Millionen Akten, Fotos, Videos – und dennoch: Die Wahrheit über Epsteins Verbrechen versteckt sich hinter geschwärzten Namen und zerstörten Beweisen. Trotz beispielloser Aktenberge bleibt das Kernproblem ungelöst: Wer hat was getan – und wann? Jetzt könnte sich das ändern. Erstmals gibt es konkrete Hinweise auf handfeste Beweise.
Die 76 Quadratkilometer grosse Zorro Ranch des verurteilten Pädophilen Jeffrey Epstein (1953–2019) im US-Bundesstaat New Mexico steht im Mittelpunkt neuer Ermittlungen. Am 10. März gab das Justizministerium des Bundesstaates bekannt, das Anwesen durchsuchen zu wollen. Die Aktion sei Teil einer grossangelegten Ermittlung gegen den verurteilten Sexualstraftäter.
Die Abgeordnete Melanie Stansbury aus New Mexico erklärte auf der Plattform X, die Ermittler würden bei der Suche «nichts unversucht» lassen. «Die Überlebenden von Epstein warten schon viel zu lange auf Gerechtigkeit, und New Mexico geht mit gutem Beispiel voran, um die Wahrheit ans Licht zu bringen.»
Verdacht: Mädchenleichen auf dem Gelände
Das Repräsentantenhaus von New Mexico stimmte bereits Mitte Februar einstimmig für die Einrichtung einer sogenannten Wahrheitskommission, wie die britische «Times» berichtet. Das Gremium soll aufklären, wer von den mutmasslichen Missbrauchstaten auf dem Anwesen wusste – oder daran beteiligt war.
Unter den mehr als drei Millionen Dokumenten, die das US-Justizministerium im Rahmen des Epstein Files Transparency Act veröffentlicht hat, befindet sich ein brisantes E-Mail. Ein angeblich ehemaliger Mitarbeiter der Ranch schrieb darin, dass zwei «ausländische Mädchen» beim Sex durch Strangulation ums Leben gekommen seien – und auf Anweisung von «Jeffrey und Madam G» – vermutlich Ghislaine Maxwell (64) – irgendwo in den Hügeln rund um das Anwesen begraben worden seien.
Der Verfasser behauptete ausserdem, sieben Videos mitgenommen zu haben, die sexuelle Handlungen mit Minderjährigen zeigen sollen – als «Versicherung». Für die Herausgabe auf einem USB-Stick verlangte er einen Bitcoin.
FBI informiert – aber nie aktiv geworden
Der konservative Talkshow-Moderator Eddy Aragon, an den das E-Mail 2019 gerichtet war, gab an, sie umgehend dem FBI weitergeleitet zu haben. «Sie wirkte auf mich sehr glaubwürdig», sagte er. Auf das Angebot selbst ging er nicht ein. Brisant: Anders als Epsteins Anwesen in New York, Palm Beach und auf seiner Privatinsel, wurde die Zorro Ranch offenbar nie vom FBI durchsucht.
Zwei der vier Zeuginnen im Prozess gegen Maxwell sagten aus, auf der Ranch missbraucht worden zu sein. Auch die inzwischen verstorbene Virginia Giuffre (†41) nannte das Anwesen als Tatort und behauptete, Epstein habe sie an mächtige Männer vermittelt – darunter den früheren demokratischen New-Mexico-Gouverneur Bill Richardson (1947–2023), der die Vorwürfe stets bestritt.
Unter den bekannten Besuchern der Ranch befanden sich der Linguist Noam Chomsky (97) und Filmemacher Woody Allen (90) – beiden wird keine Beteiligung an Straftaten vorgeworfen.
Wendepunkt?
Das Anwesen gehört seit 2023 dem texanischen Immobilien-Tycoon Donald Huffines (67), der es in «San Rafael Ranch» umbenannt hat und zu einem christlichen Rückzugsort umbauen will. Er will mit den Behörden kooperieren.
Die Wahrheitskommission hielt ihre erste Anhörung am Dienstag ab. Nun könnte ein Wendepunkt gekommen sein. Die Hügel um die Ranch könnten endlich die Wahrheit ans Licht bringen.