Ergreifende Trauerfeier für Swisscom-Chef Carsten Schloter († 49)
«Wie soll ich den Stern finden, auf dem Papi sitzt?»

Seine Frau, seine Kinder, seine Freunde nahmen in der Freiburger Kathedrale von Carsten Schloter († 49) Abschied. Sonnenblumen lagen auf dem Sarg des Swisscom-Chefs. Und ein Päckli Gummibärchen. Ein letzter Gruss an den Familienvater.
Publiziert: 30.07.2013 um 09:13 Uhr
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Aktualisiert: 08.09.2018 um 16:25 Uhr
Von Philipp Albrecht und Irène Harnischberg

Trauriger hätte dieser Tag nicht sein können. Die Kathedrale St. Nikolaus in Freiburg ragt in einen düsteren Himmel, der dicke Regentropfen auf die schwarzen Schirme der Trauergäste schickt. Bevor um 14.30 Uhr die Abdankung beginnt, ist niemandem zum Reden zumute.

Bundesrätin Doris Leuthard geht dicht neben Swisscom-Präsident Hansueli Loosli. Ihnen folgen zahlreiche Kaderleute des Unternehmens. Sie haben sich zuvor im Hôtel de la Rose zusammengefunden. Auch ehemalige Swisscom-Leute wie Schloters Vorgänger Jens Alder und der frühere Präsident Anton Scherrer sind unter den gut 500 Trauergästen.

Drinnen fliessen bald die ersten Tränen, als Carsten Schloters Combox abgespielt wird: «Ich bin im Moment nicht erreichbar», sagt die Stimme des erfolgreichen Swisscom-Chefs, der sich vor einer Woche das Leben nahm. Dann wird sein Lieblingslied gespielt: «I’m Working On A Dream», singt Bruce Springsteen – ich arbeite an einem Traum.

Vor der Kirche wird der Sarg aufgestellt. Blumen auf dem Deckel, darunter  ein Päckchen mit Gummibärchen. Domherr Hans Brügger stellt sich neben den Sarg und betet – zehn Minuten lang. Später sagt er hinter dem Altar stehend: «Wir sind betroffen und bestürzt, weil der fürsorgende Papi, der Mann, der Chef nicht mehr da ist.»

Die Hinterbliebenen kommen zu Wort und erzählen vom Menschen Carsten Schloter. Unter Tränen sagt seine ältere Schwester: «Im Gegensatz zu dem, was Du geglaubt hast, warst Du niemals alleine.» Und seine jüngere Schwester erzählt, wie sie zu ihrem grossen Bruder hochschaute.

Schloters Frau (40), von der er die letzten vier Jahre getrennt lebte, sitzt mit den drei Kindern (8, 11, 14) in der vierten Reihe. Als sie spricht, ringt  sie mit den Tränen. Zweimal habe er die Familie verlassen, sagt sie: «Und wieder bleibt uns keine andere Wahl als zu akzeptieren und die Frage nach dem Warum mit der Zeit verblassen zu lassen.» Ihre Worte sind trotzdem versöhnlich: «Deine Kinder lieben und vermissen Dich.» Ergreifend erzählt sie vom jüngsten Sohn: «Wie soll ich den Stern finden, auf dem mein Papi sitzt», habe er sie gefragt. Ihre Antwort: «Wenn wir zusammen in den Himmel schauen, ist es jener Stern, der am hellsten leuchtet.»

Viele weinen, als der Sohn im Anschluss am Klavier Beethovens «Für Elise» spielt.

Mit sehr sachlichen Worten wendet sich Swisscom-Präsident Hansueli Loosli an die Trauernden. Man habe Carsten Schloter als Persönlichkeit «mit einem grossen Herzen, einer beeindruckenden Energie, grossem Mut und einem starken Gestaltungswillen» erleben dürfen. Loosli spricht auch von Produkten, die Schloter zu verdanken seien, und wie er die Swisscom führte. «Wenn etwas nicht gut lief, übernahm er persönlich die Verantwortung und brachte das Schiff wieder auf Kurs.» Seine Erfolge seien aber nur möglich gewesen, weil es Schloter gelungen sei, die Mitarbeiter zu begeistern.

Auch Schloters Freundin, mit der er zuletzt in einem Freiburger Vorort zusammenlebte, ist unter den Trauergästen. Der Gang trennt sie von der Familie. Carsten Schloter sei am Schluss nicht allein gewesen, soll sie zu Bekannten gesagt haben.

Bundesrätin Leuthard verlässt die Kathedrale mit Loosli. Beiden ist auch nach der Trauerfeier nicht nach Reden zumute.

Ex-Post-Chef Jürg Bucher sagt: «Es war ein trauriger Abschied von einem lieben Freund. Die Erinnerungen bleiben. Es sind sehr gute Erinnerungen.» Auch für Schloters einst grössten Konkurrenten, Cablecom-Chef Eric Tveter, ist es ein «sehr trauriger Tag». Schloter sei eine beeindruckende Persönlichkeit gewesen. «Wo Carsten war, da war Intensität», pflichtet SRG-Generaldirektor Roger de Weck bei.

Auf die Frage, was er Carsten Schloter noch gerne gesagt hätte, antwortet SBB-Chef Andreas Meyer: «Wenn Du das heute erlebt hättest, hättest Du gesehen, dass es nicht nötig gewesen war, von uns zu gehen.»

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