Verhandlungen am Tag, Truppenverlegungen in der Nacht: Während die USA und der Iran offiziell den Dialog suchen, wirft Teheran Washington laut Reuters vor, unter dem Deckmantel von Diplomatie eine Bodeninvasion vorzubereiten. Während man öffentlich über Verhandlungen spreche, bringe man gleichzeitig Truppen in Stellung.
Der iranische Parlamentspräsident Mohammad Bagher Ghalibaf (64) beschuldigte die USA, Signale über mögliche Verhandlungen zu senden, während sie gleichzeitig die Entsendung von Truppen planten.
Pentagon prüfe Bodeneinsätze
Ganz aus der Luft gegriffen sind die iranischen Vorwürfe nicht. Die «Washington Post» zitiert US-Beamte mit der Aussage, das Pentagon bereite sich auf wochenlange Bodenoperationen im Iran vor. Geplant seien Einsätze von Spezialkräften ebenso wie konventionelle Infanterieoperationen. Im Gespräch sei zudem die Übernahme der Kontrolle über die strategisch wichtige iranische Insel Kharg sowie Angriffe auf Küstengebiete nahe der Strasse von Hormus.
Laut der Zeitung könnte eine mögliche Bodenoperation bis zu zwei Monate dauern. Bereits jetzt wurden US-Marines in die Region entsandt. Tausende Soldaten der 82. US-Luftlandedivision sollen folgen.
Das Weisse Haus bestätigte, dass das Pentagon alles daran setze, Präsident Donald Trump (79) alle notwendigen Optionen bereitzustellen – betonte aber gleichzeitig, dass Trump noch keine finale Entscheidung getroffen habe.
Iran nennt konkreten Acht-Punkte-Plan
Die staatstreue iranische Zeitung «Tehran Times» veröffentlichte eine detaillierte Liste angeblicher US-Invasionspläne, wie das saudi-arabische Newsportal Al Arabiya berichtet. Unter Berufung auf nicht näher bezeichnete Quellen sollen folgende Szenarien geprüft werden:
- Gezielte Tötung iranischer Führungspersönlichkeiten und hochrangiger Beamter
- Angriffe auf die Infrastruktur iranischer Grossstädte
- Eine Bodeninvasion mit dem Einmarsch von 4000 Oppositionskräften aus dem Nordwesten Irans
- Der Einmarsch von 2500 US-Soldaten aus dem Südosten des Landes
- Der Einmarsch von 2500 US-Soldaten aus einem nicht genannten Nachbarstaat
- Nutzung der Flughäfen Bandar Abbas, Kermanscha, Urmia und Täbris zur Truppenlandung
- Luftlandung kleiner Kampfeinheiten (5–15 Soldaten) für gezielte Angriffe auf Raketenanlagen und nukleare Infrastruktur
- Die Durchführung eines begrenzten nuklearen Angriffs auf militärische und nukleare Anlagen
Militäreinsatz zur Sicherung von Uran?
Mehrere Punkte des Plans decken sich mit unabhängig bestätigten Informationen. Die Liste stammt aus einer staatsnahen Quelle und ist nicht unabhängig verifiziert – insbesondere der Punkt eines begrenzten Nuklearschlags gilt als iranische Rahmung ohne belegbare Grundlage.
Wie indes das «Wall Street Journal» berichtet, prüft Trump einen gezielten Militäreinsatz zur Sicherung von Uran. Rund eine halbe Tonne des waffenfähigen Materials soll mit einer hochriskanten Aktion aus dem Iran geborgen werden.
«Strasse von Trump»
Die Zeichen im Krisengebiet stehen weiter auf Eskalation. In einem Telefoninterview mit Israels Channel 14 bekräftigte Trump zwar seine frühere Behauptung, dass die Iraner um einen Deal «betteln». Teheran dagegen gibt sich unbeugsam. Parlamentspräsident Ghalibaf liess in seiner Botschaft an die Nation keinen Zweifel: «Solange die Amerikaner die Kapitulation Irans anstreben, lautet unsere Antwort: Wir werden Demütigungen niemals hinnehmen.»
Trump behauptete im Interview weiter, dass die Übernahme der Kontrolle über die Strasse von Hormus durch die USA «bereits im Gange» sei. Trump bezeichnete die wichtige Ölroute als «Strasse von Trump». Der «Financial Times» sagte der US-Präsident zudem, er wolle «das Öl im Iran übernehmen» und könnte den Exportknotenpunkt der Insel Kharg beschlagnahmen.
Um den Druck auf das Mullah-Regime noch zu erhöhen, schrieb Trump am späten Sonntag US-Zeit auf Truth Social: «Ein grosser Tag im Iran. Viele langersehnte Ziele wurden von unserem grossartigen Militär, dem besten und tödlichsten der Welt, ausgeschaltet und zerstört.»