Wahlen 2015
Das Jahr der Miniparteien und Exoten

Im Herbst wirds bunt! Bei den Wahlen 2015 machen nämlich allerlei Kleinstparteien und Aussenseiter mit. Auch ohne reelle Wahlchance wollen sie die nationale Bühne nutzen.
Publiziert: 20.01.2015 um 15:23 Uhr
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Aktualisiert: 28.09.2018 um 21:30 Uhr
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Brenda Mäder politisierte einst für die Jungfreisinnigen. Jetzt tritt sie für die neue Unabhängigkeitspartei zu den Wahlen an.
Foto: Keystone
Von Ruedi Studer

Das Wahljahr 2015 wird zum Tummelplatz für Miniparteien und Exoten! Zwar haben sie praktisch null Chancen auf einen Sitzgewinn, doch die nationale Bühne nutzen sie nur allzu gerne, um ihre Ideen und Werte zu vermitteln – oder wenigstens nicht in Vergessenheit zu geraten.

Piratenpartei tritt in mehreren Kantonen an

Die Piratenpartei zum Beispiel will in mehreren Kantonen – etwa ZH, BE, AG, GE oder SG – antreten. «Wir werden einen Fokus auf die aussichtsreichsten Kantone legen», sagt Piraten-Sprecher Denis Simonet. «In grossen Kantonen wie Zürich, Waadt oder Bern ist ein Sitz im Nationalrat möglich.» 

Schweizweit hätten sich bereits viele Kandidaten gemeldet. Simonet selbst will in Bern antreten. In Zürich werde voraussichtlich der Winterthurer Gemeinderat Marc Wäckerlin kandidieren. Auch ein Slogan steht parat: «Piratenpartei – humanistisch, liberal, progressiv.»

Tierpartei hofft auf ein bis zwei Sitze

Einen neuen Versuch wagt die Tierpartei. «Wir werden sicherlich im Kanton Zürich antreten», sagt Parteichef Thomas Märki. Ob es auch andernorts Listen gebe, sei noch offen. Wahlziel sind «ein bis zwei Sitze» im Nationalrat. Dort, wo man nicht antrete, werde man Wahlempfehlungen für «tierfreundliche» Politiker abgeben, so Märki.

«Insbesondere bei der Haltung von sogenannten ‘Nutztieren’ sind gesetzliche Anpassungen dringend nötig», sagt Märki zum inhaltlichen Fokus.

Erster Versuch der Unabhängigkeitspartei

Erstmals antreten wird die 2014 gegründete Unabhängigkeitspartei. «Wir wollen die wählerstärkste konsequent liberale Partei sein. Das dürfte mit einem Wähleranteil von 0,1 Prozent erreicht sein», sagt Geschäftsführer Roger Martin.

Das Wahlziel: «Ein Nationalrat – damit wenigstens einer sich konsequent für mehr Selbstbestimmung einsetzt.» Antreten werde man «voraussichtlich nur in Zürich» – wobei die frühere Präsidentin der Jungfreisinnigen, Brenda Mäder, zum Kandidatenfeld zählt. Bereits klar ist der Wahlslogan: «Wir lieben Freiheit!»

Alpenparlament und «Justiz-Opfer»

Auch die Gruppierung Alpenparlament will sich die Wahlen 2015 nicht entgehen lassen. «Wir werden ganz sicher antreten», sagt Sekretär Roland Schöni. Am wahrscheinlichsten in Bern, allenfalls auch noch in weiteren Kantonen.

Im Kanton Luzern macht sich die Gruppe der Parteilosen – sie tritt im März bei den Kantonsratswahlen an – auch Überlegungen für eine erstmalige nationale Kandidatur. Allenfalls werde man mit zwei «Justiz-Opfern» antreten, um für Transparenz zu kämpfen. Reelle Wahlchancen rechnet sich die Gruppe keine aus, wie sie schreibt. 

Zumindest in St. Gallen will die Direktdemokratische Partei Schweiz mit einer eigenen Liste antreten. Zu den Kandidaten der Rechtsaussenpartei gehört Ignaz Bearth, der kurz als Pediga-Sprecher für Schlagzeilen sorgte.

Bis im Herbst werden noch einige weitere bunte Parteichen und Trüppchen folgen. Für Vielfalt ist bei den Wahlen 2015 jedenfalls gesorgt.

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