Darum gehts
- Ein Tram der Linie 9 entgleiste am Freitag in Mailand
- Eine neue Tramlink-Strassenbahn prallte gegen ein Gebäude
- Zwei Personen kamen dabei ums Leben
- Einführung des Trams vor wenigen Tagen
Die Bilder sehen schlimm aus: Ein Tram der Linie 9 ist am Freitagnachmittag in Mailand auf der Via Vittorio Veneto in der Nähe von Porta Venezia entgleist und gegen ein Gebäude geprallt.
Bei dem Unfall kamen zwei Personen ums Leben. Mindestens 50 weitere wurden verletzt, zwei darunter schwer. Zur Tragödie kam es kurz vor 16.15 Uhr. Die genaue Ursache des Unfalls ist noch unklar. Die Staatsanwaltschaft leitete Ermittlungen wegen fahrlässiger Tötung und Körperverletzung ein.
Tote Person unter Tram eingeklemmt
Nach Angaben von Augenzeugen hätte das Tram eigentlich geradeaus fahren sollen, bog jedoch mit hoher Geschwindigkeit nach links ab und entgleiste. Es kam erst im Eingangsbereich eines Restaurants zum Stehen. Die Fahrerkabine wurde schwer beschädigt.
Rettungskräfte waren schnell vor Ort: Sechs Ambulanzen, ein Notarztwagen und Feuerwehrleute kümmerten sich um die Fahrgäste und die Bergung der Opfer. Eine Person, die unter dem Fahrzeug eingeklemmt war, konnte nur noch tot geborgen werden.
«Ich dachte, das sei ein Erdbeben»
Bei den beiden Todesopfern handelt es sich um den 59-jährigen Italiener Ferdinando F.* und den 58-jährigen Abdou Karim T.* aus dem Senegal, wie «Corriere della Sera» berichtet.
Einer der verletzten Passagiere schilderte der Nachrichtenagentur Ansa den Hergang so: «Ich dachte, das sei ein Erdbeben. Es war schrecklich.» Auf einem Video ist zu sehen, wie die Strassenbahn sehr zur Seite geneigt ist, bevor sie in das Gebäude rast.
Tramfahrer verpasste zuvor Haltestelle
Laut Beppe Sala, dem Bürgermeister von Mailand, war der Tramfahrer ein erfahrener Mitarbeiter. «Er war erst eine Stunde im Dienst», so Beppe Sala. «Das Merkwürdige ist, dass er kurz zuvor eine Haltestelle verpasst hat, aus noch ungeklärten Gründen.» Laut dem Bürgermeister soll das Tram nicht zu schnell gewesen sein, als es entgleiste.
Der Tramfahrer befindet sich aktuell im Spital. Gegenüber den Ermittlern gab er an, sich unwohl gefühlt zu haben: «Mir war schlecht», sagte er, wie «Corriere della Sera» schreibt. Spekuliert wird, dass er einen Schwächeanfall erlitten haben könnte. Wie üblich in solchen Fällen wurde ihm für einen Alkohol- und Drogentest Blut abgenommen.
Tochterfirma von Stadler Rail ist der Hersteller
Der Unfall soll eine der neuen Tramlink-Strassenbahnen betreffen, die erst vor wenigen Tagen in Mailand in Betrieb genommen wurden. Diese moderne Fahrzeuggeneration gehört zu einer Flotte von 74 neuen Strassenbahnen, die von ATM, dem Mailänder Transportunternehmen, angeschafft wurden. Ihr Ziel ist es, ältere Fahrzeuge innerhalb der nächsten zwei Jahre zu ersetzen – mit Ausnahme der historischen Carrelli-Strassenbahnen, die weltweit als Wahrzeichen der Stadt bekannt sind.
Die neuen Trams wurden alle von Stadler Valencia gebaut, einer Tochterfirma von Stadler Rail. «Wir bestätigen, dass es sich beim tragischen Unfall in Mailand um ein Tramlink-Milano-Fahrzeug handelt», teilte ein Stadler-Sprecher am Freitagabend der Nachrichtenagentur AWP auf Anfrage mit. Stadler stehe mit der Betreiberin Azienda Trasporti Milanesi in engem Austausch und unterstütze sie bei der Ursachenanalyse.
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