Dieses Duell am Stufenbarren endet schmerzhaft
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Mattli fordert Bickel 2024:Dieses Duell am Stufenbarren endet schmerzhaft

«Habe Teilnahme unterschätzt»
So lebt «Let's Dance»-Schweizer Joel Mattli in Köln

Hindernisse waren gestern, jetzt zählt Taktgefühl: Der Zürcher Parcours-Sportler Joel Mattli mischt «Let’s Dance» auf – und versetzt Jury und Publikum gleichermassen in Ekstase.
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Während der Dreharbeiten zu «Let’s Dance» lebt der Schweizer «Ninja Warrior»-Athlet Joel Mattli in Köln.
Foto: Jann Höfer

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Joel Mattli, bekannt aus «Ninja Warrior», tanzt jetzt bei «Let’s Dance»
  • Er trainiert täglich acht Stunden und kämpft mit körperlicher Anpassung
  • In der letzten Show 30 Punkte erzielt, darunter zehn von Llambi
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Toni Rajic
Schweizer Illustrierte

Über die Treppe kommst du auch nach oben – und das ziemlich einfach», schnauzt ein Passant in deutscher Manier. Joel Mattli denkt gar nicht daran, den einfachen Weg zu wählen. Mit spielerischer Leichtigkeit erklimmt er eine steile Wand an der Kölner Rheinpromenade. Unter ihm glitzert der Fluss, im Hintergrund ragen der Dom und die Hohenzollernbrücke in den Himmel. Herausforderungen? Der 31-Jährige lacht verlegen. Genau sein Ding!

Artikel aus der «Schweizer Illustrierten»

Dieser Artikel wurde erstmals in der «Schweizer Illustrierten» publiziert. Weitere spannende Artikel findest du auf www.schweizer-illustrierte.ch.

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Dass der «Ninja Warrior»-Star und Rekordhalter überhaupt in «Kölle» weilt, hat diesmal nichts mit der beliebten TV-Parcours-Show zu tun, sondern mit Glamour, Rhythmus und Musik. Seit bald zwei Monaten lebt er in der Karnevalshochburg, weil er als Kandidat bei «Let’s Dance» antritt. «Die Sonne habe ich bisher noch nicht so oft gesehen», sagt er und blickt ihr genüsslich entgegen. «Den grössten Teil meiner Zeit verbringe ich im Moment entweder im Fitness-, Tanz- oder Fernsehstudio. Die Natur fehlt mir dabei schon sehr. Ich muss gestehen, dass ich das Ganze etwas unterschätzt habe.»

Harte Tage, kurze Nächte

Der Alltag des gebürtigen Dällikers gleicht einem Dauerlauf. Acht Stunden Training pro Tag. Selbst am Samstag, seinem einzigen Ruhetag, geht er joggen. «Das mache ich aber, um den Kopf zu lüften», erklärt er. Dass er sich freiwillig in dieses intensive Abenteuer gestürzt hat, überrascht ihn im Nachhinein selbst ein wenig. «Als ich die Anfrage bekam, war sofort klar, dass ich mitmachen muss. Ich bin ein Typ, der gerne lernt – und hier nehme ich etwas fürs Leben mit», erzählt er. «Erst nach meiner Zusage wurde mir bewusst, dass ich mich vor einem Millionenpublikum komplett blamieren könnte. Ich habe vorher noch nie getanzt!»

Von Misserfolg aber keine Spur. Ganz im Gegenteil: In kürzester Zeit mausert sich der HSG-Absolvent, der seinen Lebensunterhalt mit TV-Auftritten, Werbekooperationen und Vorträgen verdient, zum Publikumsliebling und Favoriten der diesjährigen Staffel. Seine Leistung wird in der vierten Sendung mit 30 Punkten goutiert. Mehr geht nicht. «Vor allem die zehn Punkte von Joachim Llambi infolge bedeuten mir viel. Er gilt als der Kritischste.»

