Das Heli-Drama vom Kandertal
Flog er in das Seilbahnkabel?

Zwei Männer und eine Frau stürzen in den Tod. Das Drama um die passionierten Heli-Flieger gibt Rätsel auf.
Publiziert: 26.05.2012 um 00:00 Uhr
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Aktualisiert: 08.10.2018 um 12:28 Uhr
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Pilot Stefan B. vor dem Unfall-Heli der Heliswiss.
Foto: Yoshi Kusano
Von Gabriela Battaglia und Adrian Schulthess

Das Kabel war tödlich. «Der Helikopter durchtrennte ein Drahtseil und stürzte ab», heisst es im gestern Mittag veröffentlichten Vorbericht der Schweizerischen Unfalluntersuchungsstelle SUST trocken. «Es entwickelte sich ein Aufschlagsbrand.»

Die Bell 206B JetRanger II des Berner Unternehmens Heli­swiss stürzt am Donnerstagabend gegen 17.45 Uhr in ein unwegsames Waldstück ob Reichenbach im Kandertal BE (BLICK berichtete).

Der 1980 in Italien gebaute Helikopter bricht auseinander. Als die ersten Helfer im unwegsamen Gelände ankommen, brennen die Trümmerteile.

Start und Ziel des Flugs waren identisch: Die Heliswiss-Basis in Bern-Belp. Ein «Überprüfungsflug», auf dem Piloten einem vom Bund lizenzierten Fluglehrer zeigen, dass sie die wichtigsten Manöver noch beherrschen. Der Check ist ein Mal jährlich fällig.

Stefan B. flog seit 22 Jahren

«Stefan hat am Donnerstag extra frei genommen für den Checkflug», sagt ein Arbeitskollege. Hauptberuflich arbeitete Stefan B.* (†46) aus Tafers FR als Informatiker bei der Post in Zollikofen BE.

«Wenn es die Arbeit zulässt, vertausche ich jeweils den Bürostuhl mit dem Pilotensitz des Helikopters», sagte Stefan B. 2010 im Mitarbeitermagazin der Post. «Denn als externer Berufspilot von Heliswiss werde ich für Passagier-, Foto-, Film- und Taxiflüge gebucht.» Am liebsten fliege er tief über den Dächern.

Seit 1990 hatte Stefan B. die Berufspilotenlizenz. Immer flog er eine 206B. «Angst habe ich nie gehabt», sagte er. «Bis jetzt ist immer alles gut gegangen.»

Jetzt ging irgendetwas schief. Auf der Landeskarte sind im Umkreis von 250 Metern zur Absturzstelle gleich zwei Transportseilbahnen eingezeichnet. Dazu kommen jene, die nicht kartographiert sind.

Drei Tote

Gestern Mittag konnten Helikopter der Rega und der Berner Oberländer Firma Bohag drei Leichen bergen. Neben jener von Stefan B. eine männliche und eine weibliche Leiche. Sie wurden im Tal abgesetzt und in Leichenwagen verladen.

«Ich weiss noch nicht einmal, ob Stefan selber geflogen ist», sagt seine Witwe gestern zu BLICK. «Emotional ist es sehr schwierig. Er flog seit 22 Jahren. Nie gab es auch nur ein einziges Problem.»

*Name der Redaktion bekannt

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