Ramona (13) ist die jüngste Mutter der Schweiz
«Nico ist mein Überraschungsbaby»

Am Morgen vor der Geburt ging das Mädchen noch zur Schule – niemand ahnte etwas von der Schwangerschaft.
Publiziert: 08.01.2009 um 00:00 Uhr
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Aktualisiert: 05.10.2018 um 00:17 Uhr
Von Ralph Donghi

Ein Einfamilienhaus im solothurnischen Obergerlafingen. Am Küchentisch sitzt Ramona. 13 Jahre. Oberstufenschülerin. Kein Kind mehr, aber auch noch keine Frau. Sie hält ein Baby im Arm – ihr Baby!

«Ich kann es selber noch nicht richtig fassen», sagt Ramona und gibt ihrem Nico (20 Tage alt) den Schoppen. «Ich könnte ihn schon stillen. Doch es wäre nicht gut, weil ich in etwa drei Wochen ja wieder in die Schule gehen will.»

Ramona ist vorbildlich. Eine Kämpfernatur. Sie ist Torhüterin in einem Unihockey-Team. Zigaretten, Alkohol – kein Thema für sie. Auch an ein Baby hat sie «in meinem Alter sicher noch nicht gedacht».

Doch vor etwa 9 Monaten, als sie noch in der Primarschule ist, hat sie ihren ersten Freund. Er geht damals in die gleiche Schule. Ist gleich alt wie Ramona. «Wir verliebten uns und schliefen miteinander», erzählt Ramona vor ihrer Mutter, die ebenfalls am Küchentisch sitzt. Heidi O.* (47) hebt ihre Augenbrauen und guckt ihre Tochter an.

«Mam!», sagt Ramona. «Er nahm ja ein Kondom. Irgendetwas muss halt falsch gelaufen sein.» Ramona wird schwanger.

Aber weder sie, ihre Mutter noch sonst wer merkt etwas davon. «Das ist bei jungen Frauen gut möglich», weiss Ramona inzwischen von einem Arzt. «Ich habe schon zugenommen. Aber keinen richtigen Ballon-Bauch bekommen.»

Noch am 18. Dezember geht Ramona zur Schule. Auch ihre Kameraden und die Klassenlehrerin (53) der 1. Oberstufenklasse merken nicht, dass die 13-Jährige hochschwanger ist. Der Abend daheim verläuft normal.

«Doch in der Nacht bekam ich Bauchschmerzen», sagt Ramona. «Als hätte ich eine Magenverstopfung.» Sie holt ihre Mutter aus dem Bett. «Ich spürte, irgendetwas war bei Ramona nicht gut», sagt Heidi O. Sie fahren sofort ins Bürgerspital Solothurn.

Da stellt man fest: Es ist nicht der Magen – es ist ein Baby! «Wir waren überwältigt von meinem Überraschungsbaby», sagt Ramona – und weint. Ihre Mutter tröstet sie.

Der Vater des Babys weiss jetzt von dem Kind, kommt noch nicht recht klar damit. Ramona und er sind seit zwei Monaten getrennt. Heidi O.: «So was kann passieren.»

Ramona wird im Bürgerspital von einem Top-Ärzte-Team und einer Hebamme betreut – ihre Mutter hält ihr bei den Wehen die Hand.

«Du warst ganz stark», lobt Heidi O. ihr einziges Kind. «Zum Glück hast du immer viel Sport gemacht.» Sportlich gehts auch bei der Geburt zu und her. Das Baby ist um 5.40 Uhr, nach kaum zwei Stunden, da. 46 Zentimeter, 2670 Gramm. «Ich war so glücklich», sagt Ramona. «Vor allem, weil man keinen Kaiserschnitt machen musste und mein Baby kerngesund war.»

Wenn die 13-Jährige wieder zur Schule geht, wird ihre Mutter zum Baby schauen. Heidi O.: «Das geht zum Glück, weil ich nur Teilzeit arbeite.» Und der Vater von Ramona? «Er ist vor einem Jahr gestorben», sagt Ramona leise. Ihre Mutter drückt sie an sich: «Jetzt sind wir ja wieder zu dritt.»

* Name der Redaktion bekannt

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