Palmen, weisser Sand, zwei Eheringe, die in einer Kokosnuss-Schale vor dem Liebespaar liegen. Der einheimische Zeremonienmeister erklärt, wie die Zeremonie ablaufen wird.
Nämlich «nicht nur nach maledivischer, sondern auch nach arabischer und islamischer Tradition». Ein Helfer hält den Moment auf Video fest. Die beiden Touristen, laut der lokalen Zeitung «Minivan News» Schweizer, wollen in den Ferien auf der Trauminsel ihr Eheversprechen wiederholen. Das Luxus-Hotel bietet den Service an. Im Prospekt des Hotels steht, dass man sein Eheversprechen hier «Hand in Hand im goldenen Sonnenuntergang» erneuern könne.
Das Ehepaar steht auf, hebt die Hände, schaut sich verliebt in die Augen. Dann beginnt der Angestellte des «Vilu Reef Beach and Spa Resort» seine feierliche Hochzeitsrede: «Ihr seid Schweine. Die Kinder, die aus dieser Ehe hervorgehen, werden alle Bastarden-Schweine sein», sagt er in zeremoniellem Singsang auf Dhivehi, der lokalen Sprache.
Kameramann: «Schau nicht auf ihre Brüste!»
Der Mann fährt weiter: «Eure Ehe ist nicht gültig. Ihr seid nicht solche Leute, die eine gültige Ehe führen dürfen. Einer von euch ist untreu. Der andere auch – wir glauben auch, dass er ein Ungläubiger ist, der nicht einmal seiner eigenen ungläubigen Religion treu ist.»
Das Paar hat keine Ahnung, was ihm geschieht. Es lauscht konzentriert der fremden Sprache. «Schau nicht auf ihre Brüste», warnt einmal der Mann mit der Videokamera, als sich die weiss gekleidete Braut vorbeugt und ihren Ausschnitt zeigt. Der Zeremonienmeister singt im Tonfall eines Religionsgelehrten: «Hurerei ist nach Artikel sechs Strafgesetzbuches legalisiert worden. Das bedeutet: häufige Unzucht von Homosexuellen. Die meisten Unzucht wird von Männern betrieben», fährt er fort.
«Wut tropft von den Spitzen eurer Penisse»
«Die Forschung hat gezeigt, dass Männer einen höheren Sexualtrieb als Frauen haben», sagt er. «Gemäss Artikel 8 bis 6 des Strafgesetzbuches sind das Konvertieren zum Islam und die Beschneidung keinesfalls wünschenswert.» Dann kommt erklärt er: «Keime der Wut und Hass werden aus den Spitzen eurer Penisse tropfen.»
Vor dem Mann liegt das «offizielle Ehedokument» in arabischer Schrift – in Wahrheit eine Arbeitsvertrag für Hotelangestellte. Es folgen noch zahlreiche weitere Beleidigungen, während das Paar immer noch gefilmt wird und gute Miene zum bösen Spiel macht. Dann wechselt der Zeremonienmeister wieder ins Englische: «Jetzt seid ihr gemäss maledivischem und islamischem Gesetz verheiratet.»
Zynischer Applaus des einheimischen Publikums
Zahlreiche einheimische Zuschauer applaudieren, das Paar darf nun am Strand als Symbol ihrer Liebe eine Palme pflanzen. Das Publikum nimmt das wieder zum Anlass, ungehemmt in Dhivehi über die Brüste der Touristin zu diskutieren.
15 Minuten lang wird das Video . Und die Hotelangestellten finden es so lustig, dass sie es auf «Youtube» stellen. Bald jedoch sorgt das Dokument der Schande für Aufsehen: Die lokalen Behörden sind «schockiert und entsetzt». Die Polizei untersucht nun den Vorfall.
Hotelmanager: «Sonst war es okay»
Der maldivische Aussenminister Ahmed Shaheed: «Es ist ein Horror. Ich konnte das Video nicht einmal zu Ende sehen, weil meine Kinder anwesend waren. Es zerstört unseren guten Ruf und unsere Reputation, die wir über Jahre aufgebaut haben. Ich erwarte, dass das Hotel dem Paar das Geld zurückgibt und sich vollumfänglich entschuldigt.»
Laut der Homepage des «Vilu Reef Beach and Spa Resort» kostet die Zeremonie 1300 Dollar. Die Direktion des Hotels hat den verantwortlichen Angestellten offenbar suspendiert und sich beim Paar entschuldigt. Der Hotelmanager Mohamed Rasheed scheint sich der Tragweite der Situation nicht ganz bewusst zu sein: «Der Mann hat eine unanständige Sprache benutzt. Sonst war die Zeremonie aber okay.»