Eine Sonderkommission kümmert sich ausschliesslich um den Fall Olivia Ostergaard (20). Gestern hat die Zuger Polizei den Ägerisee mit einem Boot abgesucht. Die blonde Jurastudentin ist seit einer Woche verschollen.
«Am Dienstag ging Olivia um 5.30 Uhr los, um an der Uni Zürich zu lernen. Die Uhrzeit ist nichts Aussergewöhnliches. Sie geht gelegentlich sehr früh hin», sagt Keld Ostergaard (48), ihr Vater.
Die gebürtige Dänin wohnt mit ihrem Freund Andri an der Hofstrasse in Zug. Als sie am Abend nicht zurückkommt, sucht Andri nach ihr. «Er kontaktierte Olivias Freunde und Verwandte, niemand wusste etwas», sagt Ostergaard.
Am Morgen informiert Andri die Eltern. «Wir riefen die Polizei. Olivia hält sich sonst immer an Abmachungen.»
Die Beamten versuchen Olivia Ostergaards Handy zu orten. Es ist seit Tagen ausgeschaltet. Bilder der 1,78 Meter grossen, schlanken Studentin werden veröffentlicht. Keine brauchbaren Hinweise gehen ein. Offenbar hat sie niemand im Bus und Zug Richtung Zürich gesehen.
«Es war ein schöner Tag, gute Nacht›»
Keld Ostergaard hat seine Tochter am Samstag vor ihrem Verschwinden letztmals getroffen. «Wir machten einen langen Spaziergang in Oberägeri, wie wir das regelmässig tun. Wir sprachen über Gott und die Welt. Ein schönes Gespräch. Olivia machte einen glücklichen Eindruck. Alles war positiv.» Am Montagabend bekommen die Eltern die letzte Nachricht. «Sie schrieb uns ein SMS. ‹Es war ein schöner Tag, gute Nacht›», erzählt der Vater.
Olivia Ostergaard ist seit acht Jahren in der Schweiz, spricht Schweizerdeutsch, Englisch und Dänisch. Ihr Vater: «Olivia ist eine richtig gute Studentin. Sie stellt hohe Anforderungen an sich selbst. Sie ist eine Perfektionistin.»
Die junge Frau ist eine der jüngsten Kampfsportlerinnen der Schweiz, die den schwarzen Gurt im Karate hat. «Sie prahlte nie damit», sagt ihr Vater. Die Eltern glauben nicht, dass sich Olivia selber getötet hat. «Wir denken, sie würde uns einen Abschiedsbrief schreiben. Es gibt auch keine Vorgeschichte, die auf Suizid hinweist.» Die Polizei hat zurzeit keine Hinweise auf ein Verbrechen.
Aber der Gedanke daran macht den Eltern zu schaffen. «Unser schlimmster Albtraum ist, dass Olivia entführt worden ist. Dass sie zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort war», sagt Keld Ostergaard. «Es ist so frustrierend. Diese Ungewissheit.»
Hinweise an die Zuger Polizei: Telefon 041 728 41 41