Darum gehts
- Erdbeben der Stärke 7,4 traf Japan am Montag um 9.53 Uhr
- Tsunami-Warnung: Wellen bis drei Meter erwartet, Evakuierungen angeordnet
- 29'000 Haushalte und 67'135 Personen in Fukushima per App gewarnt
Erdbeben-Alarm in Japan: Am Montag wurde im Osten des Landes, im Meer vor der Küste, ein Beben der Stärke 7,7 registriert. Das meldete die US-Behörde USGS. Gemessen wurde das Beben um 9.53 Uhr Schweizer Zeit in einer Tiefe von 10 Kilometern. Das Epizentrum befand sich rund 100 Kilometer nordöstlich der Stadt Miyako.
Die japanischen Behörden gaben eine Tsunami-Warnung heraus. Personen in der Nähe von Küstengebieten, Flüssen oder Seen sollten sich unverzüglich in höher gelegene Gebiete begeben. Es wurde mit Wellen von bis zu drei Metern Höhe gerechnet. Für die Präfekturen Iwate und Zentral-Hokkaido im nördlichen Teil des Archipels galt die höchste, rote Warnstufe. Social-Media-Nutzer meldeten, sie hätten das Erdbeben auch in der Hauptstadt Tokio gespürt. Hohe Gebäude hätten gezittert.
Blick-Leser berichten aus Japan
Das bekam auch ein Leserreporter zu spüren, der sich gerade in Tokio befindet. Er lag auf seinem Bett im Hotel, als es losging. «Plötzlich dachte ich, es würde mir schwindlig werden, doch dann sah ich wie die Vorhänge sich bewegten und wusste sofort, dass es ein Erdbeben war.» Als er aufstand, fühlte es sich an, als ob er auf einem Schiff steht, so sehr schwankte es. Er öffnete daraufhin seine App in Japan, die extra für solche Naturkatastrophen sind. «Dort war ich ziemlich geschockt, als ich sah, dass es eine Tsunami-Warnung gab und dass es ein Erdbeben von der Stärke von 7,4 war!» Und weiter: «Ich hatte immer noch das Schlottern in den Beinen.»
Auch ein Ehepaar aus Basel ist derzeit auf einer achtwöchigen Ferienreise durch Japan. «Auf allen Sendern läuft dasselbe Bild mit der Tsunami-Warnung, und zwischendurch gibt es immer wieder Live-Übertragungen von Helikoptern, die entlang der Küste fliegen und die hohen Wellen zeigen», berichten sie. «Zu Beginn führte uns die Reise nach Hokkaido in eben dieses Gebiet, wo die Leute evakuiert werden müssen!» Aktuell befindet sich das Paar ausserhalb der Gefahrenzone.
«Es gab Durchsagen, ich habe kein Wort verstanden»
Der Engadiner Mario Barblan (75) ist derzeit auf einer dreiwöchigen Reise in Japan. Er wurde als Dozent für Gastvorlesungen im Bereich Internationales Management eingeladen. «Was eindrücklich ist: wie absolut eingespielt diese Leute sind», erzählt er. «Es bricht keine Panik aus, alles ist organisiert – überall Menschen in gelben Anzügen, durch und durch strukturiert. Das hat mich tief beeindruckt.»
Er reiste mit dem Schnellzug Shinkansen Richtung Tokio und fuhr dabei durch den Seikan-Tunnel unter dem Meeresboden. «Ich habe mich noch gefragt, was wäre, wenn jetzt etwas passieren würde – Japan ist ja bekannt für seine Erdbeben. Ich war etwa zwei Stationen nach dem Tunnel, als der Zug plötzlich anhielt. Es gab japanische Durchsagen, ich habe kein Wort verstanden. Mein Sitznachbar hat mir auf Englisch erklärt, dass eine Evakuation im Gange sei. Panik ist aber nicht ausgebrochen.» Mittlerweile ist er wohlbehalten in Tokio angekommen.
Die Katastrophenschutzbehörde des Landes gab Evakuierungsanordnungen für mehr als 120'000 Personen in 12 Städten und Gemeinden in vier Präfekturen raus. Die Warn-App Nerv meldete an mehreren Orten mögliche Tsunami-Wellen: «Eine sofortige Evakuierung ist erforderlich.» Es gab laut der Applikation auch schwächere Nachbeben. In der Grossstadt Aomori bildeten sich lange Staus, als Menschen dabei waren, vor einer möglichen Flutwelle zu fliehen.
Erinnerung an furchtbares Erdbeben 2011
Premierministerin Sanae Takaichi (65) richtete eine Notfall-Taskforce ein und forderte die Bürger in den betroffenen Gebieten dringend dazu auf, sich in Sicherheit zu bringen, berichtete die Nachrichtenagentur Reuters. Der Sender NHK zeigte Schiffe, die in Erwartung der Wellen aus dem Hafen von Hachinohe auf Hokkaido ausliefen. Der Shinkansenverkehr in Aomori an der Nordspitze der japanischen Hauptinsel Honshu wurde aufgrund der Erschütterungen eingestellt, berichtete die Nachrichtenagentur Kyodo.
Zunächst gab es keine Berichte über Schäden oder Verletzte, obwohl vor der Küste Tsunamis beobachtet worden waren. Die japanische Wetterbehörde erklärte laut der Nachrichtenagentur Kyodo jedoch, dass Erdbeben «ähnlicher Stärke» bis zu einer Woche lang andauern könnten.
Brisante Warnung der Wetterbehörde
Im TV erinnerten Nachrichtensprecher die Zuschauer daran, dass Tsunamis mit der Zeit an Grösse zunehmen können und dass selbst Wellen von nur 80 Zentimeter Höhe stark genug sind, um Menschen von den Füssen zu reissen.
In der Präfektur Fukushima hatte sich 2011 nach einem Erdbeben und einem darauffolgenden Tsunami eine Nuklearkatastrophe ereignet. Bei dem Erdbeben der Stärke 9,0 starben Tausende Menschen. Der Inselstaat Japan mit 125 Millionen Einwohnern liegt in einer der tektonisch aktivsten Zonen der Welt. Jährlich wird das Land von rund 1500 Erdbeben erschüttert. Nach der Katastrophe hatten die japanischen Fernsehsender ihren Ratschlägen auf dem Bildschirm zusätzliche Dringlichkeit verliehen.
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