Darum gehts
- Trump sprach in der Nacht zum Iran-Krieg
- Er bereitet den Rückzug vor
- Die Strasse von Hormus ist plötzlich nicht mehr wichtig
Der totale Iran-Krieg oder doch Rückzug? Mit Spannung war Donald Trumps (79) Rede in der Nacht auf Donnerstag erwartet worden.
Zuerst einmal, was Trump nicht gesagt hat: Er hat das Wort Nato nicht in den Mund genommen, nichts von einem Austritt aus dem Militärbündnis erwähnt, wie man befürchtet hatte. Das gibt der Nato vorerst Luft, um sich mit Trump abzusprechen und sich neu aufzustellen. Trumps Forderung ist klar und nachvollziehbar: Die Nato-Staaten sollen viel mehr in ihre Armeen investieren und die Sicherheitsarbeit nicht den USA überlassen.
Trumps Rede galt alleine dem Krieg gegen den Iran, den er in zwei bis drei Wochen beenden wolle. «Irans Marine ist zerstört, ihre Luftwaffe liegt in Trümmern», erklärte der Präsident. Auch die Fähigkeit des Landes, Raketen und Drohnen einzusetzen, sei «dramatisch eingeschränkt». Noch nie habe ein Gegner «in so kurzer Zeit derart verheerende Verluste erlitten».
Nochmals «hart» zuschlagen
Noch einmal aber will Trump zur Offensive blasen. «Wir werden sie extrem hart treffen und zurück in die Steinzeit schicken», kündigte er an. Sollte es zu keiner Einigung kommen, könnten auch iranische Kraftwerke ins Visier geraten. Er betonte auch, ein Regimewechsel sei «nicht das ursprüngliche Ziel» gewesen.
Für die steigenden Benzinpreise in den USA machte er iranische Angriffe auf Öltanker verantwortlich. Gleichzeitig hob er die Stärke der US-Wirtschaft hervor: «Wir haben die stärkste Wirtschaft der Geschichte aufgebaut.» Bald würden die Benzinpreise sinken und die Börsenkurse steigen.
Trump pfeift auf Strasse von Hormus
Geradezu absurd sind seine Äusserungen zur Strasse von Hormus. Die Meeresenge, die für ihn immer so wichtig war, ist plötzlich kein Thema mehr. Wegen der eigenen Drill-Offensive seien die USA kaum noch auf Ölimporte durch diese Passage angewiesen, behauptete er. «Die Vereinigten Staaten brauchen diese Route nicht», sagte er.
Andere Länder hingegen müssten stärker Verantwortung übernehmen: Sie sollten die Meerenge «schützen und sichern», da ihre Energieversorgung davon abhänge. Damit dürfte er vor allem Europa gemeint haben, das Trumps Bitte nach Kriegshilfen abgelehnt hatte.
Andere können aufräumen
Was Trumps Aussagen bedeuten? Nichts anderes als dass Trump gegen die schlagkräftigen Iraner kalte Füsse bekommen hat. Sie sind stärker als erwartet und durchdringen immer mehr die Schutzschilde ihrer Gegner.
Für den Ausweg aus der Misere biegt er sich einmal mehr die Wahrheit nach eigenem Gutdünken zurecht. Dass Irans Militär dezimiert worden ist, ist klar. Doch welche Waffen lagern noch in den geheimen Bunkern, und welche Atomanlagen haben sie noch? So sicher sind Trumps Aussagen überhaupt nicht.
Ja, Trumps Rückzug dürfte die Weltwirtschaft beruhigen und seine Erfolgschancen bei den Zwischenwahlen im November erhöhen. Doch Trump hinterlässt im Nahen Osten einen Scherbenhaufen. Der Schaden ist massiv, der Streit der Golfstaaten mit dem Iran wieder voll ausgebrochen. Und vor allem: Dem iranischen Volk ist nicht geholfen.
Trump hat den Nahen Osten endgültig in Brand gesteckt. Nun macht er sich davon. Die Löscharbeiten überlässt er anderen.
«Wir werfen sie in die Steinzeit zurück»
Zwar seien die Benzinpreise gestiegen, doch Amerika sei noch nie so gut vorbereitet gewesen wie jetzt. Dank dem Drill-Programm könnten die USA massenhaft Öl und Gas fördern, mehr als die Golfstaaten. Bald würden die Preise sinken und die Börsenkurse steigen. Die USA seien nicht so sehr auf die Strasse von Hormus angewiesen wie andere Staaten, die sich um die Strasse kümmern müssten. Sein Rat: Kauft Öl von den USA und seid – wenn auch spät – mutig.
«Very shortly» werde der Einsatz beendet sein. «Wir werden sie noch zwei bis drei Wochen extrem hart angreifen und in die Steinzeit zurückwerfen.» Er habe nie von Regimechange gesprochen, aber nach dem Tod vieler Mullahs seien nun weniger radikale Leute an der Macht. Er brüstet sich, wie schnell er den Krieg zu Ende führen könne und verweist auf andere Kriege, die viel länger dauerten. Und er schliesst: «Die USA werden nachher sicherer sein.» Das wars.
Mission bald erfüllt
Trump lobt zuerst die erfolgreiche Lancierung der Artemis II und dann seine Truppen Irak-Krieg. «Die Marine und Luftwaffen sind zerstört, das Terror-Regime tot, die Revolutionsgarden dezimiert und ihre Waffen und Raketen in Stücke gerissen. Noch nie ist ein Land in einem Krieg so schnell zerstört worden.»
Der Iran sei seit Jahrzehnten eine grosse Gefahr für Israel und für das eigene Volk. Diese Gefahr sei nun gebannt worden – schon mit Massnahmen in seiner ersten Amtszeit.
Leider hätten seine diplomatischen Bemühungen nicht gefruchtet, worauf er im vergangenen Jahr mit der Aktion Midnighthammer Atomanlagen angreifen liess. Zwar hätten viele gemeint, dass der Iran keine Atomwaffen habe, doch das stimme nicht. «Wir werden die Mission bald erfüllt haben.»
Geheimnisvolle Botschaft
Auf seinem Instagram-Kanal hat Trump schon mal einige Stichworte platziert. Er schreibt unter dem Titel «Epic Fury» nur:
- Irans Raketen-Arsenal zerstören
- Ihre Navy vernichten
- Die Terror-Verbündeten zerstören
- Sichergehen, dass der Iran nie wieder Atomwaffen besitzen kann
Willkommen zum Trump-Rede-Ticker
Um 3 Uhr nachts Schweizer Zeit sollte es hier losgehen. Wir wünschen allen aufgeweckten Leserinnen und Lesern viel Spass.