An seiner Seite arbeitet Malika Dzumaev, eine der erfahrensten Profitänzerinnen der Show. Seit ihrer Kindheit steht die 35-jährige Deutsch-Russin auf dem Parkett, kennt den Druck, die Dynamik, die Mechanismen. Und sie weiss, wie man einen wie Mattli formt. «Tak, tak, taka, taka, tak – und laufen, laufen, laufen. Genau so, bravo!», ruft sie im Studio, während er sich Schritt für Schritt durch die Jive-Choreografie kämpft. Präzise, fordernd, unerbittlich – und gleichzeitig motivierend. «Ich lege grossen Wert auf Technik und Haltung», sagt sie und schaut mit tadelndem Blick zu ihrem Tanzpartner. Spitzbübisch entgegnet Mattli: «Malikas streng-süsse Art ist super. Nur wenn sie mir Pausen verwehrt, ärgert es mich etwas.»

Schmerz und Freude

Glücklicherweise hält sich der Unmut in Grenzen. Das grössere Problem ist die Belastung: «Diese Teilnahme habe ich unterschätzt», gibt Mattli zu. Sein Körper, sonst auf explosive Kraft und schnelle Bewegungen ausgelegt, muss sich neu formatieren. «Beim Standardtanz entwickelte ich wegen der ungewohnten Haltung eine leichte Entzündung im rechten Unterarm, die mittlerweile wieder weg ist. Auch meine Füsse leiden etwas. So ist mein kleiner Zehennagel komplett blau», verrät er. Hinzu kommt der mentale Druck: «Man kann sich kaum vorstellen, was Tanzen für eine geistige Herausforderung ist. Neue Schritte, Bewegungen und Choreos fordern mich extrem.» Und doch: Trotz der Härte überwiegt die Begeisterung. «Es macht unglaublich Spass. Tanzen hat sich jetzt schon zu einer Passion entwickelt», sagt der Zürcher begeistert. Besonders Latin-Tänze haben es ihm angetan: «Sie sind schnell und energetisch. Das passt zu mir und meiner Person. Dabei kann ich mich entfalten und ausleben.»

Sein Körper im Wandel

Der Parcours-Athlet, der es gewohnt ist, sich im Alleingang hastig durch Hindernisse zu bewegen, muss im Training plötzlich die Weitsicht abgeben, um das Hier zu spüren. «Joel musste zu Beginn vor allem verstehen, dass der Boden sein Freund ist», erklärt Dzumaev. «Und er hat nach wie vor etwas Mühe damit, die Kontrolle abzugeben.» – «Und doch bist du sehr zufrieden mit mir», entgegnet ihr Schüler. Es folgt ein kritisches Nicken, ehe beide losprusten.

Dass sie sich blendend verstehen, ist spürbar – auch für die Fans der Tanzsendung. Im Netz kursieren längst Liebesgerüchte. «Ich habe kürzlich einen Insta-Kommentar bei Malika hinterlassen», erzählt Mattli. «Kurz darauf folgte die Schlagzeile: ‹Joel kann seine Gefühle nicht mehr zurückhalten›. Sogar meine Mutter hat angerufen und gefragt, ob sie etwas verpasst habe.» Er winkt ab – halbherzig. «Ich bin aktuell Single. Aber ich gehe mit offenem Herzen durchs Leben.» Konkret auf Malika angesprochen, meint er: «Sie ist im Moment der Mensch, mit dem ich am meisten Zeit verbringe. Wir kommen uns extrem nahe.» Auch sie bleibt gelassen. «Viele würden sich wünschen, dass da mehr ist. Aber wir sind ein Tanzpaar, das sich einfach sehr gut versteht.» Und ergänzt mit einem Augenzwinkern: «Wenns passt, passts.»

Familie als Rückhalt

Bei all dem Trubel gibt es Fixpunkte, die ihn erden: Mutter Elfie und Schwester Lorina. Wöchentlich reisen sie nach Köln und fiebern mit. «Das bedeutet mir die Welt», sagt Joel. Besonders denkt er an seinen Vater Felix, der 2020 an Krebs starb. «Solche Momente würde ich gerne mit ihm teilen. Ich spüre aber, dass er immer bei mir ist – und bin sicher, er wäre stolz.»

Vielleicht ist es genau diese Mischung aus Bodenständigkeit, Disziplin und Willen, die ihn trägt. Angst, nicht durchzuhalten, kennt er nicht. Eine andere Sorge hingegen schon: «Ich fürchte mich eher, dass es plötzlich vorbei sein könnte. Von meinen Teilnahmen bei ‹Ninja Warrior› kenne ich es: Man fällt danach oft in ein Loch und verspürt Leere.» Noch aber ist er mittendrin, liefert ab, wächst über sich hinaus, überrascht – sich selbst genauso wie das Publikum.

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