheint eine andere Szenerie. Mal mit Strommast, Schiene oder Sendeturm, mal ohne.
Die Karte lade dazu ein, die Aufgaben des Departements – Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation – aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten, heisst es dazu. «Je nach Blickwinkel auf das Uvek stehen in der Politik und in unserem Alltag unterschiedliche Themen im Vordergrund. Unsere diesjährige Weihnachtskarte zeigt, wie wichtig jedes einzelne Element davon ist und wie sie zusammen unser Leben prägen», kommentiert Rösti seine Sujetwahl. «Dabei gilt es, die richtige Balance zwischen Schutz und Nutzen zu finden.»
Jans hofft auf Begeisterung
«Zämme goots besser!», lautet das Motto von SP-Justizminister Beat Jans (61). Wie letztes Jahr ziert es auch diesmal seine Weihnachtskarte. Für die Illustration seines Leitsatzes hat er sich diesmal für ein Foto der Frauen-Fussballnationalmannschaft entschieden.
Die «Nati» habe sich an der EM im eigenen Land in die Herzen der Fussballfans gespielt und eine grosse Euphorie ausgelöst, schreibt sein Departement dazu. «Diese Begeisterung für eine grossartige Teamleistung will Bundesrat Jans auf seiner Weihnachtskarte aufleben lassen.»
Vielleicht lässt sich Jans ja inspirieren. Ob es ihm gelingt, beim Stimmvolk ebensolche Begeisterungsstürme auszulösen, wenn es in den Kampf gegen die 10-Millionen-Initiative der SVP geht?
Pfister geht in die Luft
Er ist der Neuling in der Landesregierung und darf zum ersten Mal seine eigene bundesrätliche Weihnachtskarte verschicken: Mitte-Verteidigungsminister Martin Pfister (62).
Während seine F/A-35-Flotte nicht richtig abheben mag, geht Pfister wenigstens bei seiner Sujetwahl in die Luft. Er hat sich für die Luftbildaufnahme der verschneiten Stadt Rotkreuz in seinem Heimatkanton Zug entschieden.
«Das Bild verbindet Modernes und Traditionelles und zeigt eindrücklich, wie nahe in der Schweiz Natur, Infrastruktur und Wirtschaft auf kleinem Raum beieinanderliegen», schreibt das Departement dazu. Das Bild der Stadt Rotkreuz stehe dabei sinnbildlich für die ganze Schweiz.