Darum gehts
- Ein Buckelwal strandete Montag in der Lübecker Bucht, Schleswig-Holstein
- Am Freitag befreite sich der Wal, schwamm Richtung offenes Meer
- Der Wal ist 10 Meter lang und gesundheitlich stark geschwächt
Ein dramatischer Kampf ums Überleben spielt sich in dieser Woche an der Lübecker Bucht ab. Vor dem deutschen Ferienort Niendorf im Bundesland Schleswig-Holstein ist in der Nacht auf Montag ein stark geschwächter Grosswal gestrandet. Immer wieder scheiterten die Rettungsversuche.
Am Freitagmorgen dann die erlösende Nachricht! Der Buckelwal war nicht mehr zu sehen. Meeresbiologe Robert Marc Lehmann teilte zunächst auf Instagram mit: «Jetzt beginnt die heisse Phase.» Kurz darauf bestätigte er: Der Buckelwal hat sich befreit.
Stark geschwächter Wal an deutscher Ostseeküste gestrandet
Endlich im offenen Meer – und gleich wieder zu nahe an der Küste
Raus aus der Bucht heisst noch nicht, dass der Wal in Sicherheit ist. Erst wenn er im Atlantik ist, werden die Retterinnen und die Experten aufatmen können. Am frühen Nachmittag heisst es gemäss Informationen der «Bild» immerhin, dass er sich bereits 13 Kilometer weit weg von der Küste befinde. «Das Tier ist in offener See», hiess es. Jetzt müsse man es begleiten und beobachten.
Am späteren Nachmittag wirds dann wieder etwas brenzlig: Zunächst bewegt sich der Wal im Zickzack entlang der Küste bis nach Mecklenburg-Vorpommern. Dort schwimmt er nun in gerade einmal 400 Meter Entfernung vor der Küste herum – Retter und Retterinnen befürchten nun, der Wal könne erneut stranden. Anstalten, in Richtung der offenen See zu schwimmen, zeige das Tier nicht. Die Rettungsarbeiten sollen nun für den Tag beendet werden.
Sollte sich der Meeresriese doch noch weiterbewegen, wurde die weitere Rettung und Begleitung ebenfalls bereits aufgegleist. Wie Lehmann sagt, sei die dänische Polizei informiert worden. Die würden ihn dann später weiterbegleiten.
Fischernetze und Rückkehr zur Sandbank
Einige knifflige Stellen hat der Meeres-Riese bereits gemeistert. Sein Weg führte zum Beispiel zwischen Fischernetzen hindurch, um weiter raus zu gelangen. Für die Menschen auf den Schiffen muss es eine emotionale Achterbahnfahrt gewesen sein.. Denn bereits kurz nach dem Aufatmen, dass man den Wal nun Richtung offenes Meer begleiten könne, schwamm dieser wieder in die Bucht zurück.
Begleitboote fuhren hektisch hin und her und versuchten, mit lautem Dröhnen von der Stelle fernzuhalten. Auf einem Instagram-Video des Meeresbiologen ist die Methode zu sehen. «Nicht zur Küste mein Freund», hört man ihn sagen.
In einer Wassertiefe von nur gerade zwei Metern musste der Wal vom erneuten Stranden abgehalten werden. Besonders knifflig – auch das Boot kann sich ebenfalls nur bis zu einer Wassertiefe von zwei Metern der Küste nähern.
«Das ist nicht die Rettung»
Dass die Geschichte nicht zwangsläufig gut ausgehen müsse, davor warnte Lehmann breits am Freitagmorgen, nachdem man den Wal vor der Küste gesichtet hatte. Vor Journalisten sprach er von «vorsichtiger Euphorie». «Der Wal ist in keinem guten Gesundheitszustand. Die Haut sieht schlecht aus, er ist schwach, er hat lange nichts gefressen. Das ist nicht die Rettung», warnte er. Es sei nur ein kleiner Schritt in die richtige Richtung. Erst im Atlantik sei er zu Hause. Vielleicht werde man ihn wiederfinden, vielleicht werde man ihn nie wiedersehen. «Oder vielleicht liegt er einen Monat später tot am Strand.»
Wie lief der Rettungseinsatz ab?
Der riesige Meeressäuger war auf einer Sandbank beim Timmendorfer Strand in gerade einmal 1,40 Meter tiefem Wasser gestrandet. Die Rettungskräfte versuchten am Montag, den Wal mit Booten, Luftkissen oder durch Ausrichten zur offenen See zu bewegen – ohne Erfolg. Auch höhere Wasserstände reichten nicht aus, dem etwa zehn Meter langen Jungtier Auftrieb zu verschaffen.
Am Donnerstag setzten die Rettungskräfte schliesslich auf den Einsatz von Baggern. Sie wollten eine Rille freischaufeln, um dem Wal die Möglichkeit zu geben, aus eigener Kraft in tieferes Wasser zu schwimmen. Der Buckelwal war laut einem Meeresbiologen vor Ort in einem wachen Zustand und zeigte Reaktionen, jedoch auch Anzeichen von Angst und Stress.
Wie kam es zur Strandung des Buckelwals in der Ostsee?
Laut der Tierschutzorganisation Whale and Dolphin Conversation (WDC) war der junge Buckelwal bereits mehrfach in der Region gesichtet worden. Vor seiner Strandung hatte er sich in Fischernetzen verstrickt. Das habe den Meeressäuger in seinen Bewegungen eingeschränkt und ihn enorm viel Kraft und Energie gekostet. Ausserdem sei der Wal wahrscheinlich schon lange unterwegs, seit einigen Monaten bereits ausgezehrt und hungrig. All diese Faktoren könnten laut der WDC dazu beigetragen haben, dass der Wal strandete.