SVP-Mann Andreas Glarner hat gestern ein SP-Plakat aus Basel auf Facebook geteilt. Nicht, um dafür Werbung zu machen. Nein, um es zu kritisieren. Auf dem Wahlplakat sind zwölf Kandidatinnen und Kandidaten abgebildet, die in den Grossen Rat wollten. Allesamt Schweizer.
Sie heissen jedoch nicht Meier, Müller oder Egli, sondern Gölgeli, Sigirci und Yilmaz. Namen, die auf einen türkisch-kurdischen Migrationshintergrund deuten. Glarner passt das nicht. «Wollen wir das wirklich in der ganzen Schweiz?», fragt er.
Facebook-User antworten ihm mehrheitlich mit einem lakonischen Ja. Einer wirft Glarner Fremdenhass vor – ein anderer schreibt: «Leute wegen ihres Namens zu verurteilen, ist wohl das Dümmste, was man machen kann. Und nein, ich bin kein SP-Mitglied.»
Betroffene überlegt sich rechtliche Schritte
Eine Antwort auf Glarners Frage twitterte auch die Kolumnistin Güzin Kar: «Ja, Schnucki, das wollen wir für die ganze Schweiz. Und wenn du die Alternative bist, dann wählen wir sogar Tiere ins Parlament.» Ihr Tweet wurde Dutzende Male geteilt und löste einen Shitstorm aus.
Von Glarners Vorurteilen war auch SP-Frau Edibe Gölgeli betroffen. Sie erfuhr erst Stunden später von Glarners Post. «Im Gegensatz zu Glarner kann ich nicht ständig auf Facebook unterwegs sein», erklärt sie. Was der SVP-Mann da treibe, habe nichts mehr mit Politik zu tun. «Dagegen kann man sich gar nicht wehren. Das ist Cybermobbing!», sagt Gölgeli zu BLICK. Sie überlegt sich nun rechtliche Schritte.
Zum zweiten Mal gepostet
Auch Glarner überlegt sich den Gang zum Richter. Nicht wegen der SP-Genossen, sondern wegen der Zuger Politikerin Jolanda Spiess-Hegglin. Diese teilte den SVP-Post mit dem Kommentar: «Warum habe ich gerade jetzt den Führer mit Schnöizelchen vor Augen?»
Jolanda Spiess-Hegglin ärgerte vor allem, dass Glarner das Plakat nicht zum ersten Mal postete. Bereits im Oktober stellte er es online, damals lautete sein Kommentar: «Hier ist jede Bemerkung überflüssig und eventuell neuerdings sogar strafbar.» (pma)