Darum gehts
- Aargau schränkt Einsatz von Blitzer-Anlagen nach Volksabstimmung mit 55,5 % Ja ein
- Baselbieter lehnen 52,9 % Nein-Anteil bei Prämienabzug-Initiative ab
- Genfer Mindestlohn für Ferienjobs um 25 % auf 18,44 CHF gesenkt
In mehreren Kantonen hat die Stimmbevölkerung am Sonntag über Sachvorlagen entschieden oder Gremien neu bestellt. Der Überblick:
Aargau: Blitzer werden eingeschränkt
Als schweizweiter Sonderfall schränkt der Kanton Aargau künftig den Einsatz von Blitzer-Anlagen ein. Die Stimmberechtigten befürworteten die Volksinitiative «Blitzerabzocke stoppen» mit einem Ja-Stimmen-Anteil von 55,5 Prozent. Die von der Jungen FDP lancierte Initiative verankert im Polizeigesetz neu eine kantonale Bewilligungspflicht für stationäre Geschwindigkeits- und Rotlicht-Überwachungsanlagen. Semistationäre Anlagen werden zeitlich beschränkt. Dagegen verwarfen die Stimmberechtigten die Volksinitiative «Arbeit muss sich lohnen» - und zwar mit einem Nein-Stimmen-Anteil von 55,2 Prozent. Die Junge SVP wollte damit erreichen, dass den Sozialhilfebeziehenden der Grundbedarf nach zwei Jahren um mindestens fünf Prozent gekürzt wird.
Appenzell Ausserrhoden: SVP verteidigt Nationalratssitz
Die SVP kann ihren Nationalratssitz in Appenzell Ausserrhoden verteidigen. Edgar Bischof wird auf den zurückgetretenen David Zuberbühler folgen. Der 58-jährige Unternehmer aus Teufen AR war 16 Jahre lang im Kantonsrat und stand zwischen 2007 und 2015 der kantonalen SVP vor. Er hat FDP-Kandidatin Jennifer Abderhalden besiegt. Bischof erhielt 8856 Stimmen, Abderhalden 8285.
Der Abstimmungssonntag war ein Krimi. Mal lag Abderhalden vorn, mal Bischof. Eine Wahl war nötig, weil Zuberbühler zurücktrat. Ausserrhoden hat nur einen Sitz.
Basel-Landschaft: Tempo-30-Initiative abgelehnt
Gegen die «Prämienabzug für alle»-Initiative stimmten 50'099 Personen und dafür 44'663, wie die Landeskanzlei am Sonntagabend mitteilte. Das entspricht einem Nein-Anteil von 52,9 Prozent und einem Ja-Anteil von 47,1 Prozent. Die Abzugspauschalen bleiben unverändert bei 2000 Franken für Einzelpersonen und bei 4000 Franken für Ehepaare. Die Regierung hatte deren Anhebung und weitere Abzüge als Gegenvorschlag präsentiert, der jedoch mit 54'925 zu 36'738 Stimmen respektive 59,9 zu 40,1 Prozent deutlich abgelehnt wurde.
Baselbieter Gemeinden können zudem auch künftig ohne Befragung der Bevölkerung abweichende Höchstgeschwindigkeiten beim Kanton beantragen. Eine Initiative, die das ändern wollte, scheiterte mit mit 61,5 Prozent Nein-Stimmen-Anteil, ein Gegenvorschlag mit 55,1 Prozent Nein-Stimmen. Es ging primär um Temporeduktionen auf 30 Kilometer pro Stunde. Deutlich abgelehnt wurden zudem eine Solarpflicht für Neubauten und gewisse bestehende Gebäude und neue Kompetenzen für das Kantonsgericht. Schliesslich wird die Kreislaufwirtschaft in der Baselbieter Verfassung festgeschrieben.
Genf: Mindestlohn wird für Ferienjobs gesenkt
Der Genfer Mindestlohn wird für Ferienjobs um ein Viertel gesenkt. Eine entsprechende Gesetzesänderung wurde mit 60,6 Prozent angenommen. Nach dem Ja gibt es künftig eine Ausnahme vom gesetzlichen Mindestlohn. Die minimale Vergütung für Studierende während der Semesterferien wird um 25 Prozent auf 18,44 Franken pro Stunde gekürzt. Nach Ansicht der Regierung und der Bürgerlichen hatte das Inkrafttreten des Mindestlohns in Genf im November 2020 dazu geführt, dass Sommerjobs ab 2021 rar geworden sind. Sie stützten sich dabei auf eine Umfrage des Genfer Arbeitgeberverbands.
