Die Erwartungen an das Treffen waren gross. Schon um neun Uhr morgens standen erste Journalisten und Journalistinnen vor dem Bundesamt für Justiz (BJ) in Bern – sie waren extra aus Italien angereist.
Schliesslich ging es um viel: Am Donnerstag haben sich hier Beatrice Pilloud, Generalstaatsanwältin aus dem Wallis, und der oberste römische Ankläger, Ex-Mafiajäger Francesco Lo Voi, getroffen. Ziel der Sitzung war es, die Details der Zusammenarbeit bei den Ermittlungen zu Crans-Montana zu klären. Italien hatte seine Forderungen im Voraus deutlich gemacht: Es brauche ein gemeinsames Ermittlungsteam. Diese Bedingung hat Ministerpräsidentin Giorgia Meloni (49) für die Rückkehr des italienischen Botschafters gestellt, den sie zuvor aus der Schweiz abgezogen hatte.
«Mein tiefstes Beileid»
Für 16 Uhr wurde kurzfristig eine Medienkonferenz angesetzt – danach blieben allerdings fast mehr offene Fragen als zuvor. Die Schweiz und Italien wollen bei der Untersuchung der Brandkatastrophe von Crans-Montana «am gleichen Strick ziehen», lautet die Devise. Die Zusammenarbeit solle «verstärkt» werden, wurde an der Medienkonferenz ausgeführt. Dies erlaube, dass die ausländischen Ermittler ab sofort in regelmässigen Abständen bei den Rechtshilfehandlungen im jeweils anderen Staat anwesend sein dürfen.
Auch von italienischer Seite blieben die Informationen dürftig. Lo Voi drückte sein «tiefstes Beileid» zur Tragödie aus. Er dankte den Schweizer Behörden, dass sie das Treffen als ersten Schritt zur Umsetzung des Rechtshilfeersuchens organisiert hatten.
Keine Fragen an die Staatsanwälte
Was bedeutet dies konkret? Für Fragen standen die beiden Chefermittler nach dem Pressetermin nicht mehr zur Verfügung. Stattdessen gab Ingrid Ryser, Medienchefin des BJ, kurz Auskunft. Genaueres müsse erst noch beschlossen werden, sagte sie. «Die Staatsanwaltschaften werden in den nächsten Tagen zusammen sprechen und die genauen Details der Zusammenarbeit klären.» Auch zur Frage nach einem gemeinsamen Ermittlungsteam gab es nur eine ausweichende Antwort. Fürs Erste habe man sich nun auf eine verstärkte Kooperation geeinigt.
Zentrale Fragen bleiben also offen. Vieles wird davon abhängen, wie Politik und Justiz in Italien auf die Gespräche reagieren. Ob etwa der italienische Botschafter nun zurück in die Schweiz kommt? «Das entscheidet Italien», so Ryser. Aus Rom gab es dazu bis jetzt keine Reaktion. Auf Blick-Anfrage schreibt der Botschafter, diese Entscheidung werden die Premierministerin und der Aussenminister fällen.