Luzern: Feriengebiet kann ausgebaut werden
Die Strasse in das Luzerner Feriengebiet Flühli-Sörenberg kann auf einem zweiten Abschnitt in der Lammschlucht ausgebaut werden. Die Stimmberechtigten des Kantons Luzern haben 37,9 Millionen Franken genehmigt. Der Kredit war wie erwartet unbestritten und wurde mit einem Ja-Stimmen-Anteil von 82,8 Prozent gutgeheissen. Die Bauarbeiten sollen im Oktober starten und bis zu fünf Jahre dauern.
Schaffhausen: Stärkere Finanzierung für ÖV
Der Kanton Schaffhausen beteiligt sich stärker an der Finanzierung des öffentlichen Verkehrs im Kanton. Die Stimmberechtigten haben einer entsprechenden Vorlage deutlich zugestimmt. Profitieren werden in erster Linie die Stadt Schaffhausen und die Gemeinde Neuhausen. Die Vorlage wurde mit 65,6 Prozent Ja-Stimmen angenommen. Der Kanton Schaffhausen bezahlt somit künftig höhere Beiträge an den Ortsverkehr in der Stadt Schaffhausen und in Neuhausen. Auch für den Regionalverkehr in den Landgemeinden erhöht der Kanton seine Abgeltung leicht.
Solothurn: Neuer Polizeizentrale in Oensingen
Im Kanton Solothurn wird die monatliche Familienzulage leicht erhöht. Die Stimmberechtigten haben den entsprechenden Beschluss des Parlaments klar bestätigt. Sie stimmten der Erhöhung der Familienzulagen mit einem Ja-Stimmen-Anteil von 59,1 Prozent zu. Die Kinderzulage bis zum vollendeten 16. Altersjahr steigt damit um 15 Franken auf 230 Franken pro Monat. Die Ausbildungszulage wird um 12 Franken auf 280 Franken erhöht. Die Mehrkosten betragen 8 Millionen Franken pro Jahr. Der Kanton kann zudem den geplanten Stützpunkt für die Kantonspolizei in Oensingen bauen. Das Stimmvolk bewilligte den entsprechenden Kredit von 84,5 Millionen Franken mit einem Ja-Stimmen-Anteil von knapp 61 Prozent. Dagegen will das Volk die Kantonsfinanzen nicht auf Kosten der Gemeinden entlasten. Es lehnte zwei entsprechende Änderungen im Sozialhilfegesetz ab.
St. Gallen: Wil West wird verkauft
Der Kanton St. Gallen kann das Entwicklungsgebiet Wil West dem Nachbarn Thurgau verkaufen. Die entsprechende Vorlage wurde mit einem Ja-Stimmen-Anteil von 54,7 Prozent angenommen. Die Stimmberechtigten sagten auch Ja zu einem zusätzlichen Autobahnanschluss in der Region Rorschach und zu einem Neubau für ein Weiterbildungszentrum in Rapperswil-Jona. Den Autobahnanschluss plus Zubringerstrasse bewilligten die Stimmberechtigten mit einem Ja-Stimmen-Anteil von 54 Prozent. Der Entscheid für den Neubau des Berufs- und Weiterbildungszentrums in Rapperswil-Jona fiel mit einem Ja-Anteil von 80,1 Prozent.
Tessin: Keine strengeren Kontrollen im Arbeitsmarkt
Das Tessin will keine strengeren Kontrollen des Arbeitsmarktes: Die Stimmberechtigten haben eine Volksinitiative gegen Lohndumping abgelehnt. 56,2 Prozent stimmten gegen die Volksinitiative «Rispetto per i diritti di chi lavora - Combattiamo il dumping salariale e sociale» - «Respekt für die Rechte der Arbeitnehmenden - Bekämpfen wir Lohn- und Sozialdumping». Lanciert worden war die Initiative von der Partei «Movimento per il socialismo» (MPS). Sie hätte unter anderem mehr Arbeitsinspektoren für Kontrollen auf dem Arbeitsmarkt gebracht. Die Gegner der Vorlage warnten im Vorfeld der Abstimmung vor Mehrkosten für den Kanton.
Waadt: Nordmann muss in die zweite Runde
Im Kanton Waadt kommt es zu einem zweiten Wahlgang um den Sitz der abtretenden Rebecca Ruiz. Der ehemalige SP-Fraktionschef Roger Nordmann ist aber nur auf dem zweiten Platz gelandet, hauchdünn hinter dem SVP-Kandidaten Jean-Francois Thuillard. Thuillard machte rund 2000 Stimmen mehr als Nordmann.
Im zweiten Wahlgang sind Nordmanns Chancen aber intakt: Der Abstand beträgt nur etwas weniger als einen Prozentpunkt. Das Schlusslicht, Raboud Sidorenko vom Ensemble à gauche, wird nicht mehr antreten. Gehen ihre Stimmen an Nordmann, stehen die Chancen für eine Wahl gut. Der zweite Wahlgang findet am 29. März statt.
Uri: Kein goldiger Fallschirm mehr
Nicht mehr wiedergewählte Urner Regierungsratsmitglieder erhalten künftig keine Abgangsentschädigung mehr. Das Urner Stimmvolk hat eine Volksinitiative der Jungen SVP gutgeheissen. Das Begehren wurde mit einem Ja-Stimmen-Anteil von 66,6 Prozent angenommen.
Basel Land lehnt Tempo-30-Initiative ab
Die Tempo-30-Initiative fällt im Kanton Basel Land durch. Sowohl die Initiative (61,5 Prozent) als auch der Gegenvorschlag (55,15 Prozent) fallen durch. Die Initiative hatte verlangt, dass Gemeinden nur dann Tempo 30 machen dürfen, wenn auch das Stimmvolk Ja gesagt hat. Hinter der Initiative standen bürgerliche Parteien und der TCS.
Auch eine SVP-Initiative, die die einen vollumfänglichen Abzug der Krankenkassenprämien bei der Steuererklärung forderte, fand keine Mehrheit.
Nordmann muss in den zweiten Wahlgang
Im Kanton Waadt kommt es zu einem zweiten Wahlgang um den Sitz der abtretenden Rebecca Ruiz. Der ehemalige SP-Fraktionschef Roger Nordmann ist aber nur auf dem zweiten Platz gelandet, hauchdünn hinter dem SVP-Kandidaten Jean-Francois Thuillard. Thuillard machte rund 2000 Stimmen mehr als Nordmann.
Im zweiten Wahlgang sind Nordmanns Chancen aber intakt: Der Abstand beträgt nur etwas weniger als einen Prozentpunkt. Raboud Sidorenko vom Ensemble à gauche wird nicht mehr antreten. Gehen ihre Stimmen an Nordmann, stehen die Chancen für eine Wahl gut. Der zweite Wahlgang findet am 29. März statt.
SVP siegt auch in Nidwalden
Nicht nur im Obwaldner Kantonsrat ist die SVP heute stärkste Kraft geworden. Das gelingt ihr auch im Nidwaldner Landrat. Die Volkspartei hat neu 17 Sitze, zwei mehr als bisher. Sie löst damit die FDP als stärkste Kraft ab. Diese verliert einen Sitze und hat neu noch 15. Die Mitte kann ihre 15 Sitze halten.
Verluste machen auch die Grünen. Sie haben neu noch fünf Sitze (bisher: 7). Die GLP kann ihre fünf Sitze halten. Dafür gewinnt die SP einen Sitz (neu: 3).
Bürgerliches Lager erobert in der Stadt Freiburg einen zweiten Sitz
Von Keystone-SDA
Die bürgerlichen Parteien haben bei den Freiburger Wahlen vom Sonntag einen zweiten Sitz zurückerobert. Simon Murith und Isabelle Sob (beide Mitte) wurden neu in die Exekutive der Kantonshauptstadt gewählt, die weiterhin links geprägt bleibt.
Simon Murith lag mit 3919 Stimmen an der Spitze, gefolgt vom Bisherigen Elias Moussa (SP, 3838), Isabelle Sob (3631), Marine Jordan (SP, 3415) und der Grünen Mirjam Ballmer (2722). Pierre-Olivier Nobs (Mitte-Links-Partei), seit zehn Jahren Gemeinderat, verpasste die Wiederwahl mit 2043 Stimmen.
Die bürgerlichen Parteien, die sich dieses Jahr zusammengeschlossen hatten, haben somit ihr Ziel erreicht, das Kräfteverhältnis in der Stadtregierung auszugleichen. Sie gewinnen den Sitz zurück, den die FDP vor fünf Jahren verloren hat. Seither waren vier der fünf Sitze in linker Hand.
Der bisherige Stadtpräsident Thierry Steiert (SP) und Laurent Dietrich (Mitte) kandidierten nicht erneut. Das Amt des Stadtpräsidenten dürfte an den 41-jährigen Elias Moussa gehen, der seit Juli 2023 in der Stadtregierung sitzt.
Nordmann in der Waadt hinten
Nach dem ersten Wahlgang sieht es für den ehemaligen SP-Fraktionschef Roger Nordmann nicht besonders gut aus mit seiner Kandidatur für den Waadtländer Regierungsrat. Nachdem ein grosser Teil der Gemeinden ausgezählt sind, liegt Nordmann nur auf Platz zwei, hinter SVP-Mann Jean-Francois Thuillard. Dieser kommt auf 47,49 Prozent, Nordmann nur auf 42,91 Prozent. Schlusslicht ist Agathe Raboud Sidorenko vom linken Ensemble à Gauche.
Der Hintergrund: SP-Staatsrätin Rebecca Ruiz tritt zurück. Der Waadtländer Staatsrat besteht heute aus 2 SP-Vertretern, einem Grünen, 3 FDP-Vertretern und einer Mitte-Staatsrätin. Mit einem Sitzgewinn für die SVP könnten die Bürgerlichen ihre Mehrheit nochmals deutlich stärken.
Noch fehlen die Ergebnisse aus Lausanne, die traditionell links wählen. Doch es scheint, als würde es einen zweiten Wahlgang geben. Zieht sich die Sidorenko zurück, steigen Nordmanns Chancen.
Insgesamt sind 82 Prozent ausgezählt.
Genfer Stimmvolk heisst Senkung des Mindestlohns für Ferienjobs gut
Der Genfer Mindestlohn wird für Ferienjobs um ein Viertel gesenkt. Die Gesetzesänderung ist am Sonntag mit 60,6 Prozent angenommen worden.
Nach dem Ja gibt es künftig eine Ausnahme vom gesetzlichen Mindestlohn. Die minimale Vergütung für Studierende während der Semesterferien wird um 25 Prozent auf 18,44 Franken pro Stunde gekürzt. (SDA)
Mitte muss Federn lassen - SVP wird stärkste Kraft in Obwalden
Grosser Sieg für die SVP: Die Volkspartei gewinnt im Obwaldner Kantonsrat fünf Sitze und löst die Mitte als stärkste Kraft ab. Die SVP hat neu 18 Sitze (bisher 13). Die Mitte hat neu noch 15 Sitze, (bisher: 19). Die FDP verliert einen Sitz und hat noch 10. Die GLP gewinnt einen Sitz und hat neu 3.
Einen kleinen Sieg verbuchen kann die CSP. Sie hat neu 5 Sitze (bisher 4). Die SP verliert zwei Sitze und hat neu noch 4.
Bei den Regierungsratswahlen allerdings blieb die SVP nicht Siegerin: Sie konnte ihren Sitz nicht verteidigen. Die FDP kehrte dafür in den Regierungsrat zurück.
Tessiner Stimmvolk lehnt Volksinitiative gegen Lohndumping ab
Das Tessin will keine strengeren Kontrollen des Arbeitsmarktes: Die Stimmberechtigten haben am Sonntag eine Volksinitiative gegen Lohndumping abgelehnt. Die Gegner der Vorlage warnten im Vorfeld der Abstimmung vor Mehrkosten für den Kanton. Der Nein-Anteil betrug 56,2 Prozent. (SDA)
Berner Freibad Lorraine wird für 22 Millionen saniert
Das Freibad Lorraine in der Stadt Bern kann ab Herbst 2027 saniert werden. Die Stimmberechtigten haben dem Baukredit in der Höhe von 22,3 Millionen Franken mit grosser Mehrheit zugestimmt, nämlich mit 83,1 Prozent.
Uri schafft goldene Fallschirme ab
Der Kanton Uri schafft die goldenen Fallschirme für die Regierungsräte ab. Wird ein amtierendes Exekutivmitglied abgewählt, erhielt es bis anhin sechs Monatslöhne. Dagegen hat die Junge SVP eine Initiative gestartet. Sie wurde nun mit 66,58 Prozent angenommen.
Auch das neue Energiegesetz wurde angenommen – und zwar mit über 75 Prozent.